Dieser Kurs untersucht die Geschichte der Infektionskrankheiten von der Mitte des neunzehnten bis zum Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Er zeichnet nach, wie Gesellschaften in einer Zeit tiefgreifender wissenschaftlicher, politischer und sozialer Veränderungen epidemische Krankheiten verstanden, erlebten und auf sie reagierten. Anhand historischer Fallstudien zu Krankheiten wie Cholera, Tuberkulose, Malaria,
Syphilis, Influenza, und HIV/AIDS untersuchen wir die Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik und ihren Einfluss auf Strategien der Krankheitsprävention, z.B. Hygienemaßnahmen und Impfungen. Darüber hinaus befassen wir uns mit der Bedeutung von Kriegen für die Ausbreitung und Bekämpfung von Krankheiten sowie mit den sozialen Ungleichheiten in Gesundheit und Krankheit.
Prüfungsformen im BA und LA (PO 2020/21): RE + HA
Prüfungsform im Didaktikfach - Mittelschule und Sonderpädagogik: RE + HA
- Lehrperson: Nickelsen Kärin
The seminar will examine the interactions and tensions between science, industry and the state, including military, regulatory and financial sponsors and producers of technologies shaped scientific and technological agendas, while scientists benefiting from these relations were often also seeking autonomy of research. Examples from fields such as telecommunication, cancer treatment, and military technology and will be used for more in depth explorations of these interactions.
The seminar will be co-taught by Shaul Katzir (LMU Guest Professor) and Johannes-Geert Hagmann (Deutsches Museum). Prior knowledge of concepts and methods in the history of science and technology are not required, but the ability to read and discuss texts in English is mandatory.
Prüfungsform im Master und GSP: KL
Examination: written exam (KL)
- Lehrperson: Hagmann Johannes-Geert
Das Verhältnis von wissenschaftlicher Expertise und demokratischen Gesellschaften ist ein ungelöstes Problem der Moderne. Die Aufklärung versprach beides: Erkenntnisfortschritt durch wissenschaftliche Methode und politische Emanzipation und Freiheit. Spätestens seit den späten 1960er Jahren treten diese Versprechen in offenen Konflikt: Soziale Bewegungen fordern Mitsprache über Forschungsagenden, Philosophen bestreiten den Sonderstatus wissenschaftlicher Rationalität, und die strategische Fabrikation von Zweifel untergräbt epistemische Autorität dort, wo sie politisch unbequem wird.
Der Kurs nutzt dieses Spannungsfeld, um zentrale theoretische und methodische Zugänge der Wissenschaftsforschung zu erarbeiten. Ausgangspunkt sind die Erschütterungen der 1960er und 1970er Jahre: Kuhns Structure of Scientific Revolutions (1962) und Feyerabends Against Method (1975) stellten die Idee kumulativen, methodisch abgesicherten Erkenntnisfortschritts historisch und philosophisch in Frage, während die Umwelt-, Abrüstungs- und Anti-Vietnamkriegs-Bewegung einen neuen Typus politisierter Wissenschaftskritik hervorbrachte.
Im Kurs lernen wir unterschiedliche theoretische Positionen (Foucault, Habermas, Haraway, Jasanoff) und methodische Ansätze (Diskursanalyse, historische Epistemologie, Kontroversenstudien) kennen, die die Wissenschaftsforschung des ausgehenden 20. Jahrhunderts prägen und wie wir zugleich in die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der 1980er und 1990er Jahre einordnen
Prüfungsform im BA und LA: ES
- Lehrperson: Stuhrmann Cora
Wenige wissenschaftliche Ideen wurden in modernen Gesellschaften so nachhaltig rezipiert wie die Evolutionstheorie. Seit ihrer populären Verbreitung wurde sie nicht nur biologisch weiterentwickelt, sondern immer wieder auf menschliches Verhalten, Kultur und Politik übertragen, mit enormer Breitenwirkung und ebenso enormem Konfliktpotenzial. Der Kurs untersucht anhand einflussreicher Bestseller, wie evolutionäres Denken populär vermittelt, politisch instrumentalisiert und wissenschaftlich kontrovers diskutiert wurde.
Den Ausgangspunkt bilden die Sensationserfolge des 19. Jahrhunderts: Robert Chambers' anonym publizierte Vestiges of the Natural History of Creation (1844) und Charles Darwins On the Origin of Species (1859), die Evolution als öffentliches Thema etablierten. Für das frühe 20. Jahrhundert stehen unter anderem Ernst Haeckels Die Welträtsel (1899) und Kropotkins Mutual Aid (1902). Nachdem Julian Huxley‘s Evolution: The Modern Synthesis ( 1942) die Evolutionsbiologie als Disziplin öffentlich konsolidierte, bilden die Debatten der zweiten Jahrhunderthälfte den Schwerpunkt des Kurses: Konrad Lorenz Das sogenannte Böse (1963), E.O. Wilsons Sociobiology (1975), Richard Dawkins The Selfish Gene (1976), Stephen Jay Goulds The Mismeasure of Man (1981) und Richard Lewontins Biology as Ideology (1990). Diese Werke verhandeln, aus radikal unterschiedlichen Positionen, dieselbe Grundfrage: In welchem Verhältnis stehen Gene und Verhalten, der Mensch zu seiner Umwelt, und die Biologie zur Gesellschaft?
Prüfungsformen im BA und mod. LA: ES
- Lehrperson: Stuhrmann Cora
Im Oberseminar/Masterkurs werden laufende Forschungsarbeiten zur Wissenschaftsgeschichte vorgestellt und diskutiert. Das Programm wird vor Semesterbeginn per Aushang sowie auf der Homepage des Lehrstuhls bekannt gegeben.
Arbeitsform: Oberseminar / Masterkurs
- Lehrperson: Nickelsen Kärin
„Sexualität“ ist ein Produkt der Wissenschaft -- das ist die übergreifende These der Übung. Über das 20. Jh. hinweg entfaltete und wandelte sich dieser nur vermeintlich klare Begriff durch die Erforschung menschlichen Begehrens in unterschiedlichen disziplinären Feldern, zunächst vor allem in Gynäkologie, Psychiatrie und Psychologie, bald auch in Anthropologie, Soziologie, Pädagogik etc. Diese Forschung verhandelte von Beginn an nicht nur physiologische, sondern auch soziokulturelle, pädagogische und therapeutische Fragen. Sie stand zudem in enger Wechselwirkung mit den jeweils geltenden Geschlechterrollen und sozialen Normen -- von konservativen Positionen, die Sexualität allein auf die Fortpflanzung bezogen, bis zu den emanzipatorischen Bestrebungen etwa der Frauen- und Schwulenbewegung. Die Geschichte der Sexualwissenschaften ist damit immer auch eine Geschichte gesellschaftlicher Ordnung und Moral. Das genau Programm wird in Abstimmung mit den Interessen der Kursteilnehmer:innen festgelegt. Mögliche Themen sind etwa Konzepte des weiblichen Orgasmus um 1900, Magnus Hirschfelds Institut zur Sexualwissenschaft, der Kinsey-Report und seine Rezeption, die Anti-Baby-Pille, Forschungen zur Phallometrie und zu Sex im Weltraum, Konzeptionen von Inter- und Transsexualität, die Debatte um HIV/AIDS, die Entwicklung von Sexualtherapie in ihren verschiedenen Schattierungen. Die Übung ist komplementär zum Aufbaukurs von Prof. Settele angelegt (Sex & Science: Begehren als wissenschaftliches und politisches Problem im langen 20. Jh., Di 12-15 Uhr); der Besuch beider Veranstaltungen wird empfohlen. Einzelne Sitzungen werden gemeinsam abgehalten, darunter ggf. Exkursionen.
Prüfungsformen im Master und GSP: MP
- Lehrperson: Nickelsen Kärin
Die Entwicklung der Wissenschaften, von der Antike bis in die jüngste Zeitgeschichte, erfolgte nicht isoliert, sondern in enger Wechselwirkung mit ihren gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Kontexten. Ihre Akteure und Wissensbestände beeinflussten Weltbild und Alltagserfahrung, Technologien und Ideologien, Ökonomie und Kriegsführung. Diesen Zusammenhängen wollen wir nachgehen. Ausgehend von populären Vorstellungen (und häufig Irrtümern) über „Wissenschaft“ führt die Übung exemplarisch in zentrale Themen und Entwicklungslinien der Wissenschaftsgeschichte ein. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Neuzeit. Die Übung umfasst Vorlesungsanteile, erfordert aber auch aktive Beteiligung auf der Grundlage vorbereitender Lektüre von Literatur oder Quellen.
Arbeitsform: Übung
Prüfungsform im BA und LA: KL
- Lehrperson: Nickelsen Kärin