Was geschieht, wenn Sprache selbst zur Hauptfigur eines Films wird? Wie sprechen Menschen miteinander, wie missverstehen sie sich, warum wiederholen sie dieselben Worte, wechseln zwischen Sprachen oder verstummen ganz? Und was verraten solche Gespräche über die Gesellschaften, in denen sie stattfinden?
Dieses Seminar lädt dazu ein, diesen Fragen anhand der Filme von Kira Muratova (1934–2018) nachzugehen, einer der eigenwilligsten und faszinierendsten Regisseurinnen des sowjetischen, ukrainischen und postsowjetischen Kinos. Anhand von Werken aus drei zentralen Schaffensphasen (der späten Sowjetzeit, den Jahren des Umbruchs und der postsowjetischen Epoche) erkunden wir, wie Sprache Figuren, Beziehungen und ganze soziale Welten auf der Leinwand formt.
Im Mittelpunkt stehen Mehrsprachigkeit, sprachliche Variation, Gesprächspraktiken und die sprachliche Konstruktion sozialer Identitäten. Muratovas Filme eröffnen einen einzigartigen Zugang zu den kulturellen, historischen und soziolinguistischen Realitäten ihrer Zeit und stellen zugleich grundlegende Fragen nach Kommunikation und menschlichem Miteinander. Um die Besonderheit ihres Werks besser zu verstehen, werden wir ihre Filme außerdem in den breiteren Kontext des sowjetischen und postsowjetischen Kinos einordnen.
Die Filme werden in der Originalsprache gezeigt, soweit möglich mit Untertiteln. Die Lehr- und Arbeitssprachen des Seminars sind Deutsch und Russisch (ab Niveau B1+/B2).
- Docente: Ilja Kukuj
- Docente: Elmira Zhamaletdinova