„Stil“ ist eine der schillerndsten und umstrittensten Beschreibungs- und Wertungskategorien, mit denen Literatur- und Kulturwissenschaftler:innen operieren. Schreiben, Denken, Leben – all dies kann in unserem alltäglichen Sprachgebrauch einen Stil (oder auch keinen) haben. Wir werden uns in diesem Wald von Zuschreibungen orientieren, indem wir uns zunächst darüber verständigen, woran literarischer „Stil“ eigentlich festgemacht wird, und uns dann praktisch im Erkennen, Imitieren und Bewerten von Stilen üben.
Anhand von Raymond Queneaus berühmten „Exercises de style“ (1947) und anhand eigener Stilübungen werden Sie erstens lernen, Stilphänomene mit rhetorischer und linguistischer Terminologie zu beschreiben. Zweitens werden Sie sich mit diesen Stilübungen darin schulen, Autoren-, Epochen- und Gattungsstile zu erkennen und einzuordnen. Drittens werden Sie Gelegenheit haben, Ihren eigenen Schreibstil zu verbessern. Ziel des Seminars ist es also, dass Sie Stilzuschreibungen wie ‚barocker Schwulst‘, ‚alttestamentarische Wucht‘, ‚orientalische Blumigkeit‘, ‚klassische Schönheit‘ und ‚Bernhard’scher Sound‘ kritisch reflektieren können und Souveränität im Umgang mit Sprache gewinnen.
- Trainer/in: Kathrin Wittler