"Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise", heißt es in Lew Tolstois Anna Karenina. Das Seminar widmet sich nun gerade nicht der Einzigartigkeit unglücklicher Familien, sondern sucht der Besonderheit des Komischen Rechnung zu tragen. In den Blick geraten dabei nicht nur Komödien (wie bspw. Luise Adelgunde Gottscheds 'Das Testament', Johann Nestroys 'Häuptling Biberhahn' oder Brandon Thomas' 'Charleys Tante'), sondern auch Erzähltexte (wie Kellers: 'Pankraz, der Schmoller' oder Friedrich Torbergs 'Tante Jolesch'). Das Seminar will die Vielfältigkeit von Möglichkeiten komischer Ausgestaltung reflektieren, wobei auch theoretisch der Flüchtigkeit und Variabilität des Komischen Rechnung getrgen werden soll. Fragen nach der theoretische bzw strukturellen Fassung von komischen Situationen (Freud, Bergson, Kofman, Vogl) werden dabei aber auch eine Rolle spielen, angestrebt wird jedoch eine komische Kasuistik, die der Sonderheit des jeweiligen 'Falls' Rechnung trägt. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass das Komische Literatur, theatrale Darbietungen, Filme als zentrale Verhandlungsorte kulturellen Wissens und kulturer Grenzen des Sagbaren wie Erzählbaren ausweist, indem es kulturelle Unterscheidungen als historisch und instabil markiert. Komische Tanten bspw. sind dann nicht einfach zum Verlachen da, sondern verweisen so gesehen auch auf die Grenzen eines kulturell und historisch zu differenzierenden Familienbegriffs mitsamt seinen Verwerfungen.
Einschreibeschlüssel: FunnyFamiliesBild: Die Chaplins in der Villa Manoir de Ban, 1964 (ARCHIVES YVES DEBRAINE)

- Викладач: Keck Annette