Wer prägnant redet, überzeugt – das ist auch auf arabisch so. Abhängig vom Kontext spielt hier das Hocharabische, die Sprache des kulturellen Erbes der Islamischen Welt (The Islamicate World) eine sehr wichtige Rolle. In diesem Proseminar beginnen wir mit den Predigten von Ephrem dem Syrer und den im Koran gesammelten Predigten von Muḥammad, machen dann weiter mit den Schock-Freitagspredigten von al-Ḥaǧǧāǧ b. Yūsuf an die muslimischen Soldaten und den Weingedichten von al-Aḫṭal gegen politische Gegner. Wir schauen uns erbaulichen Predigtsammlungen an und die Ǧihād-Propaganda von Nūr ad-dīn gegen die Kreuzfahrer. Und landen bei den panarabistischen Radiosendungen von Nassers „Stimme Kairos“ (Ṣawt al-Qāhira) und bei den mit religiösen Formeln gespickten Aufrufen des Säkularisten Ṣaddām Ḥusayn an das amerikanische Volk, bei den allwöchentlichen Lehrsendungen von Yūsuf al-Qaraḍāwī, wie die (religiöse) Tradition und Alltagsleben (aš-Šarīʿa wa-l-ḥayāt) zusammengehen kann, schließlich bei den Predigten in Ägypten heute: bei den Predigten der staatlich angestellten Imame und bei den farbigen Blüten des Pop-Islam auf dem Internet. Und bei der aktuellen Diskussion, ob das Hocharabische als verbindende Sprache und geteiltes kulturelles Erbe verschwinden wird.
- Trainer/in: Andreas Kaplony
- Trainer/in: Julia Singer