Obwohl sich der Begriff „Medien“ in Deutschland erst seit den 1950er Jahren verbreitete und sich dabei am englischen Wort media orientierte, reicht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Zeichen, Schrift und anderen Kommunikationsmitteln bis ins 17. Jahrhundert zurück. Seither haben sich verschiedene kunst-, kommunikations- und geschichtswissenschaftliche Perspektiven auf Medien und Öffentlichkeit entwickelt.
Auf dieser Basis wählt der Aufbaukurs eine dezidiert problem- und wissensgeschichtliche Perspektive auf Medien sowie die deutsche und europäische Geschichte des „langen“ 20. Jahrhunderts. Wir fragen, welche Medien zu unterschiedlichen Zeitpunkten als „neu“ galten und unter welchen Bedingungen sie gesellschaftlichen Einfluss gewannen. Dabei untersuchen wir, inwieweit die jeweils neuen Medien auf älteren Darstellungsformen und Konzepten von Öffentlichkeit aufbauten und diese zugleich veränderten. Besonders nach 1945 griffen Intellektuelle die Idee von Medien als Kontrollinstanz und „vierte Gewalt“ auf, die sich bereits im 19. Jahrhundert entwickelt hatte.
Zu Beginn des Semesters werden wir zunächst gemeinsam Texte lesen und grundlegende Aspekte und Probleme des Gegenstands sowie der Forschungsliteratur erarbeiten. Dabei lernen wir auch verschiedene Ansätze der Medien-, Kommunikations- und Zeitgeschichte sowie Medientypen der jeweiligen Zeit (z. B. Film, Radio, Fernsehen, Internet) kennen. Anschließend entwickeln wir gemeinsam mögliche Themen für Hausarbeiten (z. B. zu Skandalen, Social Media, Reportagen oder Filmen) und diskutieren dafür prinzipiell in Frage kommende und verfügbare Quellen sowie forschungspraktische Herangehensweisen. So erarbeiten wir bereits ab dem zweiten Drittel des Seminars 3- bis 6-seitige Exposés für die Hausarbeiten.
- Profesor: Manuel Mork
- Profesor: Alice Rosim Sundfeld Di Tella Ferreira