In der antiken Literatur finden sich an zahllosen Stellen Beschreibungen von Werken der Bildenden Kunst: Der Sänger Homer schildert, wie Hephaistos Achill den phantastischen Schild schmiedet, mit dem dieser in seinen Tod geht; der Anwalt Cicero stellt im Prozess gegen den korrupten Statthalter Verres die Schätze vor, die dieser aus griechischen Heiligtümern geraubt hat. Der Redner Lukian demonstriert seinem Publikum, wie virtuos er den Vortragssaal preisen kann, in dem er gerade auftritt, und der Architekt Vitruv zieht über Geschmacksverirrungen seiner Zeitgenossen her, die sich Mutanten und statische Albträume an ihre Wände malen lassen.

 

Das, was seit der römischen Kaiserzeit als ‚Ekphrasis‘ bezeichnet wird und als „beschreibender Text, der das Mitgeteilte anschaulich vor Augen führt“ (Theon von Smyrna) in rhetorischen Lehrbüchern auftaucht, findet sich von frühester Zeit an in ganz verschiedenen literarischen Gattungen. So unterschiedlich wie die Kontexte sind auch die Arten von Kunstwerken und Gebäuden, die beschrieben werden, sowie die Intentionen, die hinter den Texten stehen – gemeinsam ist ihnen allen, dass sie uns nicht nur Aufschluss über verlorene Kunstwerke und materielle Erzeugnisse der Antike geben, sondern vor allem auch darüber, wie diese in ihrer eigenen Zeit gesehen, gedeutet und diskutiert wurden.

 

Im Kurs werden wir verschiedene Formen antiker Kunstbeschreibungen schlaglichtartig beleuchten. Auf dieser Grundlage werden wir uns die Frage stellen, wie die antiken ‚Betrachter‘ mit den Objekten umgingen, aber auch, auf welche Weise Schriftsteller Ekphraseis als literarische Werkzeuge einsetzten, wie sie bei der Versprachlichung von Bildwerken vorgingen und welchen Zweck sie damit im Rahmen ihres jeweiligen Werks verfolgten.

 

Teilnahmevoraussetzung sind aktive Mitarbeit, die regelmäßige Lektüre von Literatur zur Vorbereitung der Sitzung und die Übernahme eines Referats. Alle antiken Texte werden in Übersetzung gelesen, aber Kenntnisse des Griechischen und Lateinischen sind höchst willkommen.


Ausgehend von den Vesvusstädten beschäftigen wir uns in diesem Proseminar mit der römischen Wohnkultur. Im Mittelpunkt stehen die zahlreichen gut erhaltenen Wohnhäuser in Pompeji und Herkulaneum, die wir auf ihre architektonische Struktur, die Funktionen der Räume, den Wand- und Bodendekor sowie die Ausstattung mit Mobiliar und Skulptur hin betrachten wollen.
Ziel des Seminars ist es, ein grundlegendes Verständnis römischer Wohnhäuser und der archäologisch und literarisch greifbaren sozialen Dynamiken und gemeinschaftskonstituierenden Praktiken (z.B. Gastmahl und Hauskult) im römischen Haus zu erarbeiten.

Die griechische Numismatik ist ein sehr umfangreiches Feld, auf dem sich für die Bestimmung, unter anderem durch die enorme Vielfalt an Hunderten von Münzstätten, Prägeherren und Motiven, einige Probleme auftun.

 

Ziel dieser Übung soll es sein, einen ersten Zugang zur griechischen Numismatik zu bieten und das Vorgehen bei der Bestimmung antiker griechischer Münzen an einigen Beispielen durchzuarbeiten, um später auch selbständig Bestimmungen durchführen zu können. Eingeschlossen ist dabei auch eine allgemeine Einführung in die antike Numismatik.

 

Zwei Schwerpunkte sollen behandelt werden: der erste wird seinen Fokus auf die Prägungen der griechischen Staatenwelt vom Beginn der Münzprägung bis in den Hellenismus haben, sowie einen ersten Zugang zu den sog. griechischen provinzialrömischen Prägungen bieten.

 

Der zweite Schwerpunkt liegt in der praktischen Bestimmung an Gipsabgüssen von Münzen und an Originalen in der Staatlichen Münzsammlung in München. In diesem Rahmen beschäftigen wir uns mit dem Lesen und Auflösen der Legenden. Darüber hinaus gibt es eine Einführung in die gängigen Datenbanken, sowie die wichtigste Literatur eingeführt, die beide zur Bestimmung der Münzen verwendet werden.

 

Einführende Literatur:

 

- M. R.-Alföldi, Antike Numismatik (Mainz 1978)

- R. Göbl, Antike Numismatik (Wien 1978)

- P. F. Mittag, Griechische Numismatik (Köln 2016)

- H. Nicolet-Pierre, Numismatique grecque (Paris 2002)


Das Forschungsprojekt “Neues Licht aus Pompeji“ widmet sich der Erschließung der Technik, Praxis und Ästhetik des Kunstlichts in der römischen Antike ausgehend von den aus den Vesuvstädten stammenden frühkaiserzeitlichen Beleuchtungsgeräten aus Bronze. Das multidisziplinäre Projekt kombiniert kunst- und kulturwissenschaftliche Interpretation mit naturwissenschaftlicher Material- und Oberflächenanalyse, Untersuchungen zur Herstellungstechnik experimenteller Archäologie und innovativen Methoden der virtuellen Lichtsimulation. Die Forschungsergebnisse des Projekts werden in einer Ausstellung in den Staatlichen Antikensammlungen, München gemeinsam mit ca. 100 Originalobjekten aus dem Nationalmuseum von Neapel präsentiert. Die Ausstellung ist für Winter/Frühjahr 2022/23 geplant.
Im vergangenen Sommersemester hat bereits ein Hauptseminar stattgefunden, dessen Ziel es war, in die Thematik des antiken Lichts einzuführen. Daraus hat sich eine Arbeitsgruppe von Studierenden gebildet, die (1) die Präsentation der Objekte und der Forschungsinhalte wie auch (2) die Ausstellungskonzeption und ihre Umsetzung mitbegleitet.
Das Hauptseminar im kommenden Semester legt die Schwerpunkte auf die Ausstellungskonzeption, die Öffentlichkeitsarbeit und die Publikation in einem Begleitband. Die Studentinnen und Studenten erhalten im Rahmen des Seminars die Gelegenheit, einen eigenen Katalogbeitrag zum Begleitband der Ausstellung zu verfassen, und machen sich mit zentralen Fragen der Museumsarbeit, mit traditionellen und innovativen Formen des Wissenstransfers, mit musealer Didaktik und Öffentlichkeitsarbeit vertraut.
Auch im Wintersemester 2021 kann man neu zum Projekt und zur Arbeitsgruppe hinzustoßen. Voraussetzung für die Teilnahme am Hauptseminar ist ein langfristiges Engagement, dem Ausstellungsprojekt bis Winter 2022 verbunden zu bleiben. Wenn Sie teilnehmen möchten, bitte ich um ein persönliches Motivationsschreiben, das Sie bitte bis 15.10.2021 direkt an mich (Prof. Dr. Ruth Bielfeldt; bielfeldt@lmu.de) senden. Das Hauptseminar wendet sich fortgeschrittene Studierende, willkommen sind aber ebenfalls engagierte BA-Studentinnen und Studenten!

Alexander der Große ist eine der schwerst zu fassenden Figuren der griechischen Geschichte. Sein Zug bis nach Indien vereint erstmalig die Geschichte des Mittelmeeres mit der des Nahen Ostens, Persiens und Indiens. Diese Vorlesung blickt auf die Person Alexanders und seine Herrschaft durch die Perspektive der materiellen Kultur und der historischen Quellen. Schwerpunktthemen der Vorlesung sind:
- 338 Chaironeia Schlacht: Die Makedonen und die Eroberung Griechenlands.
Archäologie, Selbstwahrnehmung, Ethnizität
- Der neue Herrschertyp: visuelle Legitimation der Königsherrschaft durch Alexander
- Der Entdecker: Raum- und Kulturkonzepte unter Alexander dem Großen
- Kulturkontakte
- König und Stadt: Urbanismus hellenistischer Neugründungen, Residenzstädte, alte Städte
- Imitatio Alexandri: Das Beispiel des Demetrios Poliorketes in Athen
- Die Erinnerung an Alexander: Diadochen, Rom, heute
Literatur zur Einführung:
A. Stewart, Faces of Power: Alexander’s Image and Hellenistic Politics, Berkeley 1993, H.-J. Gehrke, Alexander der Große, München, 3. Aufl., 2003; J. Roisman (Hg.), Brills´s Companion to Alexander the Great, Leiden 2003; T. Hölscher, Herrschaft und Lebensalter.
Alexander der Grosse: Politisches Image und anthropologisches Modell, Basel 2009

In diesem Kurs sollen Grundkenntnisse im Umgang mit dem Freeware-Bildbearbeitungsprogramm GIMP sowie dem Freeware Vektor-Grafik-Programm INKSCAPE vermittelt werden.
Der Kurs findet evtl. wieder in Präsenz statt. 3 G !

Theseus"Im Reich der Mythen"- Museumspraktische Übung zur Vorbereitung einer Kinderferienaktion

Dr. Susanne Pfisterer-Haas, Dr. Astrid Fendt

Ziel der Lehrveranstaltung ist es, archäologisches Fachwissen in die
museumspädagogische Praxis umzusetzen und damit Kindern und Jugendlichen
auf spielerische Weise die Antike näher zu bringen.

Dieses Jahr werden wir uns besonders mit dem Helden Theseus und seinen Abenteuern beschäftigen. Er hat sich im Laufe des 6. und 5. Jahrhunderts zu d e m Helden und Vorbild für die Athener entwickelt. Daran anknüpfend wollen auch wir uns und später zusammen mit den Kindern Gedanken machen, wer oder was ist für jeden einzelnen von uns ein Vorbild. Da natürlich Männer und Frauen Vorbilder brauchen dürfen Ariadne, Athena, die Amazonen und andere weibliche Gestalten nicht zu kurz kommen.

In fünf Vorbereitungstreffen während des Semesters konzipieren wir gemeinsam
eine Projektwoche für Kinder von sieben bis 13 Jahren, die zweimal in den
Sommerferien (2.-6.8.bzw. 9.-13.8. jeweils von 10-16 Uhr) in den Museen am
Königsplatz (Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek, Museum für
Abgüsse Klassischer Bildwerke) stattfindet.
Während der Ferienwoche leiten wir die Kinder bei den einzelnen Mitmach-
Stationen an und vermitteln altersgerecht in kurzen Führungen fachspezifisches
Wissen. Für einen Leistungsnachweis wird die Vorbereitung einer Kurzführung
und die Entwicklung einer Kreativ-, Bastel- oder Spielstation erwartet.
In der Übung enthalten ist ein kostenloser Kurs der Bayerischen
Museumsakademie zur Einführung in die Museumspädagogik mit Zertifikat (am
7.5.)
2-stündig, Blockveranstaltung: 23.4. und 7.5. von 10.00-11.30 (über Zoom),
25.6., 2.7., 16.7. von 9.15-11.30 Uhr im Museum, sowie die Mitwirkung in einer der beiden Wochen der Ferienaktion
2.-6.8.2021 bzw. 9.-13.8.2021 jeweils von 10-16 Uhr.

Zoomlink:

https://us02web.zoom.us/j/86769709792?pwd=U0pWRXczSkxvYUx1OTlTSlBzWVBpdz09

Meeting-ID: 867 6970 9792

Kenncode: 980090

 


Die Übung führt ein in den Bronzeguß, wie er in der griechischen und römischen Antike praktiziert
wurde. Im Mittelpunkt stehen Archäometrie, Gußtechnik, Materialität, Ikonographie, soziale
Wertschätzung und kontextgebundene Interpretation griechischer und römischer Bronzen, wobei
ein Schwerpunkt auf Kleinbronzen liegen wird.
Die Übung hat einen theoretischen und einen praktischen Teil. Der praktische Teil ist in zwei
Abschnitte untergliedert. Gemeinsam mit Frau Dr. Susanne Pfisterer-Haas, die die Kleinbronzen der
Antikensammlung bearbeitet hat, werden wir zwei Sitzungen in der Antikensammlung mit den
Originalen arbeiten. Im zweiten Abschnitt, geplant als Blockveranstaltung für Juli (Alternativtermin
Oktober), der als Block stattfinden soll, werden wir mit einer Münchner Gießerei mehrere
Probegüsse vornehmen.
Die Plätze sind leider auf 15 Personen beschränkt. Den Teilnehmer:innen des Hauptseminars zur
Ausstellungsvorbereitung „Neues Licht aus Pompeji“ wird Vorrang gegeben.

Das Forschungsprojekt “Neues Licht aus Pompeji“ widmet sich der Erschließung der Technik, Praxis
und Ästhetik des Kunstlichts in der römischen Antike ausgehend von den aus den Vesuvstädten
stammenden frühkaiserzeitlichen Beleuchtungsgeräten aus Bronze. Das multidisziplinäre Projekt
kombiniert kunst- und kulturwissenschaftliche Interpretation mit naturwissenschaftlicher Materialund
Oberflächenanalyse, Untersuchungen zur Herstellungstechnik experimenteller Archäologie und
innovativen Methoden der virtuellen Lichtsimulation. Die Forschungsergebnisse des Projekts werden
in einer Ausstellung in den Staatlichen Antikensammlungen, München gemeinsam mit ca. 100
Originalobjekten aus dem Nationalmuseum von Neapel präsentiert. Die Ausstellung ist für
Winter/Frühjahr 2022/23 geplant.
Ziel des Hauptseminars ist die Bildung einer Arbeitsgruppe von Studierenden, die (1) die
Präsentation der Objekte und der Forschungsinhalte wie auch (2) die Ausstellungskonzeption und
ihre Umsetzung mitbegleitet. Die Studentinnen und Studenten erhalten im Rahmen des Seminars die
Gelegenheit, einen eigenen Katalogbeitrag zum Begleitband der Ausstellung zu verfassen, und
machen sich mit zentralen Fragen der Museumsarbeit, mit traditionellen und innovativen Formen
des Wissenstransfers, mit musealer Didaktik und Öffentlichkeitsarbeit vertraut.
Das Hauptseminar im kommenden Sommersemester legt die thematischen Grundlagen und führt
ein in das Forschungsthema „Künstliches Licht und römische Lebenswelt“. Geplant ist, daß die
Studierenden sich für das Referat einem übergreifenden Thema (Praxis des Kunstlichts in der Antike,
Licht in den Häusern Pompejis, Licht und Fest, Licht und Religion, Licht und Sklavenarbeit, Schatten
und Licht, Bronze und Luxuria, Konzepte der Nacht etc.) widmen und parallel dazu ein Objekt
wählen, zu dem sie im Laufe des Semesters einen Entwurf zu einem Katalogtext verfassen.
Das Hauptseminar ist das erste von zwei geplanten. Ein weiteres Hauptseminar soll im
Sommersemester 2022 stattfinden. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein langfristiges
Engagement, das auch die Bereitschaft einschließt, sich ernsthaft in das gewählte Thema
einzuarbeiten. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein persönliches Motivationsschreiben, das Sie
bitte bis 6.4.2021 direkt an Prof. Dr. Ruth Bielfeldt (bielfeldt@lmu.de) senden. Das Hauptseminar
wendet sich fortgeschrittene Studierende, willkommen sind aber ebenfalls engagierte BAStudentinnen
und Studenten!
In Verbindung mit dem Hauptseminar wird es eine praktische Übung zum Bronzeguß geben, welche
idealerweise mitbelegt werden sollte.

Aufgrund ihrer modernen Überbauung sind uns die großen hellenistischen Hauptstädte Alexandria
und Antiochia kaum bekannt. Umso wichtiger für unsere Kenntnis einer hellenistischen
Residenzstadt ist die seit 1878 von deutschen Wissenschaftlern untersuchte, beispielhaft
dokumentierte Stadt Pergamon. Nach einem bescheidenen Start wurde Pergamon, zunächst eine
bloße Festung im mysischen Hinterland, unter den Attaliden im 3. und 2. Jahrhundert zu einer
Großstadt ausgebaut; als Metropolis der Provinz Asia erfuhr es in der Kaiserzeit eine zweite Blüte.
Pergamon prägt bis heute, wie wir über die hellenistische Monarchie denken und darüber, welches
Gesicht sich eine solche Monarchie gibt. Die Vorlesung bietet einen archäologisch-historischen
Überblick über die verschiedenen Bereiche der hellenistischen Stadt, die öffentlichen Bauten
(Heiligtümer, Heroa, Plätze, Theater, Gymnasien) ebenso wie die Wohnstadt und die Infrastruktur
(Straßennetz, Wasserversorgung). Dabei verfolgen wir einen doppelten Blick ‚von oben’ und ‚von
unten’ durch das herrscherliche wie das bürgerliche Pergamon. Ein Ausblick gilt dem Weiterleben
der Stadt in der Kaiserzeit und dem Umgang der römischen Metropole mit ihrer großen
Vergangenheit, das changiert zwischen Vernachlässigung, restaurativen Tendenzen und radikaler
Erneuerung.

Auch wenn Athen seine machtpolitische Führungsposition bereits mit dem Ende des Peloponne­sischen Krieges um 400 v. Chr. verloren hatte, spielte es noch im späten Hellenismus und in der römischen Kaiserzeit eine bedeutende Rolle als Kulturmetropole; zudem war die Stadt in dieser Zeit ein beliebter Studienort für auswärtige Griechen und Römer aus aristokratischen Familien. Innerhalb des Römischen Reichs war die Stadt als civitas libera in innenpolitischen Belangen weitgehend autonom; dies führte unter anderem dazu, daß die Athener in vielen Bereichen an die ‚große’ Vergangenheit ihrer Stadt anknüpften und die ‚Musealisierung’ des öffentlichen Raumes intensivierten. Hinzu kamen einige Bauten, die auf Stiftungen prominenter Römer oder vermögender Athener zurückgingen (Beispiele: Odeion des Agrippa; Odeion und Panathenäen-Stadion des Herodes Atticus). Fragen der ‚Romanisierung’ Griechenlands, aber auch der ‚Hellenisierung’ römischer Magistrate im griechischen Osten des Römischen Reichs lassen sich am Beispiel des späthellenistischen und kaiserzeitlichen Athen besonders gut diskutieren.

In der Vorlesung wird zunächst eine knappe allgemeine Einführung in Topographie und Geschichte Athens gegeben. Vor diesem Hintergrund werden Platzanlagen und Heiligtümer, Bauwerke, statuarische Denkmäler und kulturelle Praktiken im Athen des späten Hellenismus (2./1. Jh. v. Chr.) und der römischen Kaiserzeit besprochen und analysiert; deutlich werden auf diese Weise regional- und zeitspezifische Facetten einer griechischen Metropole, die ihre außergewöhnliche Bedeutung bis in die Spätantike bewahrt hat.

Die seit prähistorischer Zeit besiedelte Akropolis von Athen entwickelte sich erst in archaischer und klassischer Zeit zum wichtigsten Heiligtum in Athen und Attika. Im selben Zug wurde sie zum politischen Zentrum Athens und ganz Griechenlands. Damit bildet sie einen der wichtigsten Orte für die klassisch-archäologische Forschung, an dem materielle, religiöse, ökonomische, politische und historische Aspekte der antiken griechischen Welt synoptisch betrachtet werden können.

Die Bauwerke, die Skulpturen und andere Materialgruppen, die häufig als Weihungen auf die Akropolis kamen, die dort gefunden und ausgegraben wurden, bilden zweifellos die “Highlights” in der antiken griechischen Kunstproduktion. Die archaischen und die noch stehenden klassischen Monumente mit ihrer unvergleichlichen Präzision in der Ausführung sind Zeugnisse innovativer Bauprogramme und -pläne, die von den athenischen Bürgern initiiert wurden und mit der Genese einer neuen demokratischen Welt verbunden werden. Dieselben Bürger repräsentieren sich am bedeutendsten Ort ihrer Stadt mit zahlreichen geweihten Skulpturen, Bronzestatuetten, Tontafeln und Terrakotten. Diese materiellen Zeugnisse geben Auskunft über die stiftenden Individuen, ihre Namen, Berufe, den ökonomischen Status und auch ihr Verständnis von Identität und Habitus. Alle Entscheidungen der Stadt Athen, die von ebendiesen Bürgern getroffen wurden, wurden als Staatsdekrete verabschiedet und in Form von auf Marmor eingeritzten Inschriften auf der Akropolis aufgestellt; dabei war die Akropolis bis zum Ende der klassischen Zeit der nahezu einzige Ort für die Aufstellung dieser für die Polis relevanten Texte. Die Akropolis von Athen ist somit nicht nur das religiöse, sondern gleichzeitig auch das politische Zentrum der Stadt und ihrer Bürger.

Damit steht der Athener Burgberg mit seinen weithin sichtbaren Bauwerken, allen voran dem Parthenon, als Synonym für europäische Kultur und griechische Identität. Gleichzeitig bildet die Akropolis Gegenstand immer noch aktueller Auseinandersetzungen in der Kulturpolitik.

Vor diesem Hintergrund sollen in der Vorlesung wesentliche Entwicklungsprozesse sowohl des griechischen Heiligtums mit seiner Architektur als auch ausgewählte Beispiele der bildenden Kunst unter Berücksichtigung ihres historischen Kontextes herausgearbeitet werden. Thematisiert wird dabei auch die Wahrnehmung und Rezeption der Akropolis in der jüngeren europäischen Geschichte.

Das Seminar dient der Vorbereitung einer etwa 14tägigen Exkursion nach Makedonien sowie auf die nordägäischen Inseln Thasos und Samothrake. In diesen Regionen sind zahlreiche bedeutende Stätten und Museen zu besichtigen, die einen guten Überblick über griechische Städte, Agorai und Heiligtümer sowie wesentliche Denkmalgattungen und Kontexte von der archaischen Zeit bis in die späte römische Kaiserzeit bieten. Zu den Highlights gehören die Residenzstädte von Aigai/Vergina und Pella, die reich ausgestatteten Gräber von Vergina und anderen makedonischen Nekropolen sowie die makedonische Stadt Dion unterhalb des Olymps. Auf den benachbarten Inseln Thasos und Samothrake lassen sich ebenfalls bedeutende griechische Städte und Heiligtümer studieren.

Im Seminar sollen zentrale Aspekte von Städten, Heiligtümern und Nekropolen in/auf Makedonien, Thasos und Samothrake sowie ihrer Ausstattung (Architektur, Statuen, Malerei, Grabbei­gaben) besprochen und analysiert werden. Deutlich werden auf diese Weise historische und kulturgeschichtliche Facetten bedeutender Regionen und Zentren in Makedonien und auf zwei benachbarten Inseln der nördlichen Ägäis (Religion, Kult, soziale und politische Reprä­sentation) von der archaischen Epoche bis zur römischen Kaiserzeit.

Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie wird die ursprünglich für den Sommer 2020 geplante Exkursion voraussichtlich erst im Frühjahr 2021 stattfinden können. Näheres zum Reisetermin werden wir im Laufe des Seminars vereinbaren.

Vorraussetzungen:
  • Software „Zoom“
  • und das Handbuch:
    A. Schmidt-Colinet – G. A. Plattner, Antike Architektur und Bauornamentik (Wien 2004).

Ziel der Übung ist es, gängige Techniken, Formen und Grundprinzipien der griechischen Architektur kennenzulernen. Das Sommersemester gliedert sich in zwei Abschnitte: Einen theoretischen (digitalen) Teil, in dem Grundlagen griechischer Architektur behandelt werden. Darauf folgt der praktische Teil, in dem in kleineren Gruppen Übungen zur Dokumentation und Präsentation von Architektur in der klassischen Archäologie durchführt werden.
Im Zuge dessen werden Darstellungsmedien der sog. „Architektonischen Ordnungen“, Steinpläne und archäologischer Befunde unter die Lupe genommen. Was unterscheidet eine Isometrie von einer Axometrie? Wann und warum welche solche Darstellungen in archäologischen Publikationen verwendet? Wie wird Architektur im archäologischen System der "Stratigrafischen Einheit" dargestellt und dokumentiert? Gemeinsam werden wir praktische Übungen an Architekturteilen, mit Plänen oder mit  Rekonstruktionen durchführen, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Dies beinhaltet das "Lesen" von Bau- und Phasenplänen sowie die Durchführung kleinere Zeichenübungen.

Das Proseminar beschäftigt sich mit Vor- und Darstellungen von Fremden in der griechischen und römischen Kultur. Ausgehend vom Selbstbild der jeweiligen Kernkultur werden unterschiedliche soziale Gruppen anhand von Text- und Bildquellen analysiert. Dabei werden Phänomene des Nicht-Griechischen bzw. Nicht-Römischen in verschiedenen Medien und im Hinblick auf deren jeweilige Wirkbereiche untersucht.

Im Rahmen der Übung werden anhand ausgewählter Fallbeispiele zu Heiligtümern in Attika Kenntnisse im Bereich Datenbankensysteme und GIS vermittelt. Hierfür werden zunächst im Rahmen von Gruppenarbeitseinheiten mögliche Strukturierungsvorschläge für aus dem archäologischen Befund ableitbare Informationen entwickelt. Der zweite thematische Block zielt auf die Visualisierung dieser Daten vor dem Hintergrund der Humangeographie ab.

Zusätzlich zu diesen Unterrichtseinheiten besteht die Möglichkeit, an einer einwöchigen Dokumentationskampagne im Raum Sounion mitzuwirken.