Das Seminar zur Veranstaltung „Was ist Religion? Einführung in die Religionswissenschaft“ bietet Studierenden einen ersten Einstieg in (religions-)wissenschaftliches Arbeiten. Neben einer Vertiefung der Lektüre des Grundkurses werden grundlegende Strategien des wissenschaftlichen Arbeitens vorgestellt: Wie finde und bearbeite ich wissenschaftliche Literatur? Welche Methoden für die Untersuchung einer Quelle gibt es? Wie ist eine wissenschaftliche Arbeit aufgebaut?

Debatten über Religionsfreiheit auf YouTube, spirituelle Erfahrungen beim Bergsteigen, Schmuck in Kreuzesform, Horoskope: Diese Beispiele, so unterschiedlich sie auch sind, haben etwas mit „Religion“ zu tun. Doch wie können wir uns wissenschaftlich solch unterschiedlichen Phänomenen nähern? Welchen Definitionen von Religion begegnen wir bei einem Blick in die Forschungsgeschichte. Welche Relationen zwischen Religion und Kultur lassen sich denken?

Diese Veranstaltung richtet sich an Studierende, die Religion als kulturelles Phänomen besser verstehen möchten. Sie zielt daraufhin, gründlich in zentrale Themen und Theorien der Religionsforschung einzuführen und zu Beginn des Studiums Instrumente zu vermitteln, um solch ein vielschichtiges Phänomen zu erfassen.


In Werbungen fallen Engel vom Himmel, verführt durch einen Bodyspray. Musiker*innen singen von transzendenten Grenzerfahrungen. Religiöse Influencer*innen debattieren grundlegende normative Fragen auf YouTube. Religiöse Gemeinschaften vermitteln ihre Inhalte anhand von Medien wie Romanen oder Filmen.

Zwischen Religion und Populärkultur lassen sich vielfache Verbindungen feststellen. Im Seminar gehen wir diesen Vernetzungen anhand von Einzelfällen aus Geschichte und Gegenwart nach und reflektieren mögliche theoretische Zugänge, um dieses Wechselspiel zu erfassen. Dabei stellen sich Fragen nach Mediatisierungsprozessen, Marktmechanismen, religiösen Ästhetisierungsstrategien sowie individuellen und kollektiven Vorstellungen.

Ziel des Seminars ist es, einen theoretischen und analytischen Einblick in die facettenreiche Relation zwischen Religion und Populärkultur zu erhalten.


Doc Brown aus dem Film «Back to the Future» (Regie: Robert Zemeckis/ USA 1985) hat eine bemerkenswerte Frisur und nutzt die Kraft des Blitzes, um in der Zeit zu reisen. Die Naturwissenschaftler*innen aus der Serie «Big Bang Theory» (Idee: Chuck Lorre/ Bill Prady/ USA 2007–2019) sind allesamt Nerds, die stolz sind auf ihren Doktortitel. Die Archäologin Lara Croft aus dem Computerspiel «Tomb Raider» (Studio: Core Design/ 1996) schlägt sich durch den Dschungel und zerstört dabei (virtuelle) Kulturgüter. Gleichzeitig gilt in Zeitschriften und dem Internet ein «wissenschaftlich bestätigt» als Gütesiegel. Hinzu kommen verschiedene Bilder von Forschung und Wissenschaft aus der Akademie, die mit Identitätsprozessen verbunden sind. Sie können Wissenschaft beispielsweise als geschlossenen Garten, objektive Sichtweise, als Netzwerk oder als Suche inszenieren. Diese verschiedenen Bilder existieren nebeneinander, sie vermischen sich oder widersprechen sich. Vor allem aber prägen sie unsere religionswissenschaftlichen Vorstellungen von Wissenschaft maßgebend mit.

 

Im Seminar werden wir unterschiedlichen öffentlichen und akademischen Wissenschaftsbildern nachgehen, Beispiele analysieren, sie diskutieren und uns fragen, wie wir als Religionsforschende mit solch verschiedenen Ideen sowie Stereotypen von Wissenschaft umgehen können und wie sie unseren Blick auf Religion und Kultur prägen.


1974 wurde die Sektion “Women and Religion” der American Academy of Religion (AAR) gegründet. Seither wurden feministische Anregungen in der Religionswissenschaft vielfältig aufgegriffen und weiterentwickelt. In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit der Geschichte und der Vielfalt feministischer Perspektiven auf Religion und in der Religionswissenschaft. Wer sind die Pionierinnen der Religionswissenschaft? Welche spezifischen Fragestellungen zeichnen die feministische Religionswissenschaft aus? Und welche aktuellen Entwicklungen und Forschungsansätze prägen dieses Feld?

Das Seminar vermittelt eine grundlegende Einführung in Theorien und Methoden feministischer Wissenschaftskritik.


Das Seminar befasst sich mit dem Phänomen neuer Freikirchen im (groß-)städtischen Kontext, u.a. International Christian Fellowship (ICF) und Hillsong. Im Rahmen des Seminars werden sonntägliche Gottesdienste einzelner Gemeinden besucht. Geplant sind dabei jeweils Gespräche mit Gemeindeleitung und Mitgliedern. Im Seminar werden die einzelnen Begegnungen vorbereitet und später ausgewertet. Wo liegen Chancen und Grenzen neuer Freikirchen? Gibt es Licht- und Schattenseiten? Worin bestehen spezifische Kennzeichen und Unterschiede? Was bedeuten Pluralisierungsprozesse für das Christentum insgesamt?

In diesem Seminar werden zentrale Aspekte von Normativität aus religionswissenschaftlicher Perspektive beleuchtet. Die Frage nach Werten und Normen wird sowohl auf der Ebene des Forschungsprozesses, als auch auf der Ebene der Phänomene behandelt.

In einem ersten Schritt werden wir uns mit der Rolle von Werten und Normen im Selbstverständnis der Disziplin und der religionswissenschaftlichen Forschung beschäftigen. In einem zweiten Schritt wird der Fokus auf Werte und Normen innerhalb von religiösen Symbolsystemen gelegt. In einem dritten Schritt werden wir diese Frage erweitern und uns mit dem Einfluss von Religion auf Wertvorstellungen und normative Diskurse in der zeitgenössischen Gesellschaft befassen.

Die Arbeit gründet auf der Auseinandersetzung sowohl mit Sekundärliteratur, als auch mit Fallstudien. In der Wechselwirkung zwischen theoretischen Ansätzen und empirischen Beispielen werden wir die aktuelle und relevante Frage nach Normativität vertiefen.


Lehrforschung

Die Lehrforschung bietet die Gelegenheit, sich vertieft mit wissenschaftlichen Methoden auseinanderzusetzen und diese in einem eigenen kleinen Forschungsprojekt anzuwenden. Arbeitsschritte in der wissenschaftlichen Projektentwicklung sowie Methoden der Datenerhebung und Interpretation werden im Rahmen des Begleitkolloquiums im Umfang von 1 SWS vermittelt. Ihr Projektthema sollen Sie selbständig erarbeiten. Inhaltlich sind keine Grenzen gesetzt; gerne dürfen die erworbenen Fremdsprachenkenntnisse eingesetzt werden. Römische Kaiserkrönungen, altäthiopische Chroniken und buddhistische Sutren im historischen Kontext können genauso Thema sein wie Feldforschungen bei Pfingstkirchen, die Analyse politischer Reden oder die Rekonstruktion von musealen Objektbiographien.

 

Praktikum

Das Praxismodul bietet die Gelegenheit, frühzeitig Erfahrungen in einem möglichen Berufsfeld oder Arbeitsbereich zu sammeln und so die eigenen Fähigkeiten und Erwartungen außerhalb der Universität zu testen.


Werte und Normen sind stets in Bewegung, sowohl im zirkulären Prozess ihrer Entstehung, Aushandlung und Infragestellung, als auch in ihrer Verbreitung durch unterschiedliche historische und kulturelle Kontexte. Religiöse Traditionen und Gemeinschaften spielen dabei eine wichtige Rolle, indem sie Weltbilder, Narrative und Praktiken offerieren, in denen normative Vorstellungen ausgehandelt werden. Die vielschichtige Wechselwirkung von Religion und Medien ist fundamental, um die Entstehung, Aushandlung und Adaption von Normen und Werten zu untersuchen; religiöse und mediale Kommunikationssysteme repräsentieren, distribuieren und transformieren diese Vorstellungen.

Im Seminar wird in das für die Religionswissenschaft zentrale Themenfeld „Werte und Normen“ eingeführt. Es besteht aus dem Besuch der gleichnamigen Tagung und wird von einer Vorbereitungssitzung sowie einer Schlusssitzung gerahmt.