- Trainer/in: Marco Triulzi
Suchergebnisse: 11317
- Trainer/in: Katja Hannß
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Lars Bullmann
- Trainer/in: Johanna Schumm
- Trainer/in: Johanna Schumm
- Trainer/in: Elisabeth Dobringer
- Trainer/in: Martin von Koppenfels
- Trainer/in: Johanna-Charlotte Horst
- Trainer/in: Viktor Fritzenkötter
- Trainer/in: Juliane Prade-Weiss
- Trainer/in: Katja Hannß
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Viktor Fritzenkötter
- Trainer/in: Lea Antony
- Trainer/in: Marlene Hinderegger
- Trainer/in: Dominik Dönike
- Trainer/in: Robert Stockhammer
Die Moderne präsentiert sich als Umbruchszeit, in der im Zuge von politischen, sozialen, technologischen und epistemologischen Umwälzungen auch Fragen des Körpers neu verhandelt werden. Das Seminar widmet sich literarischen Darstellungen von Körpern und Körperlichkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Anhand der Lektüre literarischer Texte von u.a. Rilke, Keun, Kafka und Hennings werden wir untersuchen, inwiefern der – zunehmend entstellte und fragmentierte – Körper zum Schauplatz wird, an dem die Infragestellung des bürgerlichen Subjekts und seiner Repräsentationsformen (Sprachkrise um 1900) exemplarisch verhandelt wird. Im Fokus der Lektüren steht dabei die theatrale Dimension der Darstellung von Körpern. Wie bringen die unterschiedlichen Texte den Körper performativ hervor? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Körper, Schrift und Szene? Welche Wahrnehmungsräume und medialen Rahmungen gehen mit den Auftritten von Körpern einher?
Im Laufe des Semesters beschäftigt uns die Verbindung
von Körper und neuen Medien, der bewegte Körper, die Hervorbringung des Körpers
durch Körpertechniken und Disziplinarmacht (Foucault), die performative
Dimension von Gender sowie das ‚Schauspiel‘ des hysterischen Körpers. Zum Abschluss wenden wir uns den
Manifesten und Sprachexperimenten der historischen Avantgarden zu, deren
literarische Praktiken die Materialität und den Ereignischarakter von Sprache
selbst in Szene setzen.

- Trainer/in: Rahel von Minden
- Trainer/in: Christopher Rudoll
- Trainer/in: Manuel Mühlbacher
- Trainer/in: Lars Bullmann

- Trainer/in: Philipp Stelzer
- Trainer/in: Yan Peng
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Juliane Prade-Weiss
- Trainer/in: Fabienne Imlinger
- Trainer/in: Dominik Dönike
- Trainer/in: Robert Stockhammer
- Trainer/in: Johanna-Charlotte Horst
- Trainer/in: Katja Hannß
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Yan Peng
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Elisabeth Dobringer
- Trainer/in: Martin von Koppenfels
- Trainer/in: Arta Mestani
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Sebastian Wittkopf
- Trainer/in: Elisabeth Dobringer
- Trainer/in: Martin von Koppenfels
- Trainer/in: Katja Hannß
- Trainer/in: Benjamin Weber
Die madagassische Sprache wird hauptsächlich im Indischen Ozean als Amtssprache von 27 Millionen Menschen auf Madagaskar und als Wahlsprache von Minderheiten auf den Inseln Komoren, Reunion, Seychellen u.a. gesprochen. Geopolitisch zählt sie seit dem Beitritt Madagaskar als Mitglied der Afrikanischen Union zu den zwölf wichtigsten Sprachen des afrikanischen Kontinents. Sprachtypologisch gehört sie zur Familie der Austronesischen Sprachen. Darüber herrscht ein breiter Konsens. In Bezug auf ihre Entstehung jedoch mehren sich kontroverse Diskussionen. Medienwirksam hat zuletzt Ratefy (2016) anhand von Geschichte und Tradition eine hohe kulturelle Konvergenz zum Semitischen dargelegt. Bezüglich der Sprache führte er die Etymologie der Namen von Ortschaften und Volksgruppen an. Fakt ist, dass im weiteren Prozess der Verschriftlichung (nach Sorabe) in lateinische Buchstaben Phoneme nicht gemäß dem Prinzip „Ein Schriftzeichen steht für einen Laut (im Semitischen: einen Konsonanten)“ (Krause 2020:3) übertragen wurden. Madagassisch gehört seiner Wortstellungstypologie POS zufolge zu den weltweit 1-2% seltenen Sprachen: In Prädikatstellung können die Wortarten Verb und Non-Verbe auftreten, und das post-ponierte Subjekt ist stets Definit. Die Tempus Markierung ist kein Alleinmerkmal von Verben; die Vergangenheitsmarkierung t- tragen ebenso Temporal-/ Lokalpräpositionen und -adverbien dem Kontext entsprechend. Bei der Konzeptualisierung vom Raum werden Nuancen möglichst präzise ausgedrückt: Die Deixis des Demonstrativ-Artikels unterscheidet sieben bis acht verschiedene Kategorien u.a. Nähe/Distanz, Sichtweite/Sichtbarkeit, Aspekt, ggf. Numerus (Rajaona 1972). Dadurch ist der Wissensabgleich zwischen Sprecher und Hörer gewährleistet, weil die Sprache in der Kultur der Ntaolo als das Verbindende fungiert, d.h. Kom-munikation als „das miteinander Sprechen“.
Der auf zwei Semester angelegte Strukturkurs zielt auf den Erwerb von Grundkenntnissen der Sprache. Die Typologie der Sprache auf phonologischer, lexikalischer, morphologischer und syntaktischer Ebene wird ebenfalls besprochen, um das Sprachverständnis zu erleichtern.- Trainer/in: Sarah Heydenreich
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Plator Gashi
- Trainer/in: Ledio Hala
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Sebastian Fedden
- Trainer/in: Benjamin Weber
Das Einführungsseminar Germanistische Linguistische (Di, 14-18 Uhr c.t., S 001 Schellingstr.3) ist ein Begleitkurs zur Einführungsvorlesung in die Germanistische Linguistik (Mi, 12-14 Uhr, c.t. R 305 Schellingstr. 3).
Hier im Moodle-Kurs werden Begleitmaterialien wie z.B. Präsentationsfolien zur Wiederholung und Merkblätter zu den einzelnen Themenbereichen bereitsgestellt.

- Trainer/in: Sonja Quehenberger
- Trainer/in: Olav Hackstein
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Olav Hackstein
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Olav Hackstein
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Sebastian Fedden
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Sebastian Fedden
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Sebastian Fedden
- Trainer/in: Julia Landmann
- Trainer/in: Franziska Link
Die in den 1980er/1990er Jahren an der Westküste der USA als Gegenentwurf zur Generativen Grammatik entstandenen konstruktionsgrammatischen Ansätze gehen von der Annahme aus, dass sich eine Sprache vollständig als ein Netzwerk von konventionalisierten Form-Bedeutungspaaren, die als Konstruktionen bezeichnet werden, beschreiben lässt. In dieser Veranstaltung, bestehend aus einem Seminar und einer Übung, stehen gebrauchsbasierte und kognitivlinguistisch motivierte Ansätze der Konstruktionsgrammatik im Mittelpunkt. Diese betrachten Konstruktionen als sich im Sprachgebrauch verfestigte Muster, deren Form und Bedeutung mithilfe korpuslinguistischer Verfahren erforscht werden können. Die Studierenden lernen nicht nur zentrale konstruktionsgrammatische Konzepte kennen, sondern erhalten auch einen Einblick in die korpuslinguistische Analyse grammatischer Konstruktionen des Gegenwartsdeutschen; sie werden zu selbstständigen korpusbasierten Konstruktionsanalysen angeleitet und dazu ermuntert, ihre Ergebnisse im Seminar zur Diskussion zu stellen.

- Trainer/in: Sören Stumpf

- Trainer/in: Sarah Fekadu-Uthoff
- Trainer/in: Lars Bullmann
- Trainer/in: Johanna Merz
- Trainer/in: Ana Mateos Ruiz-Camara
- Trainer/in: Katja Rohringer
- Trainer/in: Alexandra Schamel
- Trainer/in: Sarah Fekadu-Uthoff
Während des Nationalsozialismus wurde Victor Klemperer (1881–1960), Professor für Romanistik und deutscher Patriot, als Jude verfolgt. Als ihm der Zugang zu jeglichen Bibliotheken verwehrt wurde, sah er sich genötigt, eine Philologie der besonderen Art zu betreiben: Er widmete sich der Sprache seiner unmittelbaren Umgebung und analysierte die Pamphlete, die Reden von Goebbels und Hitler und die Alltagsgespräche in seiner Nachbarschaft. Er entkam der täglichen Gefahr der Verhaftung und Deportation, überlebte die Zwangsarbeit in der Fabrik, die Flucht und die Bombennächte. Aus seinen sorgfältig versteckten Notizen publizierte er bereits 1947 sein klassisch gewordenes Buch über die Sprache des Nationalsozialismus: LTI. Notizbuch eines Philologen.
Klemperers LTI ist eher ein Erlebnisbericht als eine linguistische Abhandlung. Geschildert wird eine verstörende sprachliche Dynamik, und zwar als Gegenstand der Erfahrung. Ist das noch Philologie? – Vielleicht erst recht. Aber was ist Philologie? Mit philologischen Mitteln versucht Klemperer, die Sprache der Täter wissenschaftlich zu durchdringen aber auch zu bändigen. Diese Philologie wird offenbar als Mittel sowohl gegen die Gefahr der Ansteckung durch das faschistische Idiom eingesetzt als auch zur emotionalen Distanzierung vor der unmittelbaren Todesgefahr. Nicht zuletzt verfolgt Klemperer dem Ziel, die deutsche Sprache vor nationalsozialistischen Elementen zu reinigen und auf langer Sicht zu rehabilitieren. Dass dieser Anspruch auf Grenzen stößt, ist unser Thema.
Wie ein roter Faden wird uns die zutiefst unheimliche Frage begleiten, ob man jemals vor der NS-Sprache immun sein kann. Was bedeutet es, wenn die Lingua Tertii Imperii, mit Klemperer gesprochen, "nach innen gerutscht" ist und sogar aus dem Munde der Opfer spricht? Wie steht es generell um eine 'gute, deutsche Sprache', die sich klar von der Sprache der NS-Zeit abgrenzt?
Die Auseinandersetzung mit der Sprache des Nationalsozialismus muss ein Kernanliegen der Literaturwissenschaft in deutscher Sprache bleiben. Ausgehend von Klemperer entwickelt die Vorlesung eine Reihe weiterer Lektüren: Gelesen werden literarische, essayistische und theoretische Texte, die nicht immer auf deutsch geschrieben wurden, und die doch alle um die NS-Sprache kreisen. George Steiner schildert die deutsche Sprache auf Englisch, Primo Levi auf italienisch, Georges-Arthur Goldschmidt auf Französisch. Auch die deutschsprachigen (Exil-)Texte von Peter Weiss und Ruth Klüger gilt es, entsprechend komparatistisch zu lesen.
Literarische Beschreibungen sprachlicher Erfahrungen verfügen über philosophische und kulturtheoretische Implikationen. Umgekehrt wird eine theoriegeleitete Philologie benötigt, um etwa über die poetischen Verfahren sprechen zu können, mit denen Paul Celan oder Elfriede Jelinek die Sprache der Mörder bearbeiten. Die diskutierten Texte konfrontieren uns mit radikalen Verfremdungen auch der eigenen, vermeintlich vertrauten Sprache und werfen grundsätzliche Fragen auf: über sprachliche Verantwortung und die Grenzen der Verfügungsmacht über Worte, über das Verhältnis unserer Sprache zur Vergangenheit und nicht zuletzt über das Potenzial einer Germanistik, die bereit ist, die Sprachwahrnehmung gerade dessen ernst zu nehmen, der, wie Primo Levi, in Auschwitz Deutsch sprechen lernte.
Es wird Exkurse zu Theorien des Antisemitismus und des Autoritarismus geben sowie am Ende einen Versuch über die rechtspopulistische bis rechtsextremistische Sprache der Gegenwart (‚Genderwahn‘, ‚Schuldkult‘, ‚Remigration‘). Wie können wir uns – als Studierende, als akademisch Forschende, vielleicht auch als angehende Lehrerinnen und Lehrer – mit diesen sprachlichen Dynamiken befassen? Wir müssen zum Glück nicht bei null anfangen. In der Grauzone zwischen Literatur, Sprachphilosophie und Essayistik gibt es eine sprachkritische Tradition, die auch für die Gegenwart den analytischen Blick und das Gespür für Sprache schärft: die Tradition eines Schreibens aus dem Exil, trotz des Ausschlusses und aus der Perspektive des Überlebens.

- Trainer/in: Emil Kauth
- Trainer/in: Jenny Willner
- Trainer/in: Sebastian Fedden
- Trainer/in: Sebastian Fedden
- Trainer/in: Sebastian Fedden
„Boring Stories”: Narrativität, „Anti-Narrativität" und historische Konjunkturen und Krisen des narrativen Paradigmas
“There is nothing more powerful than a good story” heißt es in Peter Brooks Seduced by Story (2022). Was macht eine “gute Geschichte” aus und was macht andere “Geschichten” weniger gut? Eine der am häufigsten vernehmbaren Begründungen für das Nichtgefallen von Romanen und Erzählungen lautet, dass diese “langweilig” seien, oder dass sie einen nicht “gepackt” hätten. Lässt sich verallgemeinernd behaupten, dass “gute Geschichten” “packend” oder “spannend” und weniger gute “langweilig” sind? Und was genau lässt literarische Erzähltexte oder andere Arten von “Geschichten” überhaupt als “langweilig” erscheinen? Ist eine solche Bewertung subjektiv oder auch zeit- und kulturspezifisch? Oder haben vielfach als ‘langweilig’ beschriebene Texte bestimmte Strukturmerkmale gemeinsam bzw. fehlen Ihnen bestimmte Merkmale von ‘Narrativität’?
Was “packt” uns umgekehrt an einer “guten Geschichte” häufig so sehr bzw. wie affiziert sie uns, dass sich ihre Wirkung wie bei Brooks als ambivalentes ‘Verführungspotenzial’ beschreiben lässt, welches sich im Kontext der von ihm beklagten gegenwärtigen "storification of reality” auch in außerliterarischen Kontexten (z.B. in der Politik, in den sozialen Medien oder in der Werbung) “Geschichtenerzählerinnen” und “Geschichtenerzähler” aller Art zu teils fragwürdigen Zwecken zu Nutze machen?
Etwa 40 Jahre nach dem “narrative turn” in den Geistes- und Kulturwissenschaften ist der Gebrauch des Begriffs “Narrativ” in den verschiedensten außerliterarischen Diskursen beinahe inflationär geworden – fast alles scheint aktuell als “Geschichte”/”story” beschreibbar bzw. erzählbar zu sein, oder eine “Geschichte” zu haben, sodass der Begriff der “Erzählung” in seiner Bedeutung zunehmend verwaschen erscheint. Was macht “Narrativität” aus, bzw. welche textuellen Strukturen machen literarische Texte zu “Erzählungen”, und inwiefern lassen sich entsprechende Strukturmerkmale überhaupt auch für nicht textuell/nicht sprachlich verfasste Phänomene beschreiben? Was ist gemeint, wenn Denker wie Han Byung Chul in einer kritischen Tendenz davon sprechen, dass wir in einem “postnarrativen Zeitalter” angekommen sind (in: Die Krise der Narration [2023]?
Das Seminar wird sich Fragen der Erzählbarkeit zunächst aus verschiedenen theoretischen Richtungen und in historischer Perspektive nähern und Konzepte wie “Narrativität”, “Anti-Narrativität”, “Narrativismus”, “plot” vs “story” etc. in den Blick nehmen (u.a. Auszüge aus Gerald Prince: Narratology, J.F. Lyotard: Das postmoderne Wissen, Hayden White: Metafiction, Galen Strawson: “Against Narrativity”, Brian McHale: “Weak Narrativity”). In einem zweiten Schritt wollen wir anhand einer Reihe von exemplarischen Lektüren (u.a. Tschechow: “Eine langweilige Geschichte” [1889], Samuel Beckett: Molloy [1951], Ottessa Moshfegh: Death in her Hands [2020]) die Frage beleuchten, wie sich verschiedene Grade von “weak narrativity” oder “anti-narrativity” in literarischen Texten manifestieren, die sich den konventionellen Anforderungen an eine “gute Geschichte” zu widersetzen scheinen und die daher von vielen Leserinnen und Lesern als “boring stories” beschrieben werden, in denen “nichts passiert”.

- Trainer/in: Carina Breidenbach

- Trainer/in: Emil Kauth
- Trainer/in: Jenny Willner
I. Zum Seminarthema
„You are so paranoid, you probably think this essay is about you." In einem einflussreichen Essay mit diesem Untertitel attestierte Eve Kosofsky Sedgwick für die poststrukturalistische und postmoderne Theorie und Kritik einen „paranoiden Imperativ": „[I]n the hands of thinkers after Freud, paranoia has by now candidly become less a diagnosis than a prescription. In a world where no one need be delusional to find evidence of systemic oppression, to theorize out of anything but a paranoid critical stance has come to seem naïve, pious, or complaisant.” („Paranoid Reading and Reparative Reading", S. 125 f.)
Das geistes- und kulturwissenschaftliche Interesse am Paranoia-Begriff beschränkt sich jedoch nicht auf die vielfach beschriebene inhärente Affinität hermeneutischer Verfahren und bestimmten Formen der Theoriebildung zu paranoiden Welterschließungsverfahren: Die Literaturwissenschaft hat insbesondere für die nordamerikanische Literatur nach dem 2. Weltkrieg die Ausbildung einer ‚paranoiden Schule’ beobachtet (z.B. bei Thomas Pynchon, Don DeLillo und Philip K. Dick) und der Paranoia-Begriff wurde immer wieder auch dazu bemüht, gesellschaftskritische Diagnosen einer für das späte 20. und 21. Jahrhundert spezifischen „paranoiden“ conditio humana zu stellen. Teresa Brennan behauptete 1991, dass wir uns kollektiv geradezu in einem „Zeitalter der Paranoia" befänden („The Age of Paranoia"), Studien wie Patrick O’Donnells Latent Destinies (2000) und Timothy Melleys Empire of Conspiracy (2016) beschreiben insbesondere für den US-amerikanischen Kontext eine Proliferation von "kultureller Paranoia" (O’Donnell) bzw. die Entstehung einer umfassenden „Kultur der Paranoia“ (Melley), und ein Buchtitel von Daniel und Jason Freeman aus dem Jahr 2008 nennt die Paranoia gar „the 21st century fear".
Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass gerade der psychopathologische Begriff der Paranoia, den Hippokrates im 5. Jahrhundert vor Christus prägte, um eine Art von deliriösem ‚verkehrtem’, ‚verzerrtem’ oder ‚widersinnigem’ Denken zu bezeichnen (von griech. „para" = „gegen" oder „neben" + „nous" = „Verstand“), im 20. und 21. Jahrhundert in geistes- und kulturwissenschaftlichen Diskursen eine so außerordentliche Konjunktur erfuhr, denn im alltäglichen Kontext begegnen wir dem Phänomen der Paranoia heutzutage in erster Linie in Verbindung mit den zahlreichen, weithin bekannten und von der Popkultur oft verlachten, oft perpetuierten Verschwörungstheorien (9/11 als „Inside Job", Chemtrails, die geheime Weltherrschaft der Illuminati), welche gerade in den letzten 20 Jahren mehr denn je zuvor zu florieren scheinen.
Dem alltagssprachlichen Verständnis des Begriffs gemäß ist eine „paranoide" Haltung zur Welt von krankhaftem Misstrauen, unrealistischen Verfolgungsängsten und Größenwahn gekennzeichnet; wer „paranoid" ist, sucht zwanghaft überall nach Hinweisen auf versteckte Bedrohungen, abgründige Verbindungen und großangelegte Verschwörungen der ‚Anderen’ gegen einen selbst.
Was haben Verschwörungstheoretiker, pathologische Paranoiker*innen, paranoide Gesellschaften der Postmoderne und poststrukturalistische Denker*innen gemeinsam?
Was die Paranoia sowohl als Metapher für eine kollektive epistemologische Praxis in kapitalistischen Gesellschaften des 20. und 21. Jahrhunderts im Allgemeinen als auch für moderne und postmoderne Formen der Interpretation, Theoriebildung und Wissensproduktion im Besonderen so fruchtbar macht, ist ihre Beschreibbarkeit als eine Form der hermeneutischen Aktivität oder Lektüre: Der ewig suchende, detektivische Blick der Paranoia liest die Welt als einen Raum voller Zeichen, in dem alles bedeutungsvoll ist und in dem es gilt, die sichtbare Oberfläche der Dinge interpretierend zu durchdringen, um zu einer verborgenen Tiefenstruktur zu gelangen. Die paranoide Tendenz, „nichts Indifferentes [anzuerkennen]" und noch „die kleinsten Anzeichen [zu verwerten]" (Freud: „Über einige neurotische Mechanismen"), welche Freud als „Beziehungswahn" bezeichnete, lässt sich auch als eine Art ‚Bedeutungswahn’ beschreiben: Die paranoide Aktivität negiert jede Form von Kontingenz und duldet kein Chaos; heterogene Details und Ereignisse werden in ein übergeordnetes, sinnstiftendes Narrativ eingeordnet. Die Paranoia vollzieht nicht nur eine ständige obsessive Lektüre der Welt, sie hat auch ein kreatives Element und überschreibt die manifeste Oberfläche der Welt mit ihrer eigenen ‚Geschichte’ - wenn sie eine Form von Wahnsinn ist, dann ist sie ein Wahnsinn, der sozusagen Methode hat und sich sein eigenes, in sich stimmiges „kunstvolle[s] Wahngebäude" oder „Wahnsystem" (Freud über Schreber) aufbaut.
II) Zum Aufbau des Seminars
Ziel des Seminars soll es sein, die vielfältigen Implikationen des Paranoia-Begriffs als epistemologisches, hermeneutisches und poetisches Paradigma im 20. und 21. Jahrhundert zu beleuchten. Dabei wollen wir uns dem Phänomen der Paranoia aus drei Richtungen nähern:
1) Paranoia als Pathologie in Psychoanalyse, Psychologie und Psychiatrie
In einem ersten Schritt soll zunächst die medizinische, psychiatrische, psychologische und psychoanalytische Begriffsgeschichte der Paranoia rekonstruiert und die wichtigsten Charakteristiken und Mechanismen des paranoiden Denkens wie Projektion, Fixierung bzw. Rigidität der Gedanken, Hypervigilanz, Verfolgungsgedanken, Größenwahn, obsessive Ich-Bezogenheit etc. in den Blick genommen werden. Außerdem soll die Paranoia in Abgrenzung zu anderen Formen der Angstaffekte – der Furcht und der unbestimmten ‚Angst’ im engeren Sinne – definiert werden.
Dabei sollen neben Auszügen aus den beiden ‚klassischen’ Texten zum wohl bekanntesten und meistdiskutierten Individualfall der Paranoiaforschung, Daniel Paul Schrebers (1842-1911) Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken (1903) und Freuds Analyse derselben („Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia (Dementia paranoides)" [(1910/1911)], auch Ansätze von Emil Kraepelin, Jacques Lacan, Melanie Klein („Notes on some schizoid mechanisms") und David Shapiro (Neurotic Styles) besprochen werden.
2) Paranoide Epistemologien: „Kulturen der Paranoia“ im 20. und 21. Jahrhundert und die paranoide Postmoderne
Der zweite Themenblock beschäftigt sich mit dem Import des Paranoiabegriffs in die Geistes- und Kulturwissenschaften und seiner De-Pathologisierung und metaphorischen Übertragung vom Bereich der Individualpsychopathologie auf politische, epistemologische, kulturelle und poetische Zusammenhänge. Unter anderem soll Richard Hofstadters 1964 im Harper’s Magazine erschienener, vielzitierter Aufsatz "The Paranoid Style in American Politics" herangezogen werden, dessen metaphorische Aneignung des Paranoia-Begriffs richtungsweisend für zahllose auf ihn folgende Studien zu den ‚Kulturen der Paranoia’ war, und in welchem Hofstadter für den nordamerikanischen Kulturraum das Vorherrschen einer Art politischer Rhetorik beschrieb, die von „heated exaggeration, suspiciousness, and conspirational fantasy" - eben jenem titelgebenden ‚paranoid style’ - geprägt sei (S. 77).
Während Hofstadter den Paranoia-Begriff in einer unverkennbar wertenden Weise anwendete, um Kritik an bestimmten politischen Positionen zu üben (dass die von Hofstadter präsentierten Charakteristika unlängst auch zur Identifikation eines „paranoiden Stils" bei Donald Trump herangezogen wurden, ist wenig überraschend), verwenden ihn neuere Arbeiten wie Patrick O’Donnells Latent Destinies (2000) in einem breiteren Sinne zur Diagnose eines spezifisch postmodernen epistemologischen Modus: Laut O’Donnell bildet sich als ‚Symptom’ der Postmoderne – im Lyotard’schen Sinne verstanden als Zeitalter, in dem eine beruhigende und absichernde Sinnstiftung durch jegliche Formen von grand récits unmöglich geworden ist – ein kollektiver paranoider Welterschließungsmechanismus aus, der Unsicherheiten und Ängste kompensiert, indem er Chaos und Kontingenz in Ordnung und Bestimmtheit umdeutet – ein Ansatz, der stark an Freuds Hinweis in Totem und Tabu erinnert, dass die „Systembildung" aufgrund „einer intellektuelle[n] Funktion in uns", die „Vereinheitlichung, Zusammenhang und Verständlichkeit von jedem Material der Wahrnehmung oder des Denkens, dessen sie sich bemächtigt [fordert]", absolut beherrschend für das paranoische ‚Wahnsystem’ sei.
3) Narrative Poetiken der Paranoia
Im Anschluss an die theoretische Annäherung an den Paranoia-Begriff soll sich der größte Teil der Seminarsitzungen der gemeinsamen Lektüre ausgewählter literarischer Texte widmen, die auf jeweils unterschiedliche Weise Paranoia nicht nur auf ihrer Handlungsebene thematisieren – etwa in Form von Verschwörungs- oder Detektiv- und Kriminalnarrativen –, sondern mithilfe bestimmter narrativer Verfahren auch strukturell eine Art "paranoide" Poetik entfalten: Thomas Pynchons The Crying of Lot 49, Don DeLillos Libra und Paul Austers City of Glass.
Abschließend soll anhand von The Parallax View (1974), dem zweiten Film in Alan J. Pakulas „Paranoia-Trilogie", diskutiert werden, wie das Medium des Films den paranoiden Blick auf die Welt audiovisuell in Szene zu setzen vermag.
Zur Einführung empfohlen:
Boltanski, Luc: „Die endlose Untersuchung der ‘Paranoiker’". In: Ders.: Rätsel und Komplotte. Kriminalliteratur, Paranoia, moderne Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2015. S. 307-398.
Brennan, Teresa: „The Age of Paranoia.” In: Paragraph 14.1 (1991): S. 20-45.
Ebner, Timm et al. (Hrsg.): Paranoia. Lektüren und Ausschreitungen des Verdachts. Wien: Turia + Kant, 2016.
Krause, Marcus et al. (Hrsg.): The Parallax View. Zur Mediologie der Verschwörung. München: Fink, 2011.
O’Donnell, Patrick: Latent Destinies. Cultural Paranoia and Contemporary U.S. Narrative. Durham u. London: Duke University Press, 2000.
Vorläufige Lektüreliste
Flieger, Jerry Aline: „Postmodern Perspective: The Paranoid Eye." In: New Literary History 28.1 (1997): S. 87-109.
Freud, Sigmund: „Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia (Dementia paranoides)“ [1910/1911]. In: Studienausgabe Bd. VII: Zwang, Paranoia, Perversion. Frankfurt a. M.: Fischer, 1973. S. 133-203.
Freud, Sigmund: „Über einige neurotische Mechanismen bei Eifersucht, Paranoia und Homosexualität.“ [1921/1922] In: Studienausgabe Bd. VII: Zwang, Paranoia, Perversion. Frankfurt a. M.: Fischer, 1973. S. 217-228.
Schreber, Daniel Paul: Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken. (Auszüge)
Klein, Melanie: „Notes on some Schizoid Mechanisms“ [1946]. In: Dies.: Envy and Gratitude and Other Works 1946-1963. London: Vintage, 1997. S. 1-24.
Lacan, Jacques: Über die paranoische Psychose in ihren Beziehungen zur Persönlichkeit und Frühe Schriften über die Paranoia. Wien: Passagen, 2002.
Shapiro, David: „Paranoid Style“. In: Ders.: Neurotic Styles. New York/London: Basic Books, 1965. S. 54-107.
Hofstadter, Richard: „The Paranoid Style in American Politics”. In: Harper’s Magazine, November 1964: S. 77-86.
Ricouer, Paul: Die Interpretation. Ein Versuch über Freud. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969.
Sedgwick, Eve Kosofsky: „Paranoid Reading and Reparative Reading, or: You’re so paranoid, you probably think this essay is about you”. In: Michèle Aina et al. (Hrsg.): Touching Feeling. Durham: Duke University Press, 2002. S.123-151.
Literarische Texte:
Auster, Paul: City of Glass [1985].
DeLillo, Don: Libra [1988].
Pynchon, Thomas: The Crying of Lot 49. [1965].

- Trainer/in: Carina Breidenbach
Jenseits des Lustprinzips geht von der Krise aus und nimmt ihre Verlängerung in Kauf. Nach dem Ersten Weltkrieg – Europa liegt in Trümmern, die Habsburger Monarchie ist auseinandergefallen und die psychoanalytische Bewegung wird von Krisen durchrüttelt – kehrt Freud nach über zwei Jahrzehnten zur Frage des Schocks und der Erschütterung zurück. Bereits in den Studien zur Hysterie (1895) hatte ihn das Problem des psychischen Traumas beschäftigt. In der Zwischenzeit, seit der Traumdeutung (1900), war diese Problematik zugunsten einer Theorie innerer Konflikte und unbewusster sexueller Wünsche in den Hintergrund gerückt, aber nie ganz verschwunden. In Jenseits des Lustprinzipsgeht es nicht um unbewusste sexuelle Wünsche, es geht nicht um Ödipus, Kastrationsangst oder Penisneid, sondern um die Wiederkehr des Traumas. Dabei stellt Freud die Frage nach dem Stellenwert traumatischer Einbrüche für die Entstehung und Entwicklung psychischer Funktionen – mehr noch: für die Entstehung und Entwicklung des Lebens überhaupt. Könnte es sein, dass es etwas gibt, das „ursprünglicher, elementarer, triebhafter“ ist als das Bestreben, Unlust zu vermeiden? Könnte es sein, dass wir über regressive Tendenzen nachdenken müssen, um überhaupt zu verstehen, was sich auf verschobene Weise im sogenannten Fortschritt und im sogenannten Selbsterhaltungstrieb äußert?
In mehrerlei Hinsicht dreht sich Freuds Jenseits des Lustprinzips (1920) um die letzten Fragen: Es geht um psychoanalytische Fälle jenseits der Therapierbarkeit, um die Grenzen der Wissenschaften und des Wissbaren sowie um das Verhältnis von Organischem und Anorganischem, Leben und Tod. Für die klinische Psychoanalyse gehört Jenseits des Lustprinzips zu den umstrittensten Texten überhaupt. Für die Literatur- und Kulturtheorie sowie für die kritische Theorie handelt es sich um einen Schlüsseltext. Die hier entwickelten Konzepte – vor allem Lebenstriebe, Todestriebe und Wiederholungszwang – bieten theoretische Erklärungsmodelle für destruktive und selbstzerstörerische Dynamiken sowie für die zwanghafte Wiederholung traumatischer Erfahrungen. Weit über die Individualpsychologie hinaus sind dies zentrale Themen in Literatur, Ästhetik und Geschichtsdenken. Peter Brooks argumentierte in Reading for the Plot (1984), dass Freuds Jenseits des Lustprinzips eine zentrale Grundlage für das Verständnis narrativer Strukturen bietet: Brooks bezieht den Wiederholungszwang und den Konflikt zwischen Lebens- und Todestrieben auf die Dynamik von Erzählungen, insbesondere auf das Streben nach einem Abschluss, der zugleich ersehnt und hinausgezögert wird. In den literary trauma studies dient das Konzept des Wiederholungszwangs wiederum als Erklärung dafür, warum Traumata in Erzählungen nicht linear repräsentiert, sondern sich in die narrative Struktur niederschlagen, etwa durch Fragmentierungen, Auslassungen und Verzögerungen. Auch darüber hinaus haben die Jenseits-Lektüren etwa von Walter Benjamin, Jacques Lacan, Melanie Klein, Jacques Derrida, Slavoj Zizek, Alenka Zupancic und Teresa de Lauretis wesentliche Impulse gesetzt.
Die ersten Seminarsitzungen sind dem close reading des so schwierigen wie einflussreichen Primärtextes gewidmet. Zu den Herausforderungen gehört, dass Freud einem Bündel von Fragen nachgeht, aber keine in sich geschlossene, kohärente Antwort liefert. Er setzt immer wieder neu an, unterbricht sich und entwickelt verschiedene Erklärungsmodelle, die einander zum Teil gegenseitig ausschließen. Er weiß darum und konstatiert: „Was man nicht erfliegen kann, muß man erhinken. / Die Schrift sagt, es ist keine Sünde zu hinken.“
Im Verlauf des Semesters werden wir unter anderem die Rolle der Biologie in Jenseits des Lustprinzips diskutieren. Gerade jener Literatur- und Kulturwissenschaft, die mit Freud – zurecht! – vor allem das Konzept des Menschen als sprachliches Wesen verbindet, sind seine biologischen Ausschweifungen ein Ärgernis. Lacans Rückkehr zu Freud wird meist als Aufruf dazu verstanden, Freuds Theorie noch freudianischer zu lesen, als Freud es selbst tat, und zwar, indem man sie um biologische Komponenten bereinigt. So heißt es immer wieder, die biologische Spekulation komme bei Freud nur deshalb ins Spiel, weil er leider noch nicht über Lacans Begriff des Signifikanten verfüge. Wie jedoch Derrida betont hat, lässt sich Freuds Bezug auf die Biologie keineswegs einfach durch Symbolizität oder Diskursivität ersetzen. Vielmehr müsse der Gedanke möglich sein, dass wir qua transgenerationaler Übertragung nicht nur dem symbolischen Archiv gegenüber empfänglich sind, sondern auf strukturanaloge Weise auch dem biologischen Archiv. Die Körper wären demnach Träger auch biologischer Vergangenheiten, die sich nie restlos rekonstruieren lassen.
Zugleich gilt: Es gibt keine ideologisch neutrale Rede über die Natur. Wenn Freud nach der Unsterblichkeit von Keimzellen fragt und über Pantoffeltierchen, Zugvögel, Seeigeleier und den ersten Einzeller spekuliert, zieht er sich nur scheinbar von den Belangen der Sprache, der Geschichte und der Gesellschaft zurück. Die biologische Spekulation bei Freud ist nicht zuletzt für die Frage aufschlussreich, wie über das organische Leben erzählt werden kann. Freud erzählt auf eine Weise, die mit den degenerationstheoretischen und antisemitischen Tendenzen inkompatibel ist, die zur Entstehungszeit des Textes immer geläufiger und auch etwa bei C. G. Jung (1934) explizit formuliert wurden.
* * *
Das Seminar findet nach einem Planungs- und Vorstellungstreffen zu Semesterbeginn in unregelmäßigen Abständen in vierstündigen Blöcken statt. Für die weiteren Schwerpunkte können Sie sich gerne mit Ihren Wünschen melden: jenny.willner@lmu.de
Einige Möglichkeiten wären:
– Die Rezeption im Rahmen der literary trauma studies (Caruth, Felman, Baer u. a.)
– Die Rezeption durch Derrida – bis hin zu den biodekonstruktivistischen Ansätzen über organisches Leben und Tod im Anschluss an Derridas La vie la mort, etwa wie von Francesco Vitale untersucht.
– Verschiedene Traditionen kulturtheoretischer und politischer Lektüren von Jenseits des Lustprinzips
– Die Rolle der späten Triebkonzeption Freuds im Vorfeld der britischen Schule der Psychoanalyse, etwa bei Sándor Ferenczi (Schüler Freuds, erster Analytiker von Melanie Klein)
– Spezielle Themen, wie etwa die Frage nach der Möglichkeit, die Opern Wagners mit Freuds Begriff des Todestriebs zu rezipieren (siehe hierzu: Slavoj Zizek, Mladen Dolar u. a.)

- Trainer/in: Emil Kauth
- Trainer/in: Jenny Willner
- Trainer/in: Emil Kauth
- Trainer/in: Johanna Schumm
- Trainer/in: Ryan Sandell
- Trainer/in: Sarah Fekadu-Uthoff
- Trainer/in: Christopher Rudoll
- Trainer/in: Simon Kienzl
Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend als Unterstützung für redaktionelle Tätigkeiten im Lokaljournalismus entwickelt und eingesetzt. Vor diesem Hintergrund ist eine Analyse der Wahrnehmung von Journalistinnen und Journalisten sowie ihrer KI-Kompetenz von entscheidender Bedeutung, nicht zuletzt aufgrund des Potenzials von KI journalistische Produktions- und Distributionsprozesse innerhalb von Redaktionen nachhaltig zu verändern (Beckett & Yaseen, 2023).
In diesem Seminar werden die Wahrnehmungen der Vor- und Nachteile von KI durch Lokaljournalistinnen und -journalisten sowie ihre Kompetenz im Umgang mit KI untersucht. Dazu sollen insbesondere Interviews in Deutschland durchgeführt werden. Einen Bezugspunkt bildet das Technology Acceptance Model (TAM) (Marangunić & Granić, 2015), um dieses bislang wenig erschlossene Forschungsfeld im Kontext des Lokaljournalismus zu analysieren.
- Trainer/in: Maximilian Eder
- Trainer/in: Sabrina Link
- Trainer/in: Viktor Fritzenkötter
In diesem Seminar werden wir uns mit dem Thema Wortbildung beschäftigen; dabei soll zunächst versucht werden, den Begriff ‚Wort‘ näher zu definieren und dessen Problematik zu beleuchten. Im weiteren Verlauf des Kurses soll das Verhältnis von Wortbildung, Derivation und Flexion eingehend untersucht werden; außerdem werden wir uns mit den Themen Komposition und Inkorporation auseinandersetzen und deren Beziehung zur Wortbildung genauer untersuchen. Dabei sollen auch Grenzfälle, wie z.B. Reduplikation, angesprochen werden; Schnittstellen zwischen Wortbildung, Phonologie, Syntax und Semantik werden ebenfalls thematisiert. Weitere Bereiche, mit denen wir uns im Verlauf des Kurses beschäftigen werden, sind die Produktivität von Wortbildungen sowie Lexikalisierung.
Neben einem typologischen Ansatz, bei dem außer gut untersuchten und meist indoeuropäischen Sprachen wie Deutsch und Englisch auch Wortbildungsstrategien aus weniger gut beschriebenen Sprachen vorgestellt werden sollen, werden wir in diesem Seminar auch die kognitiven Aspekte von Wortbildung diskutieren; dazu gehören Fragen nach der Ikonizität von Wortbildungsmustern, aber auch Konzepte wie die Bedeutungserweiterung und -verengung.
- Trainer/in: Katja Hannß
- Trainer/in: Jose Martinez Gomez
- Trainer/in: Benjamin Weber
"In den meisten Fällen von sozialer Diskriminierung spielt Sprache eine Schlüsselrolle. Sie ist ein zentrales Mittel der Diskriminerung [sic, D.R.], wird aber auch zum Objekt von Diskriminierung und zudem zum Medium der Bekämpfung von Diskriminierung." (Reisigl 2017: 82).
Ziel dieses Seminars ist die deskriptive, d.h. möglichst vorurteilsfreie Beschreibung und Klassifikation von sprachvermittelter Diskriminierung.
Ein nur selten in das Zentrum der medialen Aufmerksamkeit rückender Aspekt ist die Diskriminierung von Sprachen, Dialekten und Idiolekten. Abwertende Aussagen wie "Die/der kann ja noch nicht mal richtig Deutsch!" gehören auch im vermeintlich aufgeklärten Deutschland häufig zu den frühesten Erinnerungen eigener Sprachbiographien. Dieser erste Teil des Seminars wird uns zeigen, dass in jeder und jedem von uns das Potential steckt, andersartige Menschen zu diskriminieren. Wie beliebig und allgegenwärtig Kriterien der Diskriminierung sein können, zeigt uns schon das Schibboleth des Alten Testaments.
Den Fokus des zweiten Teils des Seminars bilden Strukturen, die Menschen auf der Basis von Ethnie, Rasse, Religion, Alter, Geschlecht, Orientierung, Behinderung oder politischer, theoretischer bzw. philosophier Zugehörigkeit zu diskriminieren versuchen. Hier werden wir das komplette linguistische Instrumentarium von der Phonologie über die Morphologie bis hin zur Pragmatik bemühen müssen.
Am Ende werden wir die Funktionen der besprochen Formen von Diskriminierung diskutieren, auch wenn Antworten dazu eher in den Bereichen Psychologie und Soziologie zu erwarten sind.
- Trainer/in: David Restle
- Trainer/in: Julia-Sophie Heier
Liebe Teilnehmende am Fachdidaktik-Repetitorium Latein,
folgendes Vorgehen schlage ich für diesen Moodle-Kurs vor (ab Woche 2):
- Jeweils am Donnerstagabend lade ich zum Wochenthema eine PPP hoch, die ich mit einem Audio-Kommentar versehen habe.
- Dann haben Sie eine Woche Zeit, sich das Thema zu erarbeiten und im jeweils zugehörigen Forum Fragen zu stellen - die entweder jemand von Ihnen oder ich dann beantworten wird.
- Am folgenden Donnerstag treffen wir uns um 14.15 Uhr auf Zoom (Link hinterlege ich dann auch hier), wo kurz noch Fragen geklärt werden können. Den Hauptteil der vorgesehenen etwa 45 Minuten füllt jedoch ein Referat, das eine Examensaufgabe zum Thema und mögliche Lösungswege vorstellt, die wir dann gemeinsam diskutieren können.
- Kursleiter: Jan König
- Trainer/in: Yves Jeanrenaud
- Trainer/in: Juliane Prade-Weiss
Der Kurs gliedert sich in drei Schwerpunkte: die kognitive Anthropologie, den Relativismus und die Ethnographie.
Ein Thema der kognitiven Anthropologie werden Taxonomien sein, also die hierarchische Beziehung verschiedener Konzepte zueinander und wie sich diese in verschiedenen Sprachen ausdrücken. Weitere Themen sind Verwandtschaftssysteme, deren Organisation und die Bezeichnungen der verschiedenen Verwandtschaftsgrade in unterschiedlichen Kulturen sowie die basic color terms nach Berlin & Kay (1969).
Im Relativismus soll einmal die Verwendung von Metaphern, ihre kulturelle Kodierung und Einbettung in das grammatische System der jeweiligen Sprache vorgestellt werden. Daneben werden wir uns auch mit Klassifikatoren auseinandersetzen und untersuchen, welche Systeme von Klassifikatoren es gibt und auf welchen semantischen Konzepten die Klassifikatoren beruhen.
Im letzten Themenbereich des Kurses wird um die Verwendung von Sprache in bestimmten kulturellen und sozialen Kontexten gehen. Ein Thema wird die Verbindung von Sprache und Geschlecht sein, ein anderes die Relation zwischen Sprache und sozialer Position. Abschließend werden wir untersuchen, wie sich die Sozialisierung in unterschiedlichen Kulturen auf das sprachliche Verhalten auswirkt.
- Trainer/in: Katja Hannß
- Trainer/in: Jose Martinez Gomez
- Trainer/in: Benjamin Weber
- Trainer/in: Laura Schächtele
- Trainer/in: Anja Burghardt
- Trainer/in: Elena Graf
- Trainer/in: Anja Burghardt
- Trainer/in: Elena Graf
- Trainer/in: Svetlana Efimova
- Trainer/in: Philipp Kohl
- Trainer/in: Elena Graf
- Trainer/in: Svetlana Efimova
- Trainer/in: Anja Burghardt
- Trainer/in: Yves Jeanrenaud
- Trainer/in: Yves Jeanrenaud
- Trainer/in: Sophie Duschinger
- Trainer/in: Bernhard Gill
Die Belagerung von Sarajevo im Bosnienkrieg der 1990er Jahre ist Gegenstand zahlreicher literarischer Texte vorwiegend bosnischer Autoren, in denen Wirklichkeit und Fiktion, Dokument und Poesie in einem komplexen Wechselverhältnis stehen. Denn einerseits findet der Einbruch des Krieges in den Alltag seine privilegierte Darstellungsform im Dokumentarischen, z.B. durch die Einbettung in die Fiktion von Textformen wie Tagebuch, Brief, Augenzeugenberichte usw. Andererseits verfremdet die fiktionale ‚Poetisierung‘ des Grauens die automatisierte Wahrnehmung des Kriegsalltags, die sich vor allem in ihrer massemedialen Repräsentation verfestigt hatte, so dass die Belagerung dem durch ‚Bildersättigung‘ verursachten Vergessen entrinnen kann.
Im Seminar soll die Belagerungsliteratur Sarajevos in den Texten von Dževad Karahasan, Miljenko Jergović, Aleksandar Hemon, Semezdin Mehmedinović u.v.m. im Hinblick auf diese doppelte Dimension untersucht werden: Sie will Dokumentation des Krieges sein, zugleich lässt sie sich nicht auf außerästhetische Funktionen reduzieren, da sie ihre eigene Literarizität geradezu ausstellt.
Die untersuchten Texte liegen auch in deutscher Übersetzung vor.
- Trainer/in: Riccardo Nicolosi
Seminarbeschreibung:
Dieses Proseminar richtet sich an Sprachwissenschaftler*innen, die sich im Rahmen ihres Studiums mit korpusbasierter Forschung beschäftigen möchten. In diesem Seminar geht es zentral darum, Methodik, Grundlagenwissen und Handwerkszeug für spätere Untersuchungen zu erlernen und so kann diese Veranstaltung auch als Vorbereitung für spätere größere Seminar- oder Abschlussarbeiten genutzt werden.
Kerninhalte des Proseminars:
📑 Korpuslinguistische Paradigmen
📑 Korpora geschriebener und gesprochener Sprache
📑 Grundlegende Fragestellungen der korpuslinguistischen Forschung
📑 Recherche in Korpusdatenbanken
📑 Erstellung einfacher Korpora
📑 Auswertung von Korpusdaten
Literaturempfehlungen:
- Trainer/in: Veronika Gacia
Das
Seminar beschäftigt sich mit Theorie und Praxis des Abenteuers in der
russischen Literatur. Schwerpunkte liegen im pikaresken Roman des 18.
Jahrhunderts, in der Rezeption des westlichen Abenteuerromans im 19.
Jahrhunderts, z.B. bei Dostoevskij, und vor allem in der frühsowjetischen
Literatur und Literaturtheorie (Formalismus, Bachtin u.a.) der 1920er und
1930er Jahre. In dieser theoretischen und literarischen Produktion bedeutet das
Abenteuer nicht so sehr ein rein auf Spannung hin ausgerichtetes Erzählen,
sondern ein Erzählen, das seine eigene Gemachtheit, die Systembedingtheit von
Erzählstrukturen geradezu ausstellt. Die Abenteuerliteratur offenbart elementare
Bausteine des Erzählens überhaupt, was eine Art theoretische und praktische ‚Grundlagenforschung‘
über dessen Bedingungen und Möglichkeiten entstehen lässt.

- Trainer/in: Riccardo Nicolosi
Die Vorlesung bietet einen Überblick über die russische Literatur des 18. Jahrhunderts, indem sie die Darstellung der Stadt St. Petersburg in der panegyrischen Literatur (Oden, Lobreden u.a.) fokussiert. Diese Tradition der Stadtdarstellung leistete einen wesentlichen Beitrag zur Herausbildung der kulturellen Semantik der neuen Zarenresidenz. In der Vorlesung werden drei Aspekte dieser Literatur besonders hervorgehoben: das mythopoetische Substrat, die kulturelle Dimension und die rhetorisch-textuelle Faktur.
Literatur: Riccardo Nicolosi: Die Petersburg-Panegyrik. Russische Stadtliteratur im 18. Jahrhundert. Peter Lang: Frankfurt/Main 2002.
- Trainer/in: Riccardo Nicolosi
- Trainer/in: Svetlana Efimova
Im Seminar behandeln wir Formen sowie ausgewählte Funktionen des Verbalaspekts in verschiedenen Dialekten der zentralsüdslavischen Minderheitensprache Burgenlandkroatisch, die auf österreichischem Gebiet gesprochen werden. Gegenübergestellt werden die Verhältnisse in der südslavischen Mikrosprache Moliseslavisch sowie der westslavischen Mikrosprache Obersorbisch. Das mit dem Burgenlandkroatischen verwandte Moliseslavische wird heute noch in Form unterschiedlicher Dialekte in drei Dörfern der Region Molise (Provinz Campobasso) im südlichen Mittelitalien gesprochen. Die in der katholischen Oberlausitz (Kreis Kamenz/Sachsen) gesprochene obersorbische Umgangssprache steht wie das Burgenlandkroatische unter einem intensiven Sprachkontakteinfluss deutscher Varietäten. Die Rolle des Sprachkontakts mit den jeweiligen Dominanzsprachen (Deutsch bzw. Italienisch) wird besonders berücksichtigt. Als aspektologisches Beschreibungsmodell dient das typologisch-universalistisch ausgerichtete Komponentenmodell der Interaktion von Lexik und Aspekt, kurz das ILA-Modell nach Breu (etwa Breu 1996), das im Rahmen des Seminars eingeführt wird.
- Trainer/in: Jasmin Berghaus
Im Werk
des jugoslawischen Schriftstellers und Nobelpreisträger Ivo Andrić spielt
Bosnien bekanntlich eine herausragende Rolle. Anhand ausgewählter historischer
Romane und Erzählungen wollen wir in der Vorlesung Andrić’ fiktionale
Modellierung der bosnischen Kultur, insbesondere die konfliktreiche Legierung
von Religion und Ethnizität, untersuchen. Dabei interessieren uns sowohl die
literarische Dimension der Werke Andrić’ als auch deren problematische
Rezeption im Zeichen nationalistischer Politik.

- Trainer/in: Riccardo Nicolosi
- Trainer/in: Svetlana Efimova
Spätestens
um 1900 findet in der Prosa der slavischen Literaturen ein Wechsel von einer
realistischen Illusionsästhetik zu Formen des Erzählens statt, in denen die
Wahrnehmung subjektiviert und logisch-kausale Zusammenhänge durch ‚poetische‘,
assoziative Darstellungsformen fragmentiert werden. Diese Erschwerung der
Wahrnehmung geht mit einer Betonung der Medialität und Autonomie des poetischen
Wortes einher, die ihr theoretisches Pendant in der formalistischen und
strukturalistischen Ästhetik findet. Unser Streifzug durch die Prosa der
slavischen Moderne beginnt mit den Erzählungen Anton Čechovs, die die für den
Realismus zentrale Kategorie der Ereignishaftigkeit in Frage stellen, und führt
uns zunächst zur die erzählerische Zentralperspektive überwindenden
Kriegsliteratur von Isaak Babel’ (Die
Reiterarmee) und Miloš Crnjanski (Tagebuch
über Čarnojević). Miroslav Krležas
Der kroatische Gott Mars mit seiner eher sozialkritischen Einstellung wird
uns als kontrastive Vergleichsfolie dazu dienen. Im westslavischen Bereich
werden wir uns zum einen mit dem pikaresken Roman Die Abenteuer des braven Soldaten Švejk von Jarosalv Hašek und zum
anderen mit der ‚metamorphotischen‘ Prosa von Bruno Schulz (Die Zimtläden) beschäftigen. Zum Schluss
kehren wir nach Russland zurück, um die jegliche logische Kategorie sprengenden
Texte von Daniil Charms zu analysieren.
- Trainer/in: Riccardo Nicolosi
Die Vorlesung will die Wechselbeziehungen zwischen Literatur und biosozialen Theorien im Russland des späten 19. Jahrhunderts untersuchen. Im Zentrum stehen die Transformationen des Degenerationsdiskurses zwischen naturalistischer Poetik und psychiatrischen Fallgeschichten, Kriminalliteratur und Kriminalanthropologie, literarischem Darwinismus und Eugenik. In dieser Perspektive offenbaren sich ungeahnte Verbindungen zwischen Wissenschaft und klassischen sowie vergessenen Autoren der russischen Literatur, von Fedor Dostevskij und Dmitrij Mamin-Sibirjak über Lev Tolstoj und Vladimir Giljarovskij bis Anton Čechov und Aleksej Svirskij.
Literatur: Riccardo Nicolosi: Degeneration erzählen. Literatur und Psychiatrie im Russland der 1880er und 1890er Jahre. Paderborn: Wilhelm Fink 2018.
- Trainer/in: Riccardo Nicolosi
- Trainer/in: Svetlana Efimova
- Trainer/in: Svetlana Efimova

