Mit dem Auftreten generativer KI in der breiten Öffentlichkeit ging ein erhebliches Maß an medialer Aufmerksamkeit einher. In hoher Taktfolge wird teils von gewaltigen Chancen geschwärmt oder auch vor enormen Risiken gewarnt. In diesem Seminar werden die Berichterstattung und Darstellungen von generativer KI in den Medien (insb. der Presse) untersucht. Zu behandelnde Fragen können sein: Wie berichten verschiedene Medien über generative KI, stehen eher Chancen oder Risiken im Vordergrund, sind positive oder negative Emotionen mit der Berichterstattung verknüpft, wie präsentieren Firmen ihre KI-Technologie?
Aufbauend auf theoretischen Überlegungen zu Narrativen, Imaginaries und Framing sowie dem Kennenlernen von existierender Forschung zur Thematik liegt der Schwerpunkt des Seminars auf dem Erlernen und der Durchführung einer quantitativen bzw. automatisierten Inhaltsanalyse zur Thematik. Der Fokus des Seminars liegt auf der Analyse von vorgegebenen oder eigens gesammelten Texten. Es wird im Seminar mit R und ggf. Python gearbeitet, es sind allerdings keinerlei Vorkenntnisse nötig. Alle notwendigen Schritte werden Ihnen im Seminar beigebracht und Sie werden bei der Durchführung der Inhaltsanalyse begleitet. Ein abschließendes Ziel ist die Bewertung der durchgeführten Analysen sowie die gemeinsame Diskussion und Reflexion der Befunde zum Thema.
- Enseignant: Michael Reiß
Wie wird in sozialen Medien über psychische Gesundheit diskutiert? Wie werden alternative Heilmethoden im Vergleich zur Schulmedizin in den Medien dargestellt? Wie unterscheiden sich soziale Medien und Printmedien in der Darstellung von ME/CFS? Wem wird die Verantwortung für Gesundheit und Krankheit in verschiedenen Medien zugeschrieben? Welche Körperideale werden in sozialen Medien vermittelt?
Medien sind für viele Menschen eine wichtige Quelle, wenn sie sich über Gesundheit und Krankheit informieren. Auch in sozialen Medien begegnen uns alltäglich gesundheitsbezogene Inhalte, häufig auch ganz beiläufig. Die mediale Darstellung von Gesundheitsinhalten kann beeinflussen, wie Menschen über Gesundheitsthemen denken oder wie sie sich selbst verhalten. Doch wie werden gesundheitsbezogene Inhalte eigentlich in den Medien dargestellt?
Im Rahmen eines empirischen Forschungsprojekts werden Sie in diesem Seminar in Kleingruppen eigene Projekte zu selbst gewählten Gesundheitsthemen entwickeln und durchführen, um die Methode der Medieninhaltsanalyse zu erlernen. Dabei werden Sie alle Schritte des empirischen Forschungsprozesses vom Aufstellen von Forschungsfragen bis zur Datenanalyse durchlaufen.
- Enseignant: Mara Berlekamp

BookTok gehört für viele junge Menschen längst zum Alltag: Bücher werden empfohlen, diskutiert, nach „Spice Level“ sortiert und in kurzen Videos emotional inszeniert. Doch wie erleben und deuten Leser:innen diese Inhalte? Warum wird BookTok genutzt – und welche Rolle spielen die dort empfohlenen Bücher? Wie werden Geschlechterrollen und wiederkehrende Tropes wahrgenommen, reflektiert und bewertet? Und welchen Einfluss schreiben die Rezipierenden diesen Darstellungen auf ihre Vorstellungen von Realität zu?
In diesem forschungsorientierten Seminar lernen die Studierenden das qualitative Interview als zentrale Methode der Rezeptionsforschung kennen und wenden es im Rahmen eines eigenen Forschungsprojekts an. Als theoretische Grundlage dienen der Uses-and-Gratifications-Ansatz, der Nutzungsmotive und Gratifikationen von BookTok erklärt, sowie die Sexual Script Theory. Letztere ermöglicht es, die in den Büchern vermittelten Skripte zu Begehren, Macht und Geschlechterrollen sowie deren mögliche Aneignung, Reflexion oder Zurückweisung durch die Rezipierenden theoretisch zu fassen.
Gemeinsam entwickeln wir auf dieser Grundlage eine Forschungsfrage, erarbeiten den relevanten Forschungsstand und konzipieren eine qualitative Interviewstudie, mit der Nutzungsmotive, Nutzungspraktiken sowie die Wahrnehmung von Geschlechterrollen und Tropes systematisch untersucht werden können. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie subjektives Erleben, mediale Skripte und individuelle Gratifikationssuche in den Erzählungen der Befragten zusammenkommen.
Neben der Entwicklung des Leitfadens, der Durchführung qualitativer Interviews und der Auswertung der erhobenen Daten werden zentrale forschungspraktische Aspekte wie Forschungsethik, Qualitätskriterien qualitativer Forschung und die Reflexion der eigenen Rolle als Interviewende vertieft. Das Seminar richtet sich an Studierende mit Interesse an Rezeptionsforschung, digitaler Buchkultur und qualitativen Methoden und vermittelt praxisnah Kompetenzen zur eigenständigen Planung, Durchführung und Auswertung qualitativer Forschungsprojekte.
- Enseignant: Ulrike Schwertberger

On TikTok, #BookTok has become one of the most influential literary publics of recent years, turning reader recommendations, emotional reactions, and genre debates into powerful drivers of literary trends. One genre that has particularly profited from this visibility is Dark Romance, a subgenre popular among New Adult readers in which romance is often linked to morally ambivalent antiheroes, power, possessiveness, transgression, violence, and explicit sexual content. Its success has sparked considerable debate: while some understand Dark Romance as a safe space for exploring desire, submission, and the reclaiming of female pleasure beyond purity culture, others criticize the genre for romanticizing abuse, reproducing reductive gender and class relations, and placing women in the caretaker role of violent or "monstrous" men.
Accounting for the heterogeneity of the genre, the seminar takes up this multifaceted debate and explores who reads Dark Romance and how reading practices relate to attitudes toward relationships, gender, power, misogyny, and transgressive behavior. Using cultivation theory and social learning theory as theoretical starting points, students will develop and conduct a quantitative survey study on Dark Romance audiences. They will work through the central steps of an empirical research project: developing research questions and hypotheses, operationalizing key constructs, designing a standardized questionnaire, sampling and collecting data, and preparing the results for a written research report. In doing so, students learn to combine quantitative survey methodology with communication theory, applied to a timely and societally relevant cultural phenomenon.
- Enseignant: Heidi Schulze
Generative Künstliche Intelligenz verändert zunehmend, wie Wissen entsteht, verbreitet und bewertet wird. Suchmaschinen liefern KI generierte personalisierte Antworten statt Links, Chatbots großer Technologieunternehmen werden zu neuen Informationsvermittlern und Organisationen nutzen KI in der öffentlichen Kommunikation. Dadurch verändern sich nicht nur Kommunikationsprozesse, sondern stellt sich auch die Frage, wem wir vertrauen und was als glaubwürdiges Wissen gilt.
Im Seminar untersuchen wir die Rolle von Organisationen in einer zunehmend KI-geprägten Informationsgesellschaft. Gemeinsam diskutieren wir, wie KI die öffentliche Kommunikation verändert, welche Auswirkungen dies auf Vertrauen, Autorität und demokratische Öffentlichkeit hat und welche Rolle Organisationen bei der Gestaltung gesellschaftlicher Wissensordnungen spielen. Nach einer theoretischen Einführung werden wir gemeinsam empirische Forschungsprojekte entwickeln, die aktuelle Fragestellungen in diesem Bereich inhaltanalytisch untersuchen.
- Enseignant: Lea Greminger
Wieso fällt es Menschen schwer, sich gesund zu ernähren oder Sport zu treiben? Weshalb lassen Menschen sich nicht impfen oder tragen keinen Sonnenschutz? Warum werden digitale Gesundheitsangebote oder Vorsorgeuntersuchungen nicht in Anspruch genommen? Ob Menschen ein Verhalten ausüben, das förderlich oder sogar schädigend für ihre Gesundheit ist, hängt von diversen Faktoren ab. Um Gesundheitsverhalten zu erklären und dieses mithilfe von Gesundheitskampagnen positiv beeinflussen zu können, müssen zunächst die individuellen Einflussfaktoren für ein Verhalten identifiziert werden. Dieser Thematik wollen wir uns im Rahmen des Seminars zunächst aus der theoretischen Perspektive annähern und anschließend für Gesundheitsthemen Ihrer Wahl qualitativ untersuchen.
Im Rahmen eines empirischen Forschungsprojekts werden Sie in Kleingruppen Forschungsfragen ableiten, einen Interviewleitfaden entwickeln, qualitative Interviews führen und diese anschließend auswerten und interpretieren. Die Prüfungsleistung setzt sich aus einem Referat und einem Forschungsbericht zusammen.
- Enseignant: Lyn Ermel
"Ich kann's nicht mehr hören, das zieht mich nur runter!" - Ein Gefühl, das viele Menschen kennen, sei es beim Scrollen durch den Social-Media-Feed, beim Schauen der Nachrichten oder beim Lesen der Zeitung. Doch welche Folgen hat es, wenn Nachrichten zunehmend als belastend und ermüdend wahrgenommen werden? Wer sich Nachrichten entzieht, zieht sich auch aus politischen Gesprächen zurück? Führen News Fatigue und News Avoidance dazu, dass Menschen seltener über politische Themen diskutieren?
Der Digital News Report attestiert Deutschland seit Jahren eine steigende Tendenz zur Nachrichtenvermeidung (Digital News Report, 2026). Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung beschäftigen wir uns mit der Frage, wie News Fatigue und News Avoidance erlebt werden und inwiefern diese Phänomene mit der politischen Redebereitschaft im Alltag zusammenhängen.
Im Rahmen eines empirischen Forschungsprojekts werden Sie in Kleingruppen Forschungsfragen ableiten, einen Interviewleitfaden entwickeln, qualitative Interviews führen und diese auswerten und interpretieren. Die Prüfungsleistung besteht aus dem Schreiben eines Forschungsberichts.
- Enseignant: Franziska Selzer