
- Trainer/in: Renata Topinkova
„People don’t speak in words, they speak in phrasemes.“ (Melʼcuk 1995: 169) Das angeführte Zitat rückt die Tatsache in den Vordergrund, dass einer Sprache neben einzelnen Wörtern wie Bär, putzen, Tag und ehrlich auch Verbindungen von Wörtern angehören, die als mehr oder weniger feste Einheiten fungieren (z.B. jmdm. einen Bären aufbinden, sich die Zähne putzen, Guten Tag, ehrlich gesagt). Solchen Mehrwortverbindungen, die in der Linguistik als Phraseme oder in einem weiten Sinne als formelhafte Wendungen bezeichnet werden, widmet sich das Seminar. Thematisiert wird dabei das breite Spektrum formelhafter Sprache des Deutschen, insbesondere mit Blick auf ihre begriffliche Fassung und Kategorisierung, ihre methodisch-empirische Erforschung sowie ihre theoretische Modellierung. Dabei werden nicht nur Fragen der Ein- und Ausgrenzung des Gegenstandsbereichs formelhafter Sprache im Spannungsfeld von Lexik, Grammatik und Pragmatik adressiert, sondern es werden auch die Gebrauchs- und Funktionsweisen formelhafter Wendungen in authentischen Text- und Gesprächskontexten in den Mittelpunkt gerückt.

Elvis lebt, die Erde ist eigentlich flach, Covid-19 ist in einem von Bill Gates finanzierten Labor erzeugt worden, Regierungen lassen sogenannte Chemtrails versprühen, um die Bevölkerung zu kontrollieren… Verschwörungstheorien stellen ein gesellschaftlich verbreitetes sowie mitunter politisch brisantes Phänomen unserer Gegenwart dar, deren Untersuchung sich seit geraumer Zeit verschiedene geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer. In der Sprachwissenschaft wurden Verschwörungstheorien erst vor ein paar Jahren als Thema entdeckt und zum Gegenstand der Forschung. Dabei wird in der Regel nach der sprachlichen Konstruktion gefragt, d.h. gemäß der narrativen Struktur von Verschwörungstheorien: Welche sprachlichen Mittel werden verwendet, um einerseits Widerspruch zum gesellschaftlichen Konsens zu äußern und andererseits verschwörungstheoretischem Wissen Anerkennung zu verschaffen. Das Seminar rückt diese Fragen ebenfalls in den Mittelpunkt. Die Studierenden lernen linguistische Ansätze zur Erforschung verschwörungstheoretischer Kommunikate kennen. Die in den Blick genommenen sprachlichen Untersuchungsebenen erstrecken sich von der Lexik über die Syntax bis hin zu Metaphern und Argumentationsmustern in verschiedenen Kommunikationsformen (insb. der sozialen Medien). Das Seminar verfolgt das Ziel, am Beispiel von Verschwörungstheorien einen Einblick zu geben sowohl in systemlinguistische Analysekategorien (u.a. Flexionsmorphologie, Wortbildung, Satzstruktur) als auch in pragmalinguistische Teildisziplinen (u.a. Diskurs-, Polito-, Medienlinguistik).

Wahlpflichtmodul Sprachdatenbanken (Vertiefung)
In dieser Lehrveranstaltung definieren wir ein gemeinsames Projekt und bringen es im Semester zu einem publikationswürdigen Abschluss. Konkret heißt das Definition der Forschungsfrage(n), Projektspezifikation, Datensammlung und/oder -erhebung, Transkription, Messungen, Analyse und Interpretation sowie Dokumentation in Form eines Konferenzbeitrags.

Das Tutorium wird sich aus zwei Einheiten zusammensetzen:
1) Jour fixe: Synchrone ZOOM-Sitzung
Donnerstag, 14.00-16.00 Uhr (c.t.)
Dabei wollen wir uns in einer gemeinsamen ZOOM-Sitzung mit grundlegenden Aspekten zum wissenschaftlichen Arbeiten befassen und uns über diesbezügliche Erfahrungen austauschen:
z.B.
- Wie funktioniert wissenschaftliches Arbeiten?
- Wie kann ich mich bereits während des Semesters auf Hausarbeiten vorbereiten?
- Wie finde ich ein Thema? Wie entwickle ich eine Fragestellung?
- Wie baue ich meine Arbeit auf?
- Wie suche und finde ich passende Literatur?
- Welche Formalia sollte ich beachten?
- Welche praktischen Tipps können mir das Vorgehen erleichtern?
- etc.
Um das Angebot an eure Bedürfnisse anpassen zu können, könnt ihr mir selbstverständlich jetzt im Vorfeld und jederzeit Fragen oder Wünsche per Mail zukommen lassen, auf die im Rahmen des Tutoriums eingegangen werden soll.
Für die ZOOM-Sitzungen werden wir folgende Zugangsdaten verwenden:
Thema: Tutorium zum wissenschaftlichen Arbeiten (Sprachwissenschaft)
Uhrzeit: 21. Oktober.2021 14:00 PM Amsterdam, Berlin, Rom, Stockholm, Wien
Zoom-Meeting beitreten
https://us02web.zoom.us/j/82822186014?pwd=SGp6VWhsdlBUaE9Xbm9Ka2xrdTMzZz09#success
Meeting-ID: 870 9600 5611
Kenncode: L2ng02st1k
Die Teilnahme am Tutorium ist freiwillig und es können keine ECTS-Punkte erworben werden.
Die wichtigsten Inhalte werden auf MOODLE (Zugangsdaten folgen) zur Verfügung stehen.
2) Individuelle Beratung:
Da womöglich manche von euch nicht am fixen Termin teilnehmen können, aber auch um noch genauer und individueller auf eure Arbeiten/Fragen eingehen zu können, stehe ich euch für virtuelle Einzelberatungen zur Verfügung, die wir in gemeinsamer Absprache vereinbaren können. Das gibt uns auch den Raum, um zusammen einen Blick auf eure Arbeiten zu werfen und spezielle Fragen zu klären.
Für Rückfragen stehe ich euch jederzeit zur Verfügung: sebastian.wittkopf@campus.lmu.de
Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und den Austausch mit euch in diesem Wintersemester 2021/2022!

Das Proseminar bietet einen Überblick über die Entwicklung des Lateinischen vom Früh- und Altlateinischen bis in die Spätantike. Die historische Laut- und Formenlehre bildet den Schwerpunkt der Veranstaltung.
Neben dem Lesen von Texten (Inschriften sowie Passagen aus ausgewählten Autoren) erhalten die Studierenden auch eine Einführung in die Prinzipien der historischen und indogermanischen Sprachwissenschaft, der Soziolinguistik sowie der Phonologie und Morphologie.
Die Lehrveranstaltung ist besonders für Studierende mit Lateinkenntnissen und sprachwissenschaftlichen Interessen geeignet. Sprachvergleichend wird zur Illustration der besprochenen Phänomene mitunter das Griechische herangezogen (Griechischkenntnisse sind nicht zwingend nötig).

Mythos muss nicht männlich sein: auch in der patriarchalisch geprägten Welt der griechisch-römischen Antike gibt es den Ruf nach weiblichen* Stimmen und Perspektiven. Kritische, widerständige Lektüren, subversive Interpretationen und feministische Adaptionen zeigen uns Alternativen zu überkommenen Heldenidealen, toxischer Maskulinität und misogynen Klischees. Im Seminar beschäftigen wir uns mit Frauen* im Mythos, lesen Texte aus Antike und Gegenwart, um Fragen nach Freiheit, Handlungsmacht, intellektueller und sexueller Selbstbestimmung zu verhandeln, und diskutieren Texte zur feministischen Theorie, zur genderorientierten Literaturwissenschaft, zur Mythostheorie und zur Rezeptionsästhetik.


Eine ‚afrikanische‘ Literatur gibt es natürlich genauso wenig wie eine ‚europäische‘. Ist es vor diesem Hintergrund überhaupt sinnvoll, von ‚afrikanischer Weltliteratur‘ zu sprechen? Es gibt natürlich vieles, was an diesem Konzept zu beanstanden wäre. Fakt ist aber auch, dass sich eine ganze Reihe zeitgenössischer Romane aus Afrika auf die ‚Welt‘ und angrenzende globale sowie Globalisierungsdiskurse bezieht – ein Phänomen, das Eileen Julien 2006 prägend als „extroverted African novel“ beschrieben hat. Die Themen, stilistischen Besonderheiten und theoretischen sowie historischen Kontexte dieser Art von afrikanischer Literatur genauer zu erkunden macht sich dieses Seminar zur Aufgabe. Dabei sollen keinesfalls nur zeitgenössische Romane unter die Lupe genommen werden, sondern das Konzept afrikanischer Weltliteratur durch entsprechende Texte historisiert werden. Wie Alexander Fyfe und Madhu Krishnan schreiben: „African literature does and has always registered a sense of worldliness, not in the common-sense definition of cosmopolitanism or ist cognates but through its own function as asite of world-building, world-fashioning and world-projection.“ (Fyfe und Krishnan 2022, 2)
Der Begriff "Autotheorie" tauchte erst in den 2010ern am Theoriehorizont auf, erlebt aber seitdem definitiv einen 'Hype'. Aus einer engen Symbiose mit zwei bahnbrechenden Werken der Queer Literature hervorgehend - Paul Preciados Testo Junkie (2013) und Maggie Nelsons The Argonauts (2015) - , führt der Begriff die Felder der Autobiographie und der Gender- und Queerdiskurse zusammen und beschreibt das Anliegen, 'hohe' Theorie durch unseren physischen, materiellen Körper und dessen Bedingtheiten zu denken. So bahnbrechend das Konzept gerade für den geisteswissenschaftlichen Diskurs zu sein scheint, so unübersichtlich, ja teilweise geradezu arbiträr wirkt dessen Anwendung und Ausarbeitung in unterschiedlichen Kontexten.
Dieses Seminar versucht, einen Weg durchs Dickicht der Autotheorie zu schlagen und das Versprechen wie auch die Probleme, die mit diesem Begriff einhergehen, über die Lektüre ausgewählter literarischer Texte zu erkunden. Bisher hauptsächlich und in enger Weise mit zeitgenössischer Literatur verknüpft, werden wir im Seminar anhand von Texten/Textauszügen wie Augustinus Confessiones und Sigmund Freuds Traumdeutung auch eine historisierende Lesart versuchen.