Familie gilt in vielen Kulturen und Religionen als zentrale soziale Institution, gewissermaßen als Keimzelle des sozialen Miteinanders. Zugleich ist sie historisch wandelbar, normativ umkämpft und gesellschaftlich hochgradig plural. In (medial vermittelte) Bildern verdichten sich solche normativen Konstruktionen, entweder als Idealvorstellung oder aber auch als Kontrastfolie. Sie lassen entscheidende Rückschlüsse darauf zu, welche Vorstellungen in Gesellschaften aussagbar und auch lesbar sind.
Das interdisziplinäre Hauptseminar untersucht Familienbilder im Kultur- und Religionsvergleich aus religionswissenschaftlicher und ethischer Perspektive. Im Fokus stehen historische Entwicklungen von Familienkonzepten, unterschiedliche familiale Konstellationen (u. a. Kernfamilie, Großfamilie, Patchwork-, Ein-Eltern- und Wahlfamilien) sowie ihre religiösen Deutungen und kulturellen Rahmungen.
Anhand ausgewählter religiöser Traditionen, kultureller Kontexte und theoretischer Zugänge werden normative Vorstellungen von Familie analysiert und kritisch reflektiert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf gegenwärtigen ethischen Debatten, etwa zu Geschlechterrollen, Elternschaft, Verantwortung, Macht und Vulnerabilität, Reproduktion und Care-Arbeit.

- Trainer/in: Reiner Anselm