Die Johannesapokalypse ist ein eigenartiges Buch. Sie nimmt in mancher Hinsicht eine Sonderstellung im biblischen Kanon ein. Nicht nur weil sie tatsächlich als Teil des Kanons lange Zeit umstritten war, sondern auch weil sie nach Gattung und Tendenz erkennbar verschieden ist von den übrigen Bestandteilen des Neuen Testaments. Die Rezeption dieses Buches ist einerseits ein undankbares Thema: denn das Buch wurde nur spät und selten zum Gegenstand durchgängiger Kommentierung gemacht. Andererseits ist es besonders reizvoll, denn gerade die teilweise opaken Aussagen in diesem Buch laden zur Auslegung ein – und sie wurden auch (teilweise sehr unterschiedlich) ausgelegt. Das interdisziplinäre Seminar mit einem Neutestamentler und einem Kirchenhistoriker will einen Blick auf einige besonders spannende Texte und ihre frühe Auslegung werfen.

Seit 2000 Jahren berufen sich Christen und Christinnen auf die Heilige Schrift und tradieren über die Generationen dasjenige weiter, was sich in Lehre, Frömmigkeit und Gottesdienst bewährt hat. Historisch betrachtet erweisen sich „Schrift“ und „Tradition“ daher als zwei theologische Prinzipien, die sich stets gegenseitig befruchtet haben, auch dort, wo „Schrift“ und „Tradition“ als Gegensatz verstanden wurden. (Auch das reformatorische sola scriptura kann als eine Art Traditions­prinzip verstanden werden!) Die Vorlesung möchte unter dem Dachthema „Schrift und Tradition“ einige der wichtigsten Auseinandersetzungen der Kirchengeschichte vorstellen und auf diese Weise einen ersten Einblick in die historische Entwicklung des Christentums geben.

Das Leben des Antonius (Vita Antonii) des Kirchenvaters Athanasius von Alexandrien aus dem 4. Jahrhundert ist seit jeher eines der beliebtesten Werke der christlichen Literatur aus der Spätantike. Es stellt zum einen eine wertvolle Quelle für die Geschichte des frühen Mönchtums dar und gewährt zum anderen interessante Einblicke in die volkstümliche Überzeugungen der Zeit, insbesondere im Bereich der Dämonologie. Durch eine genaue Lektüre dieses Meisterwerks unter den christlichen Biographien werden die Studierenden in diesem Proseminar lernen, wie sie sich einem alten Text nähern und ihn analysieren können. Zu diesem Zweck sollen Grundlagen und Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens vorgestellt werden.

Seit 2000 Jahren streiten Christinnen und Christen – über Fragen der Lehre, der kirchlichen Organisation, des Ethos, der richtigen Gottesdienstfeier und vieles mehr. Dieser Streit war oft konstruktiv und produktiv; er hat dann zur Klärung und zum besseren Verständnis beigetragen. Mitunter war er es auch nicht; er hat dann Verletzungen und Spaltungen ausgelöst. Die Vorlesung möchte unter dem Dachthema „Konsens – Dissens – Häresie“ einige der wichtigsten Auseinandersetzungen vorstellen und auf diese Weise einen ersten Einblick in die historische Entwicklung des Christentums geben. Die Veranstaltung wird je zur Hälfte von zwei Dozenten gehalten; neben dem Frontalunterricht wird die eigenständige Auseinan­der­setzung mit kurzen Quellentexten eine Rolle spielen.