Im Mittelpunkt des Basiskurses stehen Albrecht IV. von Bayern und seine Brüder Sigmund und Christoph. Während Albrecht IV. sich schließlich als alleine herrschender Herzog durchsetzte, gilt Sigmund heute als sanfter Mäzen und Christoph als streitbarer Ritter. Anhand der drei Brüder untersucht das Seminar unterschiedliche Formen von Herrschaft, Repräsentation und Handlungsspielräumen im spätmittelalterlichen Bayern und hinterfragt bisherige Deutungen.
Die Geschichte der Brüder wird dabei nicht vom späteren Ergebnis – der Primogeniturordnung – her gedacht, sondern als offener historischer Prozess analysiert.
Hierfür wird ein breites Spektrum an Quellen genutzt, darunter Chroniken, Urkunden, Abbildungen, materiale Zeugnisse und genealogische Darstellungen. Über die drei Brüder eröffnet sich so ein Einblick in die Lebenswelten am bayerischen Herzoghof sowie in dessen weitgespannte politische, kulturelle und europäische Netzwerke.
Der Basiskurs vermittelt quellennah grundlegende Kompetenzen der mediävistischen Grundwissenschaften und der bayerischen wie vergleichenden Landesgeschichte.
Prüfungsformen im BA und LA (PO 2020/21 ): RE + HA
Prüfungsform im Didaktikfach - Mittelschule und Sonderpädagogik: RE + HA
- Trainer/in: Matthias Kuhn
- Trainer/in: Tassilo Soos
Die Übung beschäftigt sich mit zwei spätmittelalterlichen Stammrollen, die genealogische Herkunft und dynastische Erinnerung visualisieren. Während die eine Rolle die Herkunft des Hauses Bayern von mythischer Vorzeit bis ins 15. Jahrhundert darstellt, stammt die andere aus dem englischen Kloster Tewkesbury und zeigt die Stifter des Klosters im gleichen Zeitraum. Reich verziert und mit Wappen versehen werden hier hunderte Jahre und dutzende Generationen auf einen Blick greifbar.
Im Zentrum steht der vergleichende Umgang mit diesen Quellen als materielle, schriftliche und bildliche Zeugnisse. Gemeinsam erarbeiten wir grundlegende Techniken der historischen Grundwissenschaften, insbesondere Paläographie, Heraldik und Genealogie.
Durch den Vergleich der beiden Stammrollen werden unterschiedliche Formen der Darstellung von Herkunft, Legitimation und Erinnerung sichtbar. Zugleich eröffnet die Übung Einblicke in die vergleichende Landesgeschichte und in den Umgang mit visuellen und genealogischen Quellen des Mittelalters.
Prüfungsformen im BA und LA: RE
- Trainer/in: Matthias Kuhn
- Trainer/in: Tassilo Soos
Die Übung führt ein in den Umgang mit ungedruckten Archivalien. Ausgehend von der Lektüre und der Erschließung des Textverständnisses werden Textsorten, Überlieferung und heutige Formen von Aufbewahrung und Präsentation behandelt. Aufgabe der Studierenden ist die Einordnung ausgewählter Quellenstücke in den jeweiligen historischen Kontext und die aktuelle Forschungssituation.
Prüfungsformen im BA und mod. LA, MA und GSP: RE
Friedrich Beck/Eckart Henning (Hg.), Die archivalischen Quellen, 5. Aufl. 2012; Hans Wilhelm Eckardt u.a., Paläographie – Aktenkunde – Archivalische Textsorten, 2005; Michael Hochedlinger, Aktenkunde. Urkunden- und Aktenlehre der Neuzeit, Köln u.a. 2009. Archivalienkunde der Staatlichen Archive Bayerns: https://www.gda.bayern.de/service/archivalienkunde/ |
- Trainer/in: Johannes Merz
- Trainer/in: Tassilo Soos
Im Leben beinahe jedes Menschen stellt heute eine Stadt einen wesentlichen Bezugspunkt dar, sei es als Geburtsort, als Wohnort und Lebensumfeld, als Sitz des Arbeitsplatzes, der Schule oder der Ausbildungsstätte oder als Ort der Versorgung und des Konsums.
Dies ist beileibe nicht erst eine moderne Entwicklung. Bereits im vormodernen Herzog-/Kurfürstentum Bayern hatte sich seit dem 13. Jahrhundert eine spezifische, facettenreiche Städtelandschaft ausgeprägt, die im 15. Jahrhundert schon verfestigt war und herrschaftlich-politische, ökonomische und kulturelle Zentren markierte. Zentralörtliche Funktionen lassen Zuschreibungen wie Haupt- und Residenzstadt, Festungsstadt, Universitätsstadt, Handelsstadt, Geistliche Stadt oder Ackerbürgerstadt sinnfällig werden. Letzterer Typus ist fast nur durch die Bezeichnung „Stadt“ von den zahlreichen Markt-Orten zu unterscheiden. So ist auch die Verwendung des Begriffs „ländlicher Raum“ aus mehreren Gründen für die frühe Neuzeit zu überdenken.
Jede/r Teilnehmer/in wird über Referat und Hausarbeit anhand einer bestimmten Stadt diese und andere Aspekte einer Geschichte von altbayerischen Städten und Märkten, die sich nicht in einer Vielzahl an Chroniken erschöpfen sollte, kritisch und selbstständig untersuchen.
Prüfungsformen im BA und LA (PO 2020/21 ): RE + HA
Prüfungsform im Didaktikfach - Mittelschule und Sonderpädagogik: RE + HA
- Trainer/in: Martin Keßler
- Trainer/in: Tassilo Soos
Das Ende des Zweiten Weltkriegs markiert eine der deutlichsten Zäsuren der modernen Geschichte Bayerns. Von März bis Mai 1945 vollständig von US-Truppen besetzt, blickte das Land nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches einer ungewissen Zukunft entgegen. Der Basiskurs widmet sich den politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen in Bayern in der unmittelbaren und zeitlich weitergefassten Nachkriegszeit. Dabei stehen unter anderem Themen wie der Wiederaufbau, Entnazifizierung, die Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen sowie der Wandel von einem stark agrarisch geprägten Land zu einem Industrieland im Fokus. Darüber hinaus finden Akteuren und Strukturen internationaler Austauschprozesse wie etwa die Rolle der amerikanischen Besatzungsmacht und deren Einfluss auf die demokratische Neugestaltung Bayerns sowie der beginnende Ost-West-Konflikt besondere Beachtung.
Prüfungsformen im BA und LA (PO 2020/21 ): RE + HA
Prüfungsform im Didaktikfach - Mittelschule und Sonderpädagogik: RE + HA
- Trainer/in: Tassilo Soos
- Trainer/in: Larissa Wagner
Die Frühe Neuzeit ist eine Zeit des Bildes und des Visuellen. Allegorien und Codes, Wappen und Architekturformen - sie sind nicht nur gestalterisches Mittel des Schönen, sondern haben eine Botschaft. Vom Staat über das Land bis hin zur Religion finden wir unzählige programmatische Darstellungen in Kunst und Architektur, zu denen wir den adäquaten Zugang teilweise verloren haben. Ziel der Übung ist, an ausgewählten Beispielen solche Zeugnisse vergangener Vorstellungswelten zu entschlüsseln, um uns so der Ideenwelt vom Spätmittelalter bis zur Neuzeit zu nähern. Der regionale Schwerpunkt wird dabei auf dem historischen Bayern liegen, aber auch seine Nachbarterritorien und die europäische Staatenwelt nicht außer Acht lassen.
Prüfungsform im BA und LA: RE
- Trainer/in: Tassilo Soos
„Ein Museum ist eine nicht gewinnorientierte, dauerhafte Institution im Dienst der Gesellschaft, die materielles und immaterielles Erbe erforscht, sammelt, bewahrt, interpretiert und ausstellt“, so definierte der Internationale Museumsverband ICOM die Funktionen eines Museums ganz allgemein.
Zunächst sollen die unterschiedlichen Ansprüche des gegenwärtigen Museumswesens als Lern- und Erfahrungsräume definiert werden. Provenienzforschung oder die Auseinandersetzung mit kolonialen Artefakten stellten in den letzten Jahrzehnten neue Herausforderungen an museale Arbeit. Dies wird einerseits in der Übung beleuchtet und andererseits auch neue Wege der Vermittlungsarbeit in Museen diskutiert werden. Auch die Einsatzmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz im musealen Kontext wird thematisiert werden.
Welche Möglichkeiten der Vermittlung historischer und kultureller Aspekte gibt es? Welche Ansätze haben sich in der musealen Vermittlungsarbeit in den letzten Jahr-zehnten herausgebildet? Die Übung soll eine Übersicht unterschiedlicher Vermittlungskonzepte geben und wird dies im Rahmen von Exkursionen auch praktisch untermauern.
Prüfungsformen im Master und GSP: RE
- Trainer/in: Barbara Kink
- Trainer/in: Tassilo Soos
Die Weimarer Republik markiert den Beginn der ersten demokratischen Ordnung in Bayern und Deutschland. Entstanden aus den Umbrüchen von Krieg und Revolution 1918/19, umfasste sie einen Zeitraum von gerade einmal 14 Jahren, die jedoch von tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt waren. In Bayern reichten diese von revolutionären Experimenten und der Etablierung demokratischer Strukturen über die Rolle des Freistaats als sog. „Ordnungszelle“ bis hin zum Hitlerputsch von 1923 und dem frühen Aufstieg der NSDAP.
Der Kurs nimmt die Geschichte Bayerns zwischen 1918 und 1933 nicht nur als reine Abfolge von Krisen in den Blick: Thematisiert werden auch demokratische Innovationen und Konflikte, föderale Auseinandersetzungen zwischen Reich und Land, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen sowie kulturelle Debatten der Moderne. Zugleich wird gezeigt, wie zentrale Weichenstellungen dieser Zeit – etwa im Arbeitsrecht, in der Sozialpolitik, im Bildungswesen und im Verhältnis von Staat und Kirche – bis in die Gegenwart nachwirken.
Prüfungsformen im BA und LA (PO 2020/21 ): RE + HA
Prüfungsform im Didaktikfach - Mittelschule und Sonderpädagogik: RE + HA
- Trainer/in: Laura Fuchs
- Trainer/in: Tassilo Soos
Das Deutsche Theatermuseum bewahrt den umfangreichen Nachlass Otto Falckenbergs, einer zentralen Figur des Münchner Theaterlebens im 20. Jahrhundert. Seine Künstlerbiographie, die sich über politische Systeme und historische Umbrüche hinweg erstreckt, bietet vielfältige Anknüpfungspunkte für theater-, kultur- und zeitgeschichtliche Fragestellungen. In dieser Übung arbeiten die Studierenden vor Ort im Deutschen Theatermuseum mit ausgewähltem Archivgut aus dem Nachlass Falckenbergs.
Otto Falckenberg (1873–1947) war ein Theaterregisseur, -leiter und Schriftsteller. Von 1917 bis 1944 leitete er die Münchner Kammerspiele und prägte mit avantgardistischen Shakespeare- und Strindberg-Inszenierungen das Münchner Theaterleben nachhaltig. Er förderte Talente wie Therese Giehse und O. E. Hasse. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Falckenberg 1933 kurzzeitig inhaftiert, konnte aber, obwohl er nicht der NSDAP angehörte, sein Amt behalten; das Regime ehrte ihn (u.a. mit dem Titel „Staatsschauspieldirektor“ 1939) und nahm ihn 1944 in die sogenannte „Gottbegnadetenliste“ auf. Nach Kriegsende erhielt er 1945 ein Berufsverbot; seit 1948 ist die an die Kammerspiele angeschlossene Schauspielschule nach ihm benannt.
Ziel ist, anhand originaler Nachlassunterlagen aus dem Deutschen Theatermuseum die ambivalente Biographie kritisch zu kontextualisieren und Ergebnisse sowohl wissenschaftlich als auch einer Öffentlichkeit vermittelnd aufzubereiten.
Prüfungsform im Master: RE
- Trainer/in: Kathleen Siemermann
- Trainer/in: Tassilo Soos
Der Kurs führt in die Sozialgeschichte der Frühen Neuzeit ein und
beleuchtet Armut und Krankheit als zentrale Lebenserfahrungen
der Bevölkerung. Anhand bayerischer Beispiele geht es um das Leben der
Unterschichten, den Umgang mit Hunger, Seuchen und Krieg, medizinische
Versorgung, religiöse Deutungen von Not sowie soziale Kontrolle und
Ausgrenzung. Quellen wie Matrikelbücher, Mandate oder Ego-Dokumente
ermöglichen einen praxisnahen Einblick in den frühneuzeitlichen Alltag.
Den Studierenden werden grundlegende Arbeitsmethoden vermittelt,
angefangen mit der Themenfindung und Formulierung einer
wissenschaftlichen Fragestellung bis zum Verfassen einer ersten
Forschungsarbeit. Sie erlernen ebenfalls Fertigkeiten zum reflektierten
Umgang mit verschiedenen Quellengattungen.
- Trainer/in: Kathleen Siemermann
- Trainer/in: Tassilo Soos