Die ökologische Sorge steht heute in vielen Gesellschaften im Mittelpunkt der politischen und kirchlichen Diskussionen. Die Frage die sich hierbei stellt ist in wie weit die Theologie und besonders die orthodoxe Theologie es sich leisten kann weiterhin von der Herrlichkeit der Schöpfung zu sprechen, in Zeiten, wo die ökologischen Probleme katastrophale Dimensionen auf globaler Ebene angenommen haben. In diesem Rahmen muss man sich dem zuwenden, was die Theologie die gefallene Schöpfung nennt und über die Erbsündenlehre und die Theodizeefrage reden. Die Erbsünden- und Sündenlehre allgemeiner ist ihrer Entstehung nach, die christliche Antwort auf die Theodizeefrage und steht konstitutiv in einem schöpfungstheologischen sowie in einem soteriologischen Horizont. Indes besteht jede christliche Theologie, allen voran die Orthodoxe Dogmatik, auf einem Grundaxiom, bekannt eigentlich aus der Zeit der Patristik in der alten Kirche: Jede Existenz, die aus dem Nichts (bzw. aus der Nicht-Existenz) ins Dasein gerufen wird – in der Sprache christlicher Theologie jedes Geschöpf und die gesamte Schöpfung – ist der Veränderbarkeit und letztendlich der Versehrtheit und der Verderbtheit ausgesetzt. Gibt es keine andere Alternative, als den oft bzw. für viele mühseligen Weg durch diese Welt weiter nolens volens zu gehen, kann man der Kontingenz überhaupt einen Sinn abgewinnen, bzw. einen Sinn/Logos finden für dieses Leben? In diesem Rahmen stellt sich die Frage nach der Freiheit in der Schöpfung. Die Denkbarkeit von Freiheit in der Natur als Rahmenbedingung für eine Schöpfungslehre wirft dabei anthropologische Fragestellungen auf, die in der Vorlesung behandelt werden sollen. Die Studierenden sollen im Rahmen der Vorlesung weiterhin die wichtigsten patristisch theologische Sichtweisen der orthodoxe Schöpfungslehre kennen und verstehen lerne und ihre Dynamik für den aktuellen Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften wahrnehmen können. Literatur: W. Gräb (Hg.), Urknall oder Schöpfung? Zum Dialog von Naturwissenschaft und Theologie, Gütersloh 1995. K. Hilpert – G. Hasenhüttl (Hgg.), Schöpfung und Selbstorganisation. Beiträge zum Gespräch zwischen Schöpfungstheologie und Naturwissenschaften, Paderborn – München – Wien – Zürich 1999. U. H. J. Körtner (Hg.), Schöpfung und Evolution – zwischen Sein und Design. Neuer Streit um die Evolutionstheorie, Wien (u.a.) 2007. R. Kümmel, Die Vierte Dimension der Schöpfung: Gott, Natur und Sehen in die Zeit, Berlin 2015. H. Küng, Der Anfang aller Dinge. Naturwissenschaft und Religion, München – Zürich 2006. C. Link, Schöpfung: ein theologischer Entwurf im Gegenüber von Naturwissenschaft und Ökologie, Neukirchen-Vluyn 2012. E. Schockenhoff – M. G. Huber (Hgg.), Gott und der Urknall. Physikalische Kosmologie und Schöpfungsglaube, Freiburg i. Breisgau – München 2004. C. Schönborn, Ziel oder Zufall? Schöpfung und Evolution aus der Sicht eines vernünftigen Glaubens, Freiburg i. B. (u.a.) 2007. R. Schwager, Erbsünde und Heilsdrama. Im Kontext von Evolution, Gentechnologie und Apokalyptik, (Beiträge zur mimetischen Theologie 4), Münster 1997. L. Tsypin, Das Geheimnis der Schöpfungstage. Ein Zentralproblem der Hexaemeron-Exegetik, Wachtendonk 2010. 12 A. Vletsis, Erschaffen und schon gefallen? Thesen zur Sündenlehre in der Tradition der orthodoxen Theologie, in: R. Leonhardt (Hg.), Die Aktualität der Sünde. Ein umstrittenes Thema der Theologie in interkonfessioneller Perspektive, (Beiheft zur ökumenischen Rundschau 86), Frankfurt a. M. 2010, S. 29-39. Ders., Vergöttlichung oder Vermenschlichung? Skizze einer christlichen Anthropologie der Vervollkommnung als Teilhabe am Leben Gottes aus der Perspektive orthodoxpatristischer Theologie, in: Ökumenische Rundschau 57 (2008) 144-167. P. Weingartner (Hg.), Evolution als Schöpfung? Ein Streitgespräch zwischen Philosophen, Theologen und Naturwissenschaftlern, Stuttgart (u.a.) 2001. S. Wiedenhofer (Hg.), Erbsünde – Was ist das? Regensburg 1999. I. Zizioulas, (Metropolit v. Pergamon), Die Schöpfung als Eucharistie, Athen 1992 (griech.).