Die Einschreibung erfogt getrennt nach Gruppen der Begleitübung:

  • Einschreibeschlüssel für die Gruppe1 Freitag von 08.00 - 10.00: Sommer19Gruppe1
  • Einschreibeschlüssel für die Gruppe2 Donnerstag von 16.00 - 18.00: Sommer19Gruppe2
  • Einschreibeschlüssel nur für die Vorlesung, ohne Besuch der Übung: Sommer19VL

Vorlesung Borgard/Roche WiSe18/19

Zum 40. Gründungsjubiläum des Instituts für Deutsch als Fremdsprache: Die Einheit der Sprach- und Literaturforschung – Kognitive und kulturanalytische Perspektiven

Eine Metapher ist [...] nie ein einfaches Wort, immer ein – wenn auch kleines – Stück Text.

Harald Weinrich

Die Vorlesung richtet sich an Linguisten und Literaturwissenschaftler gleichermaßen. Erkundet wird das kulturanalytische Potenzial ihrer Zusammenarbeit. Mit diesem interdisziplinären Interesse schließt die Vorlesung an ältere (Herder, W. v. Humboldt, Steinthal, Wundt), neuere und neueste sprachwissenschaftliche Forschungen an (Kognitive Linguistik, Textlinguistik, Metaphernforschung, Historische Semantik). Um für Kulturanalysen tauglich zu werden, ist der linguistische Zeichenbegriff Saussures (1916) durch den Symbolbegriff zu erweitern. Von Bedeutung wird dann eine kulturphilosophische Einsicht. Demnach erschafft sich der Mensch mittels (sprachlicher) Symbole seine eigene (Um)Welt. Ausgehend von der menschlichen Selbstproduktion enthüllt sich in einem weiteren Schritt der gemeinsame Nenner (1) der Symbolisierung, (2) des Bedürfnisses nach künstlerischem Ausdruck sowie (3) der sozialen Ordnungsvorstellungen (Normen). Dabei unterscheiden sich die jeweiligen Inhalte kulturell stark voneinander – Ausgangspunkt des intra- wie interkulturell wirksamen Machtverhaltens, aber auch innerer Konflikte. Verantwortlich für Differenz sind nicht die faktischen Dinge, sondern die ideellen, bildhaften Konstrukte, an denen Menschen ihr Handeln und ihr Verhältnis zur Welt ausrichten. Dabei ist Abstraktion von der sinnlichen Wahrnehmung und mithin der von Interpretation abhängige symbolische Bezug zum Gegenstand Ursache der typischen Vieldeutigkeit des (Sprach)Symbols. Zugleich ist diese eines der wichtigsten Bauprinzipien der „Schönen Literatur“. Allgemeine kognitive Erwägungen gehen hier über in Fragen zu einer textbezogenen kulturellen Praxis. Gefragt wird nach der Bedeutung von Imagination und Fiktion, nach der Genese und Rezeption von Sprachkunstwerken und nach ihrem Erkenntniswert. Damit verbinden sich schließlich Überlegungen zum räumlichen Sprach- und Kulturkontakt sowie zur Historizität sprachlicher und textlicher Äußerungen.

Literatur:

Dietrich Busse: „Text – Sprache – Wissen. Perspektiven einer linguistischen Epistemologie als Beitrag zur Historischen Semantik“. In: Scientia Poetica 10 (2006), S.101-137.

Günter Dux: Die Logik der Weltbilder. Sinnstrukturen im Wandel der Geschichte [1982]. 4. Aufl. Wiesbaden 2017.

Susanne Günthner, Angelika Linke: „Einleitung: Linguistik und Kulturanalyse. Ansichten eines symbiotischen Verhältnisses“. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik 34/1,2 (2006), S.1-27.

Ludwig Jäger, Werner Holly, Peter Krapp, Samuel Weber, Simone Heekeren (Hrsg.): Sprache – Kultur – Kommunikation / Language – Culture – Communication. Ein internationales Handbuch zu Linguistik als Kulturwissenschaft / An International Handbook of Linguistics as Cultural Study. Berlin/New York 2016.

Ludwig Jäger: „‚ein nothwendiges Uebel der Cultur.‘ Anmerkungen zur Kulturwissenschaftlichkeit der Linguistik“. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik 34 (2006), S.28-49.

Moike Jessen, Johan Blomberg, Jörg Roche (Hrsg.): Kognitive Linguistik. Tübingen 2018.

Wolfgang Klein: „Die Werke der Sprache. Für ein neues Verhältnis zwischen Literaturwissenschaft und Linguistik“. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 150 (2008), S.8-32.

Klaus Lösch: „Begriff und Phänomen der Transdifferenz: Zur Infragestellung binärer Differenzkonstrukte“. In: Lars Allolio-Näcke, Britta Kalscheuer, Arne Manzeschke (Hrsg.): Differenzen anders denken. Frankfurt/M., S.26-49.

Hans Lösener: „Saussure und die Geschichtlichkeit der Sprache“. In: Kodikas/Code 23 (2000), S.97-108.

Wolfgang Proß: „‚Longue durée‘ und Mehrsprachigkeit als Problem der Literaturgeschichtsschreibung. Elemente einer literarischen Historik“. In: Michael Stolz, Robert Schöller (Hrsg.): Germanistik in der Schweiz. Zeitschrift der Schweizerischen Akademischen Gesellschaft für Germanistik 7 (2010), S.103-133.

Claudia M. Riehl: Mehrsprachigkeit. Eine Einführung. Darmstadt 2014.

Ernst Topitsch: „Phylogenetische und emotionale Grundlagen menschlicher Weltauffassung“. In: Wilhelm E. Mühlmann, Ernst W. Müller (Hrsg.): Kulturanthropologie. Köln/Berlin 1966, S.50-76.

Harald Weinrich: „Semantik der Metapher“. In: Folia Linguistica 1 (1967), S.3-17.

Rüdiger Zymner: „Körper, Geist und Literatur. Perspektiven der ‚Kognitiven Literaturwissenschaft‘ – eine kritische Bestandsaufnahme“. In: Martin Huber/Simone Winko (Hrsg.): Literatur und Kognition. Bestandsaufnahmen und Perspektiven eines Arbeitsfeldes. Paderborn 2009, S.135-154.

In dem Kolloquium werden einflussreiche Texte der Geistesgeschichte der islamischen Welt von den Anfängen bis zur Gegenwart vorgestellt. Der Fokus liegt auf Texten kultur- und religionsphilosophischen sowie wissenschaftsphilosophischen Inhalts. Zudem werden Fragen der Periodisierung und des Kulturaustauschs zwischen der arabischen Halbinsel, Persien/Iran und Indien erörtert. Außerdem soll die Bedeutung arabischer Gelehrter für den christlich-europäischen Kulturraum diskutiert werden. Eine große Rolle spielte hier die im 12. Jahrhundert im spanischen Toledo beginnende Phase der Übersetzungen antiker philosophischer Schriften (v.a. Platon, Aristoteles) aus dem Griechischen ins Arabische. Koranübersetzungen wirkten sich ebenso auf das europäische Denken aus wie Kenntnisse der orientalischen Astronomie und Mathematik, ohne die etwa die Entwicklung des gotischen Kathedralenbaus (Statik) nicht möglich gewesen wäre. Zur genaueren historischen Orientierung sowie in komparatistischer Absicht werden schließlich immer wieder philosophische Textausschnitte aus dem europäischen Mittelalter, der Renaissance sowie von Aufklärung und Moderne herangezogen.

LEISTUNGSNACHWEIS

B.A.-NEBENFACH SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp „Begleitkurs zu
Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p“ (WP 2.0.14/16/18/20). ODER
Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp „Begleitkurs zu
Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p“ (WP
4.0.14/16/18/20).

Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.)
schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein
Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000
Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der
Prüfungsart liegt beim Dozenten.

 Inhalt
         LITERATUR

Vietta, Silvio (2007): Europäische Kulturgeschichte eine Einführung
(Erw. Studienausg.). Paderborn: Fink.
Hansen, Klaus P. (2003): Kultur und Kulturwissenschaft eine
Einführung (3., durchges. Aufl. Bd. 1846 : Kulturwissenschaft).
Tübingen u.a.: Francke.

         LEISTUNGSNACHWEIS

B.A.-NEBENFACH SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp „Begleitkurs zu
Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p“ (WP 2.0.14/16/18/20). ODER
Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp „Begleitkurs zu
Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p“ (WP
4.0.14/16/18/20).

Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.)
schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein
Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000
Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der
Prüfungsart liegt beim Dozenten.