1780 mit Bleistift an die Wand einer Holzhütte auf dem Kickelhahn bei Ilmenau gekritzelt, ist Goethes Gedicht „Wandrers Nachtlied II“ („Ein gleiches“) auf verschlungenen medialen Wegen zu einem der meistzitierten und meistparodierten Texte der Weltliteratur avanciert. Das Gedicht zirkuliert in Vertonungen, Übersetzungen, Nachahmungen, Bilderrätseln, Karikaturen und Verballhornungen, als auswendig gelernter Text und als Ohrwurm. Es kursiert in Werk- und Auswahlausgaben, in Anthologien, touristischen Broschüren und musealen Aufbereitungen. Es hat zahllose Poeten, darunter Brecht, Morgenstern, Jandl und Fried, zu Antworten herausgefordert; es ist von Georges Perec durch eine Hörspiel-Computersimulation gejagt worden; und es ist auch in Daniel Kehlmanns Bestsellerroman „Die Vermessung der Welt“ für eine Pointe gut.
Anhand der faszinierenden Entstehungs- und Wirkungsgeschichte dieses scheinbar schlichten und zugleich rätselhaften Gedichts werden wir in historisch-systematischer Perspektive der Frage nachgehen, wie sich ein Text (inter)medial materialisiert und wie er sich durch seinen Gebrauch verändert. Dabei werden wir uns wissensgeschichtlich mit der Bedeutung der Geologie für Goethe befassen und die Relevanz von Buch-, Musik-, Kunst-, Tourismus- und Übersetzungsgeschichte für das Verständnis von Literatur ausloten.
Im Lektürekurs werden wir uns – ausgehend von unserer Beschäftigung mit Goethes Gedicht „Über allen Gipfeln“ und seiner Wirkungsgeschichte – Grundlagen der Philologie und Texttheorie erarbeiten. Was ist eigentlich Text, was behandeln wir als Text und warum? Wie verhalten sich mündliche und schriftliche Überlieferung? Was ist Schrift, was ist Klang? Was ist ein Autor? Wie hängen Texte zusammen? Was passiert beim Übersetzen von einer Sprache in eine andere mit einem Text? Um diese und weitere Fragen beantworten zu können, befassen wir uns mit einschlägigen theoretischen Ansätzen aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Neben der theoretischen Reflexion werden uns auch ganz praktische Fragen der Methodik beschäftigen, also: Wie analysiert man einen Text oder mehrere Texte? Dabei werden wir auch Unterschiede zwischen textimmanenten und kulturwissenschaftlichen Herangehensweisen diskutieren.

- Profesor: Kathrin Wittler
- Profesor: Fabienne Steeger
Do Androids Dream of Electric Sheep?
- Kursleiter: Gebhard Grelczak
- Profesor: Waldemar Fromm
- Profesor: Franziska Willbold
- Profesor: Waldemar Fromm
- Profesor: Franziska Willbold
- Betreuer: Marcel Schellong

