Die Veröffentlichung der ForuM-Studie (2024) hat der evangelischen Kirche eine verdrängte Wahrheit vor Augen geführt: Sexualisierte Gewalt ist keine konfessionelle Besonderheit der katholischen Kirche, sondern eine strukturelle Herausforderung auch des Protestantismus. Das Seminar fragt nach den theologischen Ursachen, Konsequenzen und Reformperspektiven.
Im Mittelpunkt steht die Einsicht, dass sexualisierte Gewalt nicht nur in kirchlichen Kontexten stattfindet, sondern auch mit und durch Kirche — vermittels theologischer Selbstverständnisse, spiritueller Autoritätsansprüche und kommunitärer Strukturen, die Schutz versagten oder Schweigen verlangten.
Thematisch gliedert sich das Seminar in sechs Abschnitte: empirische Einführung anhand der ForuM-Studie; evangelische Ermöglichungsstrukturen (Gemeinschaftsidealisierung, Rollenambiguität im Pfarramt); systematisch-theologische Rückfragen zu Rechtfertigung, Sünde und Vergebungsrhetorik aus der Perspektive Betroffener; ökumenische Vertiefung durch Texte von Doris Reisinger und Ilse Müllner; pastorale Dimension (Trauma, Gottesbilder, traumasensible Seelsorge); schließlich institutionelle Reformen und die Frage, wie evangelische Theologie sich grundlegend verändern muss.
- Trainer/in: Reiner Anselm