
- Trainer/in: Zuleykha Mail Zada
„Zu den wenigen Konstanten in der hundertjährigen akademischen Geschichte der Soziologie gehört die Annahme, daß die moderne Gesellschaft durch ein besonderes Ausmaß und durch eine eigentümliche Form sozialer Differenzierung zu kennzeichnen sei.“ Luhmann, Niklas (1995): Die Kunst der Gesellschaft, Frankfurt/M.: Suhrkamp, S. 215.
Wenn die Soziologie sich mit dem Gegenstand "Gesellschaft" beschäftigt, dann stößt sie zunächst nicht auf eine homogene Einheit, sondern auf unterschiedliche Bereiche, die nach unterschiedlichen Regeln zu funktionieren scheinen, auf spezialisierte Kontexte und auf Arbeitsteilung. Hieraus entsteht die Frage nach dem Ganzen, nach der Einheit und nach dem Zentrum, schließlich auch nach der Gemeinsamkeit, die sich in einer als entzweit erscheinenden Gesellschaft nicht mehr wiederfinden lässt. Diese Art zu beobachten ist das Geschäft der Differenzierungstheorien, die das Fach der Soziologie von Anbeginn an begleiten. In diesem Seminar sollen ausgewählte neuere Gesellschaftstheorien (Luhmann, Latour, Boltanski & Thévenot) hinsichtlich des Motivs der Differenzierung anhand konkreter Beispiele systematisch verglichen werden (Politik, Familie, Kunst, Wirtschaft). Lernziel des Seminars ist es, einen souveränen und problemorientierten Umgang mit aktuellen und international diskutierten Gesellschaftstheorien zu fördern.


Das Seminar ist als Lektürekurs konzipiert und erläutert epistemologische und methodologische Grundlagen der qualitativen Sozialforschung. Auf Basis ausgewählter Texte werden Annahmen über die Beschaffenheit sozialer Wirklichkeit und Möglichkeiten ihrer sozialwissenschaftlichen Erforschung sowie zentrale methodologische Prinzipien der qualitativen Forschung wie Reflexivität und Offenheit im Forschungsprozess diskutiert. Studierende stellen Lektüre-Texte in Gruppen-Referaten zur Diskussion und verfassen eine Hausarbeit, in der sie eine ausgewählte empirische Studie kritisch diskutieren.
Systemtheoretisch wird Gesellschaft als das „umfassende Sozialsystem aller kommunikativ füreinander erreichbaren Handlungen“ (Niklas Luhmann) begriffen. Der Begriff der „Weltgesellschaft“ (Niklas Luhmann) zielt deswegen darauf, dass die Entgrenzung von Kommunikation durch transnationale Informationsströme nationale Grenzen der Gesellschaft global entgrenzt. Konzepte und Theorien der Globalisierung stehen heute aber vermehrt in der Kritik. Grenzenloser Globalität wird mit einer Re-Nationalisierung und den Grenzen der Geopolitik begegnet, ‚das Globale‘ wird als anthropozentrisches Konzept markiert und vom Planetaren unterschieden, oder aus postkolonialer Perspektive als westliches Herrschaftsprojekt dekonstruiert. Vor diesem Hintergrund tritt das Seminar nochmals einen Schritt zurück: Wir begreifen die Globalität der Weltgesellschaft zunächst als unwahrscheinlich (Bettina Heintz), also als Problem, das gelöst werden muss und fragen danach, über welche „Medien der Weltgesellschaft“ (Werber) Globalität überhaupt wahrscheinlich wird. Das Seminar richtet sich an Studierende, die Interesse an der Lektüre schwieriger und z.T. fachfremder Primärtexte mitbringen.

Dieses Seminar führt in die klassischen und zeitgenössischen Perspektiven der Kunstsoziologie ein. In einem ersten Teil des Seminars stehen theoretische Ansätze im Mittelpunkt, die nach der gesellschaftlichen Funktion von Kunst fragen und Auskunft darüber geben, was das Spezifische der künstlerischen Praxis in unserer Gesellschaft ausmacht. In einem zweiten Teil untersuchen wir die Frage nach der Organisation von Kunst. Denn, wenn künstlerische Praxis sich dezidiert von anderen Praxen - wie beispielsweise der wissenschaftlichen, wirtschaftlichen oder rechtlichen - unterscheidet, dann werden auch Kunstorganisationen grundsätzliche Unterschiede zu anderen Organisationen aufweisen.
Ziel der Veranstaltung ist es somit, aus einer soziologischen Perspektive zu verste- hen, wie sich künstlerische Praxis plausibilisiert und welche Konsequenzen dies sowohl für die Gesellschaft als auch ihre Organisationen mit sich bringt.

Was eint so disparate Dinge wie Seminare, Tennisspiele, Aufzugfahren, Bargespräche, oder Gerichtsverfahren? Sie lassen sich als Kommunikation unter Anwesenden und damit als Interaktionen verstehen. Die Übung führt systematisch in Regelstrukturen, Formenkreise und Kommunikationspraktiken der Interaktion ein. Sie verfolgt das Ziel, Interaktionen als eine eigenlogische Ordnungsebene sozialer Ordnungsbildung verständlich zu machen. Studierende sollen zudem lernen, Interaktionen im Horizont anderer Ordnungsebenen des Sozialen zu begreifen. Der Schwerpunkt der Übung wird auf einer systemtheoretischen Beschreibung der Interaktion liegen.





Das Seminar beschäftigt sich mit Theorie und Praxis des Abenteuers in der frühsowjetischen Literatur und Literaturtheorie (Formalismus, Bachtin u.a.) der 1920er und 1930er Jahre. In dieser theoretischen und literarischen Produktion bedeutet das Abenteuer nicht so sehr ein rein auf Spannung hin ausgerichtetes Erzählen, sondern ein Erzählen, das seine eigene Gemachtheit, die Systembedingtheit von Erzählstrukturen geradezu ausstellt. Die Abenteuerliteratur offenbart elementare Bausteine des Erzählens überhaupt, was eine Art theoretische und praktische ‚Grundlagenforschung‘ über dessen Bedingungen und Möglichkeiten entstehen lässt.



Die Vorlesung bietet einen Überblick über die russische Literatur des 18. Jahrhunderts, indem sie die Darstellung der Stadt St. Petersburg in der panegyrischen Literatur (Oden, Lobreden u.a.) fokussiert. Diese Tradition der Stadtdarstellung leistete einen wesentlichen Beitrag zur Herausbildung der kulturellen Semantik der neuen Zarenresidenz. In der Vorlesung werden drei Aspekte dieser Literatur besonders hervorgehoben: das mythopoetische Substrat, die kulturelle Dimension und die rhetorisch-textuelle Faktur.
Literatur: Riccardo Nicolosi: Die Petersburg-Panegyrik. Russische Stadtliteratur im 18. Jahrhundert. Peter Lang: Frankfurt/Main 2002.

In Altfranzösisch I lernen Sie

Okzitanisch ist eine romanische Sprache, die im Süden Frankreich und in angrenzenden Gebieten Italiens und Spaniens gesprochen wird.
In diesem Kurs erlernen Sie die Grundlagen der okzitanischen Sprache.


Einschreibeschlüssel: SozStruktur
Niklas Luhmann ist einer der großen soziologischen Denker des letzten Jahrhunderts. Diese Übung führt anhand von Originaltexten in sein Denken ein. Neben dem Kennenlernen der wesentlichen Begrifflichkeiten wird auch im Vordergrund stehen, die empirische Leistungsfähigkeit herauszuarbeiten: Was kann ich eigentlich soziologisch erkennen, wenn ich systemtheoretisch hinschaue?
