In den digitalen Medien kommen Nutzende mit einer Vielzahl verschiedener (nutzergenerierter und journalistischer) Inhalte in Kontakt: das können beispielsweise Vorfälle inziviler Online-Kommunikation oder Berichterstattung über aktuelle Krisen sein, aber auch Beispiele des prosozialen Aktivismus oder der Förderung von (mentaler) Gesundheit.

Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht wirft Letzteres einige Fragen auf, die bislang wenig Beachtung fanden: Mit welchen dieser (insb. prosozialen) Formen kommen Nutzer:innen in Kontakt und wie bewerten sie diese? Wie gehen Nutzende damit um (Coping)? Was bringt sie dazu, selbst beispielsweise prosozialen digitalen Aktivismus zu betreiben und welche Folgen solcher Bemühungen nehmen Nutzer:innen wahr?

Im Seminar werden wir uns mit einigen dieser Fragen beschäftigen. Dabei werden wir zunächst den relevanten Forschungsstand aufarbeiten und zentrale Fragestellungen ableiten. Darauf aufbauend werden wir ein empirisches Projekt entwickeln, durchführen und auswerten.


Medienvielfalt ist ein zentraler Bestandteil der Öffentlichkeit in einer Demokratie. Vielfalt ist wesentliche für die Meinungsbildung, den politischen Prozess, ebenso wie für die kulturelle Selbstverständigung innerhalb einer Gesellschaft. Medienvielfalt umfasst sowohl die Vielfalt des Medienangebots, als auch die rezipierte Vielfalt sowie die von den Rezipient:innen wahrgenommene Vielfalt. Insbesondere in modernen high choice media environments stellt sich die Frage, wie Rezipient:innen mit der (digitalen) Vielzahl an Informationen umgehen und ob ein mögliches vielfältiges Angebot auch mit einer vielfältigen Nutzung einhergeht. Auch normative Fragen stellen sich: wieviel Vielfalt ist gut? Gibt es ein Maß an Vielfalt, das zu viel ist und desintegrative Konsequenzen in einer Gesellschaft haben kann?

Im Seminar werden wir unterschiedliche Konzepte von Vielfalt anhand von Literatur diskutieren. Darauf aufbauend werden wir ein empirisches Projekt konzipieren, um die Wahrnehmung und Nutzung von Medienvielfalt durch die Rezipient:innen zu untersuchen (diversity exposure und diversity experience). Dabei wird es einerseits um klassische Medien wie Zeitungen und Fernsehen gehen, gleichzeitig aber auch um Medieninhalte im Internet sowie in sozialen Medien. Methodischer Fokus ist die quantitative Befragung.

Zum Ende des Semesters möchten wir eine Antwort auf die Frage geben, wie Medienvielfalt durch die Rezipient:innen in Deutschland wahrgenommen und genutzt wird.

In den heutigen digitalen Gesellschaften üben Algorithmen einen umfassenden Einfluss auf unterschiedliche Lebensbereiche der Nutzerinnen und Nutzer aus. Sie beeinflussen beispielsweise, was online gefunden oder konsumiert wird. Nutzerinnen und Nutzer unterschätzen dabei häufig die Relevanz, die algorithmen-basierte Selektionsanwendungen auf ihr eigenes Leben haben. Im Hinblick auf Algorithmen kommt dem Konzept Literacy generell eine besondere Bedeutung zu, da klassisches Wissen z.B. über die spezifische Funktionsweise von Algorithmen aufgrund fehlender Informationen diesbezüglich oftmals nicht möglich scheint. Es stellt sich also die Frage wie ein Konzept Algorithm Literacy aussehen kann, wenn es über das bisher häufig fokussierte Konstrukt Awareness hinausgeht. Im Forschungsseminar werden Grundlagen und Konzepte von Algorithm Literacy besprochen und diskutiert. Dabei sollen eigene Forschungsfragen entwickelt und in unterschiedlichen methodischen Settings analysiert werden.


Die Kommunikation von extremistischen Gruppierungen zielt darauf ab zu mobilisieren, neue Mitglieder zu rekrutieren und möglichen Outgroups Angst zu machen. Sie arbeiten daher mit unterhaltsamen Botschaften, die unsere Emotionen ansprechen, uns inspirieren oder sogar lustig sind. Dennoch werden extremistische Botschaften selten unter dem Blickwinkel von Unterhaltung untersucht, eben weil Unterhaltung mit etwas Positivem, Leichtem verbunden wird.

In diesem Seminar werden wir uns daher mit Theorien zum Unterhaltungserleben beschäftigen und überlegen, wie wir diese auf die Online-Kommunikation von extremistischen Gruppierungen anwenden können. Daraus leiten wir dann (voraussichtlich in mehreren kleineren Arbeitsgruppen) Fragestellungen ab, die wir in kleinen empirischen Studien selbst beantworten. Voraussichtlich wird hauptsächlich quantitativ gearbeitet (z.B. inhaltanalytisch zu den Unterhaltungsdimensionen in extremistischer Kommunikation oder experimentell zur Überprüfung der Wirkung von unterhaltsamer vs. nicht-unterhaltsamer Kommunikation).

 


Zu den Nutzungspraktiken von sozialen Medien gehören nicht zuletzt die Entwicklung, Präsentation und Pflege der eigenen Liebesbeziehung(en) sowie das Beobachten anderer Liebesbeziehungen. Ziel des Seminars ist es, einen breiten Überblick über die gegenwärtigen Motive, Praktiken und Folgen des Romantic Relationship Management in sozialen Medien zu erhalten – von der Präsentation der eigenen Beziehung bis zur Partner:innen-Suche, von sozialen Vergleichsprozessen über Einflüsse auf den Selbstwert bis zur digitalen Eifersucht, von #couplegoals bis zum unsolicited dick pic. Hierfür wird aufbauend auf dem aktuellen Forschungsstand eine quantitative Online-Befragung konzipiert, durchgeführt und ausgewertet. 

In unserer Gesellschaft werden marginalisierte Gruppen (sogenannte „Outgroups“), die über den Prozess des „Othering“ von der sogenannten „Ingroup“, der (vermeintlichen) Mehrheitsgesellschaft sozial abgegrenzt und stigmatisiert. Solche Abgrenzungskriterien können z.B. auf Grund von wahrgenommener Herkunft, dem Glauben, der Sexualität, des Geschlechts, körperlicher oder geistiger Fähigkeiten, der sozialen Herkunft oder der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit vorgenommen werden. Zu den betroffene Gruppen zählen beispielsweise People of Color, Homo- und Bisexuelle, Transmenschen, Personen nicht christlichen Glaubens, Personen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, Arbeitssuchende oder Wohnungslose. Studien zeigen, dass Kontakt zu Personen aus marginalisierten und diskriminierten Gruppen stereotype Wahrnehmungen und Vorurteile verstärken, andererseits aber auch reduzieren kann. Solche Kontakte können sowohl persönlich als auch über die Medien stattfinden (parasozialer, bzw. stellvertretender Kontakt). Im Kurs widmen tiefergehenden Erforschung von medialem Intergruppenkontakt mit Blick auf Einstellungen und Verhalten gegenüber marginalisierten Gruppen durch die Mehrheitsgesellschaft, der Wirkung auf Mitglieder der entsprechenden sozialen Gruppen und die Vorstellungen von sozialem Zusammenhalt.


Die DDR lebt – zumindest in Serien und Filmen. Im Seminar fragen wir, welche Bilder der Vergangenheit über diese Kanäle transportiert werden. Was erfahren wir im Fernsehen und auf Streamingplattformen über das Jugendleben, über den Sport und über die Kirche, über Familien und Karrieren? Dazu gibt es Einführungen in die Filmanalyse und in den Gegenstand, um alle am Ende zu befähigen, selbständig einen Forschungsbericht zu verfassen. 

Soziale Netzwerke und ihre starke Durchdringung unseres Alltags haben das Phänomen der Influencer*innen hervorgebracht: Dabei handelt es sich um mehr oder weniger professionelle Kommunikator*innen, die ihre Followerschaft zu einem bestimmten Thema informieren und über Partnerschaften mit Unternehmen Produkte bewerben. Bisherige Forschung zu Influencer*innen findet sich hauptsächlich im Bereich Marketing sowie zur Verbreitung problematischer Schönheitsideale. Allerdings lässt sich auch ein Gegentrend beobachten: Gerade junge Influencerinnen promoten zunehmend nachhaltige, prosoziale und auf Selbstakzeptanz ausgerichtete Lebensweisen, wie zum Beispiel vegane Ernährung, Durchbrechen von Heteronormativität oder Body Positivity.

Im Seminar wollen wir der Frage nachgehen, welche gesellschaftlich relevanten Themen und Ansichten von Influencer*innen dabei promotet werden, inwiefern dabei Unternehmenskooperationen eine Rolle spielen und wie sich dies auf ihre Followerschaft auswirkt. Dabei werden wir uns dem Thema zunächst aus theoretischer Sicht nähern und bestehende Literatur und Ansätze zum Thema aufarbeiten. Darauf aufbauend entwickeln wir in Kleingruppen Forschungsdesigns, die wir im Anschluss empirisch umsetzen.


Der Klimawandel, seine Folgen und Maßnahmen, ihm entgegenzutreten, haben im gesellschaftlichen Diskurs deutlich an Relevanz gewonnen, auch wenn diese Relevanz aktuell von der Pandemie überschattet wird. Nichtsdestotrotz führten zuletzt mehrere Ereignisse dazu, dass sich die Klimawandel-Thematik auf politischen, medialen und öffentlichen Agenden etablierte: Greta Thunberg und ihr Streik, die daraus entstandene Bewegung „Fridays for Future“, das Klimapaket der Bundesregierung, Donald Trumps Leugnung des anthropogenen Klimawandels, etc. Als mediales Thema genießt der Klimawandel seit den 1980er Jahren Aufmerksamkeit. Forschungsbefunde legen nahe, dass besonders die journalistische Darstellung von Zukunftsvorstellungen des Klimawandels individuelles (klimafreundliches) Verhalten beeinflusst. Deshalb soll in dieser Lehrveranstaltung die Darstellung solcher Zukunftsszenarien näher analysiert werden. Dazu wird die entsprechende bisherige Literatur aufgearbeitet, ein theoretischen Rahmen gewählt und Forschungsfragen formuliert. Diese werden dann in ein Forschungsdesign und -instrument überführt (wahrscheinlich quantitative Inhaltsanalyse), Daten erhoben und schließlich ausgewertet.

Durch die Digitalisierung und die zunehmende Nutzung von Social Media werden immer mehr politischen Nachrichten im Internet verbreitet und auch konsumiert. Konsumentinnen und Konsumenten sind aufgrund der prinzipiellen Unübersichtlichkeit dazu gezwungen, sich zu entscheiden, welchen Inhalten sie ihre Aufmerksamkeit schenken. Um nähere Einblicke in diesen Entscheidungsprozess zu erhalten, greift die Kommunikationswissenschaft hier auf einen neuen medienpsychologischen Ansatz zurück, indem sie die Blickbewegungsmuster von Internetnutzerinnen und -nutzern apparativ erfasst, um so Rückschlüsse auf die (visuelle) Aufmerksamkeit zu ziehen. Mit der Methode des Eye-Trackings werden somit Erkenntnisse gewonnen, die sich über den Einsatz klassischer Befragungs- und Beobachtungsmethoden nicht erzielen lassen.

In diesem methodisch orientierten Kurs soll daher die Frage beantwortet werden, was uns Blickbewegungsmuster über die Rezeption von politischen Nachrichten sagen und wie diese beeinflusst werden können. Dabei werden wir zunächst zwei Schwerpunkte innerhalb des Projektes mithilfe von Referaten bearbeiten: Wir werden uns einerseits mit den Grundlagen und dem bisherigen Forschungsstand der Blickbewegungsforschung beschäftigen und andererseits die neueste Literatur zur Rezeption und Wahrnehmung von politischen Nachrichten erarbeiten. Anschließend wird es im zweiten Teil des Projektes darum gehen, sich mit der Methode des Eye-Trackings konkret vertraut zu machen. Wir haben hier ein modernes Eye-Tracking-Gerät zur Verfügung. Wir werden dabei selbst auch zur Versuchsperson werden und praktische Erfahrungen in die Blickbewegungsforschung erlangen. Als krönenden Abschluss werden wir dann eine eigene Studie konzipieren, durchführen und auswerten.

Wir erwarten von den Teilnehmenden Einsatzbereitschaft und Flexibilität sowie Neugier auf und Interesse an innovativen Methoden.