Panorama, Photographie und Kino; Grammophon, Rundfunk und Telefon; Schreibmaschine und Computer: Medienapparate und ihr Neuigkeitswert sind immer wieder schriftlich inszeniert worden, und „gerade in der Gründerzeit technischer Medien wirkte ihr Schrecken so übermächtig, daß Literatur ihn exakter verzeichnete als im scheinbaren Medienpluralismus von heute“ (Friedrich Kittler).
Im Seminar wollen wir literarische und essayistische Texte besprechen, in denen es um die Materialität von Medienapparaten geht sowie um die jeweilig neuen Formen der Weltwahrnehmung, die durch sie erzeugt werden. Hinzu kommen die Perspektiven, die sich aufgrund der Innovationen auch für die Literatur eröffnen. Hierzu zählen z. B. das aus dem Grammophon ertönende „Zauberlied“ in Thomas Manns Roman Der Zauberberg (1924); das „Erste Wort über den Ozean“, dessen Vorgeschichte Stefan Zweig in Sternstunden der Menschheit (1943) nachvollzieht; „der Ersatz für die Träume“, als den Hugo von Hofmannsthal das Kino bezeichnete (Neue Freie Presse, 1921); und die in Irmgard Keuns Roman Das kunstseidene Mädchen (1932) artikulierte Vorstellung, zu „schreiben wie im Film“. Das vierstündige Format erlaubt es uns, zudem konzeptuelle und theoretische Zugänge zu den jeweiligen Medien(-apparaten) zu erarbeiten.

- المعلم: Margit Dirscherl
- المعلم: Anna Groß