Von Twilight über Wonder Woman bis hin zum 2023 erschienenen Barbie-Spielfilm: Gender und die damit verbundenen Annahmen über Rollenverständnisse und Beziehungsformen waren seit jeher Gegenstand filmischer Auseinandersetzungen. Dabei unterlag der Feminismus in der popkulturellen Debatte einem deutlichen Bedeutungswandel. Lange Zeit als „Männerhass“ diffamiert, gewannen insbesondere neoliberale Feminismusverständnisse an Zuspruch, die das Bild der unabhängigen, selbstbestimmten Businessfrau propagieren. Diese Perspektiven stehen jedoch in der Kritik intersektionaler Ansätze, die die Fokussierung auf privilegierte Lebensrealitäten problematisieren und stattdessen das Zusammenwirken struktureller Ungleichheiten wie Sexismus, Rassismus und Klassismus in den Mittelpunkt stellen.

In diesem Kurs setzen wir uns mit einer solchen kritischen Perspektive auseinander und analysieren vor diesem Hintergrund mediale Repräsentationen in Fiction-Filmen. Leitende Fragen des Kurses sind dabei: Was bedeutet intersektionaler Feminismus? Welche gesellschaftliche Rolle spielen mediale Diskurse über Feminismus? Und wie lassen sich mediale Repräsentationen aus einer intersektional-feministischen Perspektive untersuchen?

Methodisch orientieren wir uns an der Kritischen Diskursanalyse nach Machin und Mayr und fragen, wie soziale Machtverhältnisse in medialen Repräsentationen stabilisiert oder infrage gestellt werden. Ein zentrales Anliegen der Kritischen Diskursanalyse ist die Reflexion der eigenen Verstrickung in gesellschaftliche Machtverhältnisse sowie der daraus resultierenden Privilegien. Entsprechend befassen wir uns im Kurs nicht nur mit Medieninhalten, sondern auch mit dem Forschungsprozess selbst und der Rolle der*des Forschenden darin. Diese Perspektiven setzen die Studierenden in eigenen empirischen Forschungsprojekten um.

Einige der im Kurs behandelten Texte sind in englischer Sprache verfasst. Grundlegende Englischkenntnisse sowie die Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Fachliteratur werden daher vorausgesetzt.


Öffentliche Debatten um Meinungsfreiheit, Political Correctness und Cancel Culture sind meist emotional aufgeladen und von gesellschaftlichen Konfliktlinien geprägt. Doch wie erleben Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen diese Diskussionen selbst – und welche Erfahrungen prägen ihr Sprechen oder Schweigen? Aus welchen Gründen neigen sie dazu, sich selbst zu „silencen“ oder möchten andere zum Schweigen bringen? Und unterscheiden sich diese Gründe in verschiedenen Gruppen?

Zu diesem Thema gibt es bislang nur wenig Forschung, die zudem meist quantitativ angelegt ist; tiefgehende Einblicke in die Hintergründe individueller Wahrnehmungen fehlen weitgehend. In diesem Seminar stehen daher qualitative Methoden im Vordergrund: Die Studierenden entwickeln Interviewleitfäden und führen eigene leitfadengestützte Interviews mit Menschen durch, die verschiedenen sozialen Gruppen angehören – z.B. verschiedene Geschlechter, politische Einstellungen, sexuelle Orientierungen oder Herkünfte.

Durch die Analyse und den Vergleich dieser Interviews soll sichtbar werden, wie soziale Identitäten möglicherweise Erfahrungen von Meinungsfreiheit, Silencing und Redebereitschaft beeinflussen können – und was dies über aktuelle Kommunikationskulturen verrät. Die Studierenden arbeiten in Teams an den Interviews mit den jeweiligen sozialen Gruppen und gewinnen so unmittelbare Einblicke in die Perspektiven, die hinter der emotional aufgeladenen Debatte stecken.


Medienvertrauen ist regelmäßig in aller Munde. Als Ursache oder Ergebnis gesellschaftlicher Krisen hält der Anstieg oder Zerfall von Medienvertrauen gerne her als Gesellschaftsdiagnose mit kommunikationswissenschaftlichem Anspruch. Das macht Medienvertrauen als Konzept natürlich spannend für uns. Gleichzeitig ist Medienvertrauen aber auch deshalb interessant, weil wir uns als Kommunikationswissenschaftler*innen, die sich mit Medienvertrauen beschäftigen, zwangsläufig von der Makro- in die Mikrosperspektive und somit auch in einen intimen Dialog mit der Gesellschaft und ihren Individuen begeben müssen. Alle Menschen nutzen Medien und alle Menschen haben Vorstellungen, Ideen und Meinungen dazu, wie Medien funktionieren, was sie leisten sollen/können und wie man „vertrauensvoll“ mit ihnen umgeht. Damit werden wir uns in diesem Kurs befassen. In semi-strukturierten Leitfadeninterviews fokussieren uns „auf die kulturell verfügbaren symbolischen Ressourcen, die Menschen nutzen, um ihre eigenen Medien- und Informationspraktiken zu verstehen“. Die eigene Lebenswelt hat selbstverständlich einen Einfluss auf die kulturell verfügbaren symbolischen Ressourcen. Deshalb machen wir das nicht allein in München, sondern im Team mit Studierenden in Berlin (Freie Universität Berlin; Leitung Gruppe Berlin: Anna Litvinenko) und Rostock (Universität Rostock; Leitung Gruppe Rostock: Ana-Nzinga Weiß). Wir adaptieren einen gemeinsamen Interviewleitfaden, üben Interviewtechniken und gehen schließlich ins Feld, d.h. wir führen Interviews durch. Die Interviews werden abschließend im Rahmen von Hausarbeiten ausgewertet.

Lernziele und Anforderungen auf einen Blick:

  • Die Studierenden lernen Konzepte von Medienvertrauen und Volkstheorien kennen und verstehen diese im Kontext einer Forschungsarbeit anzuwenden.
  • Die Studierenden lernen Interviewtechniken der qualitativen Sozialforschung kennen und können selbstständig Interviews durchführen.
  • Die Studierenden erwerben erste Kenntnisse der Auswertung von semi-strukturierten Leitfadeninterviews im Rahmen einer „Thematic Analysis“ (Braun & Clarke) nach internationalem Standard.
  • Die Studierenden erwerben Grundlagen der computergestützten Textanalyse mit MAXQDA.
  • Es sind keine spezifischen Vorkenntnisse erforderlich.

Der Klimawandel, seine Folgen und Maßnahmen, ihm entgegenzutreten, haben trotz etablierter wissenschaftlicher Evidenz im Zeitverlauf verschiedene gesellschaftliche Relevanz erfahren. Als journalistisches Thema genießt der Klimawandel seit den 1980er Jahren Aufmerksamkeit. An Relevanz gewonnen hat das Thema vor allem im Kontext von Klimastreiks – es landete prominent auf politischen, medialen und öffentlichen Agenden. Während der COVID-19 Pandemie trat es dann allerdings in den Hintergrund. Aktuell führen mehrere Ereignisse zu einem zunehmenden öffentlichen Klimaskeptizismus – oft vorangetrieben von rechten/konservativen politischen Parteien (auch Trump in den USA). In diesem Kontext werden dann häufig Desinformationen gestreut. Die Lehrveranstaltungen wird diese Gedanken aufgreifen und möchte sich näher im Kontext der Klimawandelkommunikation bewegen – sich dabei mit dem Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlicher Evidenz, Skeptizismus und Desinformation beschäftigen. Dazu wird die entsprechende bisherige Literatur aufgearbeitet, ein theoretischer Rahmen gewählt und Forschungsfragen formuliert. Diese werden dann in ein Forschungsdesign und -instrument überführt, Daten erhoben und schließlich ausgewertet.

Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend als Unterstützung für redaktionelle Tätigkeiten im Lokaljournalismus entwickelt und eingesetzt. Vor diesem Hintergrund ist eine Analyse der Wahrnehmung von Journalistinnen und Journalisten sowie ihrer KI-Kompetenz von entscheidender Bedeutung, nicht zuletzt aufgrund des Potenzials von KI journalistische Produktions- und Distributionsprozesse innerhalb von Redaktionen nachhaltig zu verändern (Beckett & Yaseen, 2023).

In diesem Seminar werden die Wahrnehmungen der Vor- und Nachteile von KI durch Lokaljournalistinnen und -journalisten sowie ihre Kompetenz im Umgang mit KI untersucht. Dazu sollen insbesondere Interviews in Deutschland durchgeführt werden. Einen Bezugspunkt bildet das Technology Acceptance Model (TAM) (Marangunić & Granić, 2015), um dieses bislang wenig erschlossene Forschungsfeld im Kontext des Lokaljournalismus zu analysieren.


Wie die Darstellung der eigenen soziale Gruppe in den (digitalen) Medien wahrgenommen wird, kann verschiedene Folgen haben für die betreffenden Personen und die demokratische Gesellschaft. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht wirft das einige Fragen auf, die bislang wenig Beachtung fanden: Warum nutzen Menschen mediale Inhalte (z.B. Podcasts), die ihre eigene Gruppe repräsentieren und welche Folgen hat das? Welche medialen Ereignisse sind besonders prägend für ihre wahrgenommene Repräsentation? Wie gehen Menschen damit um, wenn ihre Gruppe als zu wenig, unzutreffend oder genau richtig repräsentiert empfunden wird? Und was bringt Menschen dazu, selbst prosozialen digitalen Aktivismus zu Gunsten ihrer Gruppe zu betreiben, um deren Repräsentation in den Medien und der Gesellschaft zu erhöhen?

Im Seminar werden wir uns mit einigen dieser Fragen beschäftigen. Dabei fokussieren wir verschiedene Formen von Neurodiversität und Persönlichkeit. Dazu werden wir zunächst den relevanten Forschungsstand aufarbeiten und zentrale Fragestellungen ableiten. Darauf aufbauend werden wir ein empirisches Projekt entwickeln, durchführen und auswerten.