„I was not going to settle for being an academic: I would pitch my tent outside the seductive, stony safety of the university world.“ (Sontag im Nachwort zu neueren Ausgaben der 1966 erstveröffentlichen Essaysammlung Against Interpretation, „Afterword: Thirty Years Later“). Dass Susan Sontag (1933-2004) als eine der wohl kontroversesten und wiedererkennbarsten Stimmen der Literatur- und Kulturtheorie und -kritik in akademischen Kreisen und weit darüber hinaus längst Kultstatus erlangt hat, zeigen u.a. die ihr in der jüngsten Vergangenheit auch im deutschsprachigen Raum gewidmeten Ausstellungen (Literaturhaus München: Everything matters, 2025; Bundeskunsthalle Bonn: Sehen und gesehen werden, 2025).

Als selbsterklärte 'an allem interessierte' Denkerin und Schriftstellerin ("My idea of a writer: someone interested in everything") schrieb Sontag auch Romane, Erzählungen und Dramen, aber es war vor allem ihr essayistisches Werk, das ihren Ruf als public intellectual „at the vanguard of sensibility“ und „tastemaker“ (in ihren eigenen Worten aus dem eingangs zitierten Nachwort zu Against Interpretation) zementierte. Der Lektürekurs soll sich diesem aus drei ineinandergreifenden Perspektiven nähern: 1.) einer Durchmessung seiner immer noch thematischen Breite, die immer wieder zwischen Hoch- und Popkultur und den verschiedensten künstlerischen und politischen Diskursen vermittelt; 2.) einer Betrachtung der rhetorischen Strategien, die Sontags in seinem kritischen Gestus unverkennbar-einschneidenden Ton ausmachen („I was a pugnacious aesthete and a barely closeted moralist. I didn‘t set out to write so many manifestos, but my irrepressible taste for aphoristic statement conspired with my staunchly adversarial purposes“, ebd.); und 3.), einer Einordnung der anhaltenden akademischen, kulturellen und politischen Relevanz von Sontags medientheoretischen und -kritischen Überlegungen anhand deren tentativer Anwendung auf künstlerische und politische Gegenwartsdiskurse.

Neben drei der bekanntesten Texte aus der Sammlung Against Interpretation [1966] („Against Interpretation“, „On Style“ und „Notes on Camp“) werden wir gemeinsam Auszüge aus Sontags Forderung nach einer ‚ecology of […] images‘ in On Photography [1977] („In Plato’s Cave“ und „The Image World“) sowie den Langessay Illness as Metaphor [1978] lesen, in welchem Sontag in Folge ihrer eigenen Krebserkrankung ein Plädoyer gegen die teils romantisierende, teils bei den Betroffenen Schuldgefühle verursachende, teils zu politischen Zwecken instrumentalisierte ‚Metaphorisierung‘ von Krankheitsbildern wie Tuberkulose und Krebs aussprach. Am Abschluss des Lektüreprogramms stehen Auszüge aus Sontags letzter publizierter Essaysammlung Regarding the Pain of Others [2003], in der sie in einer Auseinandersetzung mit dem Thema der Kriegsfotografie und deren Wirkungsspektrum zwischen Empathisierung und Abstumpfung ihre früheren eigenen Thesen zur Rolle von Bildern im gesellschaftlichen Diskurs über Gewalt kritisch revidierte und erweiterte.

Alle Texte werden im Moodle als Scans zur Verfügung gestellt.

Leistungsnachweise:
B.A./M.A.-Hauptfach AVL: Situngsverantwortung + Thesenpapier (auch in Kleingruppen möglich) ODER unbenoteter Kurzessay (3000-6000 Zeichen)
B.A.-Nebenfach SLK: benoteter Kurzessay (3000-6000 Zeichen)