Zum Kernbereich sozialethnologischer Studien gehört seit jeher die Beschäftigung mit Verwandtschaft. Dies gilt insbesondere für die Untersuchung indigener Gesellschaften. Hier erwies sich die Analyse von Verwandtschaftssystemen als klassischer Zugangsweg zu einer Vielzahl sozialethnologischer Themenfelder. Verwandtschaftliche Beziehungen regeln nicht selten so disparate Bereiche wie Land- und Erbrecht, Dorfanlage und Haushalt, Krieg und Kult, Freundschaft und Feindschaft und vieles andere mehr. Zwar war das Interesse an verwandtschaftsethnologischen Fragestellungen während der 70er und 80er Jahre kurzfristig in den Hintergrund gerückt, im Rahmen der Hinwendung zu Fragen von personhood und gender oder den neuen Reproduktionstechnologien erlebte es jedoch in den letzten beiden Dekaden eine Renaissance.

Im Kurs werden wir einen Blick auf die wichtigsten Vertreter der „klassischen“ Sozialethnologie werfen, bevor wir uns den aktuellen Debatten über Verwandtschaft zuwenden. Neben den verschiedenen Formen der Familie, unterschiedlichen Verwandtschaftsterminologien und den verschiedenen Weisen, Abstammungs- oder Allianzgruppen zu konzipieren und politisch nutzbar zu machen, werden dabei auch Themen wie Gender, Altersgruppen, Reproduktionstechnologien behandelt werden.