Jesus von Nazaret wirkte im Hinterland der römischen Provinz Syrien etwa zwei Jahre in denkbar begrenzten Verhältnissen. Auf den ersten Blick ist es kaum möglich, geschichtlich unbedeutender zu sein. Was gab seinem Wirken dennoch Wirkung? Die Vorlesung zeichnet Jesu dramatischen Weg nach. Sie nimmt seinen sozialen und politischen Horizont in den Blick, fragt nach der (fragmentarisch greifbaren) Vorgeschichte und nach Jesu (vergleichsweise umfassend dokumentiertem) Ende. Was diesem Leben an Länge abging, scheint durch Tiefe kompensiert worden zu sein. Ein Schwergewicht der Vorlesung liegt daher auf der religionsgeschichtlichen Verortung Jesu: Wo lagen seine religiösen Quellen? Woraus nährte sich sein Gottesbild? Was hoffte er? Warum starb er einen gewaltsamen Tod? Wo liegt das, was man sein „Geheimnis“ nennen könnte? So soll verstehbarer werden, warum dieses Leben auf den zweiten Blick weltverändernde Bedeutung gewann.
- Profesor: Knut Backhaus
- Profesor: Maria Lang
- Profesor: Renate Stangl
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Das älteste Evangelium bietet einen vergleichsweise unverstellten Blick auf die historische Gestalt Jesu und zugleich die urtümlichste Form einer Christologie im Modus von Erzählung. In der kleinen Welt von Galiläa tritt schlicht vor Augen, wer der Gottessohn ist und wofür er lebt und stirbt. Die Vorlesung interpretiert maßgebliche Schlüsselszenen: Taufe, Exorzismus, Heilung, Gleichnis, Tanz der Prinzessin, Verklärung, Kreuz, leeres Grab. Zwischen Jordan und Golgatha offenbart sich für Mk kein göttlicher Mensch, wohl aber die Menschlichkeit Gottes – ganz unten, in einer höchst weltlichen Welt. Ein theologisches Programm, das seine Zukunft immer neu vor sich hat. |
- Profesor: Knut Backhaus
- Profesor: Maria Lang
- Profesor: Renate Stangl
Christen stehen mitunter an der (inneren) Himmelstür. Sie klopfen an,
aber niemand macht auf. Drinnen brennt kein Licht; vielleicht war das
Haus niemals bewohnt (C.S. Lewis). – Eine solche Erfahrung ist der
Ausgangspunkt des Hebräerbriefs, des ersten Dokuments einer
reflektierten christlichen Theologie. Der „große Unbekannte“ unter den
neutestamentlichen Schriften bewegt sich auf der Höhe seiner Zeit. Er
beschreibt eine Welt, in welcher der Himmel wirklicher ist als der
Alltag, das Wort mächtiger als die Mehrheitsmeinung und Gottes
Lebensraum jetzt schon zugänglich wird. An diesem Drama nehmen die
Lesenden mit ihrer eigenen Glaubensgeschichte teil. Sein Hauptakteur ist
Christus. Die Vorlesung zeichnet das Profil dieses „ersten Theologen“
und erschließt die Ressourcen seiner Glaubensrede für heute. Der
Hebräerbrief ist weder kompliziert noch weltfremd. Er ist das
leidenschaftliche Zeugnis von einem an-sprechenden Gott in erdschwerer
Zeit und das Plädoyer für eine Kirche, die beweglicher wird, weil sie
mit Blick auf Jesus Christus zu glauben lernt.
- Profesor: Renate Stangl