Die madagassische Sprache wird hauptsächlich im Indischen Ozean als Amtssprache von 27 Millionen Menschen auf Madagaskar und als Wahlsprache von Minderheiten auf den Inseln Komoren, Reunion, Seychellen u.a. gesprochen. Geopolitisch zählt sie seit dem Beitritt Madagaskar als Mitglied der Afrikanischen Union zu den zwölf wichtigsten Sprachen des afrikanischen Kontinents. Sprachtypologisch gehört sie zur Familie der Austronesischen Sprachen. Darüber herrscht ein breiter Konsens. In Bezug auf ihre Entstehung jedoch mehren sich kontroverse Diskussionen. Medienwirksam hat zuletzt Ratefy (2016) anhand von Geschichte und Tradition eine hohe kulturelle Konvergenz zum Semitischen dargelegt. Bezüglich der Sprache führte er die Etymologie der Namen von Ortschaften und Volksgruppen an. Fakt ist, dass im weiteren Prozess der Verschriftlichung (nach Sorabe) in lateinische Buchstaben Phoneme nicht gemäß dem Prinzip „Ein Schriftzeichen steht für einen Laut (im Semitischen: einen Konsonanten)“ (Krause 2020:3) übertragen wurden. Madagassisch gehört seiner Wortstellungstypologie POS zufolge zu den weltweit 1-2% seltenen Sprachen: In Prädikatstellung können die Wortarten Verb und Non-Verbe auftreten, und das post-ponierte Subjekt ist stets Definit. Die Tempus Markierung ist kein Alleinmerkmal von Verben; die Vergangenheitsmarkierung t- tragen ebenso Temporal-/ Lokalpräpositionen und -adverbien dem Kontext entsprechend. Bei der Konzeptualisierung vom Raum werden Nuancen möglichst präzise ausgedrückt: Die Deixis des Demonstrativ-Artikels unterscheidet sieben bis acht verschiedene Kategorien u.a. Nähe/Distanz, Sichtweite/Sichtbarkeit, Aspekt, ggf. Numerus (Rajaona 1972). Dadurch ist der Wissensabgleich zwischen Sprecher und Hörer gewährleistet, weil die Sprache in der Kultur der Ntaolo als das Verbindende fungiert, d.h. Kom-munikation als „das miteinander Sprechen“.

Der auf zwei Semester angelegte Strukturkurs zielt auf den Erwerb von Grundkenntnissen der Sprache. Die Typologie der Sprache auf phonologischer, lexikalischer, morphologischer und syntaktischer Ebene wird ebenfalls besprochen, um das Sprachverständnis zu erleichtern.

Dieses Seminar bietet einen Überblick über die sprachwissenschaftlichen Eigenschaften tonaler Sprachen, insbesondere in Bezug auf deren Phonetik und Phonologie. Zu den behandelten Themen gehören u.a. die Typologie von Tonsystemen, die lexikalische und grammatikalische Verwendung von Ton, die Physiologie der Tonerzeugung, Tonogenese, Ton und Intonation sowie Musik in Tonsprachen.

This seminar will provide an overview of the linguistic properties of tone languages, with special attention to phonetics and phonology. Topics covered will include typology of tone systems; lexical and grammatical use of tone; the mechanics of tone production and perception; tonogenesis; tone and intonation; and tone and music.

Die erste Sitzung des Seminars am 28.4. findet online statt. In dieser Sitzung wird ein Meinungsbild erhoben, ob das Seminar auch weiterhin online stattfinden soll oder ob Präsenzunterricht gewünscht wird.

Das Seminar bietet einen Überblick über die wichtigsten phonologischen und morphologischen Entwicklungen, die sich zwischen dem Urindogermanischen und dem Griechischen der klassischen Periode ereignet haben: u. a. laryngalbedingte ‚Vokalepenthese‘ (*h2nr > ἀνήρ, vgl. lateinisch Nero), Entwicklung der silbischen Sonoranten (*n̥-mr̥tos > ἄμβροτος : lat. immortalis), /s/ (*septḿ̥ > ἑπτά : lat. septem), /i̯/ (*i̯ugóm > ζυγόν : lat. iugum) und Labiovelare (*ku̯e > τε : lat. que, *gu̯héni̯o > θείνω : lat. defendo), Entwicklung der Akzent-Ablaut-Schemata sowie der verbalen (εἶπα vs. εἶπον) und nominalen Stammbildungen. Besondere Berücksichtigung kommt dabei den unterschiedlichen Entwicklungen in den verschiedenen Dialekten zu, die an Hand ausgewählter, überwiegend inschriftlicher Texte exemplifiziert werden. Durch die Lektüre literarischer Texte wird darüber hinaus der für das Griechische spezifischen Eigenheit des sogenannten ‚Gattungsdialektes‘ Beachtung geschenkt (z. B. Homer, Sappho, Pindar).

Der Kurs richtet sich gleichermaßen an Indogermanisten wie an Klassische Philologen. Kenntnisse im Umgang mit der altgriechischen Sprache sowie die grundlegende Fähigkeit zum Lesen altgriechischer Texte sind erwünscht. 


Das Seminar setzt Kenntnisse des Altgriechischen voraus und richtet sich an klassische Philologen, Indogermanisten und sonstige Interessierte. Es führt in die Besonderheiten der homerischen Kunstsprache ein: Formelsprache und Oral-Formulaic Theory, Homerische Sprache im Hinblick auf die altgriechische Dialektologie, Entwicklung des epischen Griechisch, moderne Parallelen für altgriechische Kunstsprachen, zeitgenössische theoretische Ansätze zur Homerischen Diktion (Construction Grammar, Cognitive Theory, Soziolinguistik usw.), Besonderheiten des Hexameters, u.a.. Ausgewählte Passagen von Ilias und Odyssee sollen gelesen und sprachwissenschaftlich analysiert werden. Begleitend werden zentrale Themen der homerischen Kunstsprache in Referaten und Thesenpapieren behandelt.


Das Tutorium wird sich aus zwei Einheiten zusammensetzen:

1) Jour fixe: Synchrone ZOOM-Sitzung

Donnerstag, 14.00-16.00 Uhr (c.t.)

Dabei wollen wir uns in einer gemeinsamen ZOOM-Sitzung mit grundlegenden Aspekten zum wissenschaftlichen Arbeiten befassen und uns über diesbezügliche Erfahrungen austauschen:

z.B.

- Wie funktioniert wissenschaftliches Arbeiten?

- Wie kann ich mich bereits während des Semesters auf Hausarbeiten vorbereiten?

- Wie finde ich ein Thema? Wie entwickle ich eine Fragestellung?

- Wie baue ich meine Arbeit auf?

- Wie suche und finde ich passende Literatur?

- Welche Formalia sollte ich beachten?

- Welche praktischen Tipps können mir das Vorgehen erleichtern?

- etc.

Um das Angebot an eure Bedürfnisse anpassen zu können, könnt ihr mir selbstverständlich jetzt im Vorfeld und jederzeit Fragen oder Wünsche per Mail zukommen lassen, auf die im Rahmen des Tutoriums eingegangen werden soll.

Für die ZOOM-Sitzungen werden wir folgende Zugangsdaten verwenden:

Thema: Tutorium zum wissenschaftlichen Arbeiten (Sprachwissenschaft)

Uhrzeit: 21. Oktober.2021 14:00 PM Amsterdam, Berlin, Rom, Stockholm, Wien

Zoom-Meeting beitreten

https://us02web.zoom.us/j/82822186014?pwd=SGp6VWhsdlBUaE9Xbm9Ka2xrdTMzZz09#success

Meeting-ID: 870 9600 5611

Kenncode: L2ng02st1k

Die Teilnahme am Tutorium ist freiwillig und es können keine ECTS-Punkte erworben werden.

Die wichtigsten Inhalte werden auf MOODLE (Zugangsdaten folgen) zur Verfügung stehen.

 

2) Individuelle Beratung:

Da womöglich manche von euch nicht am fixen Termin teilnehmen können, aber auch um noch genauer und individueller auf eure Arbeiten/Fragen eingehen zu können, stehe ich euch für virtuelle Einzelberatungen zur Verfügung, die wir in gemeinsamer Absprache vereinbaren können. Das gibt uns auch den Raum, um zusammen einen Blick auf eure Arbeiten zu werfen und spezielle Fragen zu klären.

Für Rückfragen stehe ich euch jederzeit zur Verfügung: sebastian.wittkopf@campus.lmu.de

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und den Austausch mit euch in diesem Wintersemester 2021/2022!


Das Proseminar bietet einen Überblick über die Entwicklung des Lateinischen vom Früh- und Altlateinischen bis in die Spätantike. Die historische Laut- und Formenlehre bildet den Schwerpunkt der Veranstaltung.

Neben dem Lesen von Texten (Inschriften sowie Passagen aus ausgewählten Autoren) erhalten die Studierenden auch eine Einführung in die Prinzipien der historischen und indogermanischen Sprachwissenschaft, der Soziolinguistik sowie der Phonologie und Morphologie.

Die Lehrveranstaltung ist besonders für Studierende mit Lateinkenntnissen und sprachwissenschaftlichen Interessen geeignet. Sprachvergleichend wird zur Illustration der besprochenen Phänomene mitunter das Griechische herangezogen (Griechischkenntnisse sind nicht zwingend nötig).


1) Jour fixe:

Mittwochs, 11.00-12.00 Uhr

Thema: CCL: Tutorium zum wissenschaftlichen Arbeiten
Uhrzeit: 17.März.2021 11:00 AM Amsterdam, Berlin, Rom, Stockholm, Wien

Zoom-Meeting beitreten

Meeting-ID: 870 9600 5611
Kenncode: 134572

2) Individuelle Beratung: Mail an sebastian.wittkopf@campus.lmu.de 

Ziel der Veranstaltung ist, die kommunikative Sprachkompetenz und den aktiven Gebrauch alltäglicher Sprachformeln zu fördern. Durch die Arbeit mit verschiedenen Texten wird versucht, grammatische und kommunikative Kenntnisse zu erweitern. Da dieses Tutorium parallel zu Albanisch I angeboten wird, soll auch die jeweils neu erarbeitete Grammatik eingeübt werden. Kursmaterial wird im Kurs bekannt gegeben.

Dieses Lektüreseminar ist ein Experiment. Es werden Texte zur Entstehung des Deutschen gelesen und Texte zur Soziologie. Wir werden sehen, wie weit sich beide Bereiche berühren.

Texte zur Entstehung des Deutschen: Keine Sprache entsteht aus dem Nichts. Sprachen entwickeln sich fortwährend. Insofern ist es falsch, von der "Entstehung" einer Sprache zu reden. Andererseits ist die Sprache, die wir heute reden, nicht immer "deutsch" gewesen. Insofern ist "das Deutsche" doch irgendwann und irgendwie entstanden. Wann? Wie? Wodurch? Welche inneren und äußeren Faktoren sind mit einer "Sprachgeburt" verbunden? Das Seminar geht diesen Fragen anhand der Lektüre ausgewählter Texte nach.

Texte zur Soziologie: Wir lesen im Wesentlichen die Texte, die auch in der Vorlesung "Soziologische Theorien" behandelt werden. Wir lesen die Texte vor unserem sprachwissenschaftlichen Hintergrund. Sprachwissenschaft, wenn sie sich nicht auf reine "Systemlinguistik" beschränkt, sondern sich darauf besinnt, dass ihr eigentlicher Gegenstand das wirkliche Sprechen von von wirklichen Sprechern ist, steht vor ähnlichen Problemen wie die Soziologie: Wie entwickeln sich aus der Interaktion von Individuen gesellschaftliche bzw. sprachliche Strukturen? Wie wirken einmal etablierte Strukturen auf die Individuen zurück, wie wiederum diese auf die etablierten Strukturen? Wir werden sehen, wie weit uns die soziologischen Klassiker hier helfen können.


Diese Vorlesung verleiht einen Überblick über einflussreiche Theorien der Linguistik mit einem Schwerpunkt auf Grammatiktheorien. Nach einer Einführung in frühe strukturalistische, generativistische und dependenzgrammatische Modelle wenden wir uns gegenwärtig einflussreichen Strömungen zu. Dabei lernen wir nicht nur formale Theorien (z.B. OT, LFG, RRG) kennen, sondern widmen uns insbesondere auch impliziten und expliziten Annahmen in verschiedenen Zweigen gegenwärtiger typologischer Forschung. Ein Schwerpunkt in diesem Kurs bildet die Beschäftigung mit dem jeweiligen Verhältnis von Theorie und Daten in den verschiedenen Modellen und Forschungsströmungen.

In diesem Semester werden wir uns mit verschiedenen Theorien zur Pragmatik beschäftigen. Pragmatik befasst sich mit dem Gebrauch von Sprache sowie den spezifischen Verwendungsweisen sprachlicher Ausdrücke in ihrer kontextuellen und kommunikativen Funktion. Dazu gehören neben dem Aufbau von Informationsstruktur im Satz, Deixis und Referenz auch Sprechakte ebenso wie die Analyse von Konversations- und Diskursstrukturen.


Informationsstruktur beschäftigt sich mit der Frage, wie gegebene, d.h. alte und neue Information in einem Diskurs strukturiert und markiert wird; einige zentrale Begriffe sind Präsupposition, Assertion, Topik und Fokus. In diesem Seminar werden wir uns mit diesen und weiteren Konzepten der Informationsstrukturforschung auseinandersetzen, ihren theoretischen Hintergrund beleuchten und die Methoden zur Feststellung von Präsupposition, Assertion, etc. kritisch diskutieren. Neben zahlreichen Beispielen aus dem Deutschen und Englischen sollen dabei auch Beispiele zur Informationsstruktur aus nicht-indoeuropäischen Sprachen besprochen werden.  

Der Kurs gliedert sich in drei Schwerpunkte: die kognitive Anthropologie, den Relativismus und die Ethnographie.

Ein Thema der kognitiven Anthropologie werden Taxonomien sein, also die hierarchische Beziehung verschiedener Konzepte zueinander und wie sich diese in verschiedenen Sprachen ausdrücken. Weitere Themen sind Verwandtschaftssysteme, deren Organisation und die Bezeichnungen der verschiedenen Verwandtschaftsgrade in unterschiedlichen Kulturen sowie die basic color terms nach Berlin & Kay (1969).

Im Relativismus soll einmal die Verwendung von Metaphern, ihre kulturelle Kodierung und Einbettung in das grammatische System der jeweiligen Sprache vorgestellt werden. Daneben werden wir uns auch mit Klassifikatoren auseinandersetzen und untersuchen, welche Systeme von Klassifikatoren es gibt und auf welchen semantischen Konzepten die Klassifikatoren beruhen.   

Im letzten Themenbereich des Kurses wird um die Verwendung von Sprache in bestimmten kulturellen und sozialen Kontexten gehen. Ein Thema wird die Verbindung von Sprache und Geschlecht sein, ein anderes die Relation zwischen Sprache und sozialer Position. Abschließend werden wir untersuchen, wie sich die Sozialisierung in unterschiedlichen Kulturen auf das sprachliche Verhalten auswirkt.    


MA CCL (P 8):

Das Seminar wird zusammen mit P 8.1 (Cultural Linguistics) abgeprüft. Prüfungsformen: Hausarbeit (88.000 - 112.000 Zeichen) oder Projektstudie (120 Stunden). Die Wahl der Prüfungsform liegt beim Dozenten. bestanden / nicht bestanden. 12 ECTS.

MA-Profilbereich (WP CCL 3):

Das Seminar wird zusammen mit WP CCL 3.1 (Cultural Linguistics) abgeprüft. Prüfungsformen: Hausarbeit (88.000 - 112.000 Zeichen) oder Projektstudie (120 Stunden). Die Wahl der Prüfungsform liegt beim Dozenten. bestanden / nicht bestanden. 12 ECTS.


Die Morphologie als sprachwissenschaftliche Teildisziplin beschäftigt sich hauptsächlich mit der Untersuchung der grammatischen Prozesse und Elemente, durch welche Wortformen (verschiedene Formen eines Wortes) und Wörter (verschiedene Lexeme) gebildet werden. Traditionell besteht die Morphologie aus zwei Teilgebieten: der Wortbildungslehre und der Flexionslehre. 

Dieser Kurs führt in grundsätzliche Methoden, typologisch verschiedene Merkmale, und aktuelle Theorien der Morphologie ein. Die KursteilnehmerInnen sollen vor allem die unentbehrlichen Techniken der morphologischen Analyse erwerben, sowie eine Vertrautheit in die sprachwissenschaftlichen Terminologie im morphologischen Gebiet gewinnen. Ein Verständnis der Beziehungen und Schnittstellen zwischen der Morphologie und den anderen Hauptbestandteilen der Grammatik (Phonologie, Syntax, Semantik) soll entwickelt werden.

Ziel des Kurses ist es, dass die TeilnehmerInnen ohne große Schwierigkeiten die Analyse unbekannter Sprachdaten durchführen und sowohl häufigere als auch seltenere morphologische Kategorien unterscheiden können. Außerdem erlernen alle TeilnehmerInnen die Konventionen der morphologischen Glossierung (sog. „Leipzig Glossing Rules”). Teilnehmer sollen ihre in diesem Kurs entwickelten Kompetenzen in anderen aufbauenden Kursen (z.B. Syntax, Semantik) anwenden können. 

Der Lernprozess wird soweit wie möglich durch interaktive Übungen unterstützt werden. Der dazugehörige Vertiefungskurs (“Vertiefung Morphologie”) wird einen Überblick der in der Sockelvorlesung eigeführten Begriffe durch weitere Übungen anbieten.


Was ist Sprache? Womit befasst sich die Sprachwissenschaft bzw. Linguistik? Welche Fragen und Probleme untersuchen Sprachwissenschaftler? Unterscheidet sich die natürliche menschliche Sprache im Wesen oder nur in seiner Form von anderen (ob von Menschen oder von anderen Lebewesen verwendeten) Kommunikationsmitteln? Wie werden universelle Prinzipien menschlicher Sprachstruktur aufgedeckt?

Hauptziel dieses Kurses ist es, eine grundlegende Kenntnis des Faches „Sprachwissenschaft‟ zu vermitteln, indem sowohl die tradierten Kerngebiete der Sprachwissenschaft (Phonetik und Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik und Pragmatik) als auch einige weitere Teildisziplinen (Soziolinguistik, Psycholinguistik, Computerlinguistik) kurz eingeführt werden. Dabei sollen Teilnehmer eine genauere Vorstellung des Faches bekommen und somit sich klarere Erwartungen bezüglich eines sprachwissenschaftlichen Studiums entwickeln können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt darin, weit verbreitete volkstümliche Mythen über Sprache im Allgemeinen auszuräumen, sodass falsche Denkmuster über die Jahre hinweg das Studium nicht plagen. Außerdem werden Teilnehmer*innen an die Vielfalt sprachlicher Phänomene und den analytischen Umgang mit sprachlichen Daten allmählich gewöhnt.


Kann man sich sinnvoll mit einer Sprache beschäftigen, die man nicht einmal aussprechen kann? – Ja! Das Sprachphylum Khoisan hat viel mehr zu bieten als die spektakulären Klicks („Schnalzlaute“) und komplexe Tonregeln.

Khoekhoe (auch Nama, Khoekhoegowab, seltener Damara, genannt) repräsentiert mit über 200.000 Sprechern die größte aller modernen Khoisan-Sprachen. Das Verb weist wenig Markierung, aber wie viele afrikanische Sprachen vielseitige derivative Erweiterungen auf. Die Nominalphrase ist komplex aufgebaut, es gibt drei Genera (maskulin, feminin und communis) und drei Numeri (Singular, Dual und Plural). Als Fokus-orientierte Sprache hat Khoekhoe eine hauptsächlich pragmatisch konditionierte Wortstellung. Außerdem verfügt die Sprache über komplex verschachtelte Nebensätze, "eine Erscheinung, die sich nicht als eine [...] erzwungene Anähnlichung an unsere Sprache, sondern als wirklich begründet in dem so eigenartigen Idiom [...] zu erweisen scheint" (Lewy 1965). Die Afrikanistin Kilian-Hatz hat die Komplexität von Khoekhoegowab in einem Interview mit dem Geo-Magazin 2003 unter dem provokanten Titel "Gibt es primitive Sprachen?" nicht ganz zu Unrecht mit Latein verglichen. Aber keine Angst - wir werden mit ganz einfachen Sätzen anfangen und die spannenden Eigenschaften Schritt für Schritt kennenlernen.

Im zweiten Teil des Strukturkurses werden weitere Themen behandelt. Vorgesehen sind u.a.

  • Zahlsystem
  • Adjektive
  • eigenständige Pronomina
  • Tonsandhi (Änderungen des Tonverlaufs in zusammengesetzten Wörtern)
  • Fragewörter und -sätze
  • Derivation (Wortbildung)
  • Prädikative Possession ('haben')
  • Koordination ('und')
  • Verwandtschaftsbegriffe
  • Syntax komplexer Sätze
  • Derivation (Wortbildung)
  • serielle Verben

In Fortführung des ersten Kurses werden in „Cultural notes“ weitere Khoisan-Ethnien kurz vorgestellt.

Wegen COVID-19 wird der Kurs 'remote' stattfinden: Sie erhalten regelmäßig ausführliche Handouts. Als Prüfungsleistung sind 4 Übungsblätter vorgesehen. Die Teilnahme über Moodle wird empfohlen.


Einst auf einem Treffen bestehend aus Linguisten und Psychologen, das die interdisziplinäre Orientierung der Sprachwissenschaft vorantreiben soll, bekamen die Linguisten die Frage von ihren Kollegen gestellt, ob sie denn neben der Beschreibung einzelner Sprachen überhaupt etwas über alle Sprachen sagen könnten. Genau an diesen Punkt schließt sich das Thema dieses Seminars an, nämlich die Etablierung sprachlicher Kategorien bzw. Klassifizierung aller Sprachen danach - was in den Bereich der deskriptiven Sprachtypologie gehört - und die Erklärung dieser kategorialen Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede anhand von allgemeinen kognitiven Prinzipien. Letzteres spiegelt das Anstreben eines theoretischen Gerüstes in der modernen sprachtypologischen Forschung wider.

Im Seminar werden nach einer kurzen Einführung in die Teildisziplin Sprachtypologie und Kognitive Linguistik kognitiv-theoretische Begriffe wie Kategorie und Prototyp, Ikonizität, Metapher und Metonymie vorgestellt, die das explanatorische Programm sprachtypologischer Forschung maßgeblich mitgeprägt haben. Darüber hinaus sollen folgende sprachtypologische Themen im Zentrum des Kurses stehen: Raum- und Zeitkonzeptualisierung, Transitivität und Aktantentypologie, Grammatikalisierung.

Literatur wird in der ersten Stunde bekanntgegeben.


In dieser Vorlesung werden die wichtigsten theoretischen und methodischen Grundlagen sowie Aufgabenstellungen sprachwissenschaftlichen Arbeitens, Analysierens und Argumentierens vorgestellt. Den Studierenden soll ein Überblick über die Dimensionen des Faches gegeben werden. Neben theoretisch-linguistischen Ansätzen werden auch Zusammenhänge zur kognitiven Verarbeitung der einzelnen Sprachebenen diskutiert.

In diesem Seminar werden wir uns mit dem Thema Wortbildung beschäftigen; dabei soll zunächst versucht werden, den Begriff ‚Wort‘ näher zu definieren und dessen Problematik zu beleuchten. Im weiteren Verlauf des Kurses soll das Verhältnis von Wortbildung, Derivation und Flexion eingehend untersucht werden; außerdem werden wir uns mit den Themen Komposition und Inkorporation auseinandersetzen und deren Beziehung zur Wortbildung genauer untersuchen. Dabei sollen auch Grenzfälle, wie z.B. Reduplikation, angesprochen werden; Schnittstellen zwischen Wortbildung, Phonologie, Syntax und Semantik werden ebenfalls thematisiert. Weitere Bereiche, mit denen wir uns im Verlauf des Kurses beschäftigen werden, sind die Produktivität von Wortbildungen sowie Lexikalisierung.

Neben einem typologischen Ansatz, bei dem außer gut untersuchten und meist indoeuropäischen Sprachen wie Deutsch und Englisch auch Wortbildungsstrategien aus weniger gut beschriebenen Sprachen vorgestellt werden sollen, werden wir in diesem Seminar auch die kognitiven Aspekte von Wortbildung diskutieren; dazu gehören Fragen nach der Ikonizität von Wortbildungsmustern, aber auch Konzepte wie die Bedeutungserweiterung und -verengung.


Nach einer kurzen, allgemeinen Einführung in die Diskurslinguistik werden wir uns in diesem Seminar besonders mit dem Gebrauch von Sprache in verschiedenen sozialen Kontexten beschäftigen. Dazu gehören Bereiche des politischen und gesellschaftlichen Diskurses, wie beispielsweise Sprachideologien, Diskurs und Rassismus, aber auch Sprache und Geschlecht und interkulturelle Kommunikation; auch das Thema Diskurs und Medien werden wir in diesem Seminar diskutieren. Weitere Bereiche der Diskursforschung, die wir besprechen werden, sind Multimodalität, also die Verbindung von verbalen und non-verbalen Zeichen im Diskurs, sowie Sprache und Humor.


Der Kurs gliedert sich in drei Schwerpunkte: die kognitive Anthropologie, den Relativismus und die Ethnographie.

Ein Thema der kognitiven Anthropologie werden Taxonomien sein, also die hierarchische Beziehung verschiedener Konzepte zueinander und wie sich diese in verschiedenen Sprachen ausdrücken. Weitere Themen sind Verwandtschaftssysteme, deren Organisation und die Bezeichnungen der verschiedenen Verwandtschaftsgrade in unterschiedlichen Kulturen sowie die basic color terms nach Berlin & Kay (1969).

Im Relativismus soll einmal die Verwendung von Metaphern, ihre kulturelle Kodierung und Einbettung in das grammatische System der jeweiligen Sprache vorgestellt werden. Daneben werden wir uns auch mit Klassifikatoren auseinandersetzen und untersuchen, welche Systeme von Klassifikatoren es gibt und auf welchen semantischen Konzepten die Klassifikatoren beruhen.   

Im letzten Themenbereich des Kurses wird um die Verwendung von Sprache in bestimmten kulturellen und sozialen Kontexten gehen. Ein Thema wird die Verbindung von Sprache und Geschlecht sein, ein anderes die Relation zwischen Sprache und sozialer Position. Abschließend werden wir untersuchen, wie sich die Sozialisierung in unterschiedlichen Kulturen auf das sprachliche Verhalten auswirkt.    


In diesem Seminar soll es um die Themen Sprachkontakt und kontaktinduzierten Sprachwandel gehen. Dabei werden wir uns u.a. mit der Frage beschäftigen, welche sprachlichen Phänomene bei Sprachkontakt leichter übernommen werden als Andere und was das über Sprache und Kognition aussagt. In diesem Kontext sollen verschiedene Formen des Sprachkontaktes und des kontaktinduzierten Sprachwandels näher beleuchtet und die unterschiedlichen theoretischen Ansätze zur Erklärung dieser Phänomene kritisch diskutiert werden. Weitere Aspekte, die wir besprechen werden, sind der bi- bzw. multilinguale Erstspracherwerb, Codeswitching sowie Sonderfälle des Sprachkontaktes wie Pidgins, Kreol-, Misch- und Sondersprachen.